Hilferuf aus der Hinterstraße

Geplanter Neubau in Hardegsen: Gegner wenden sich an Kreistagsabgeordnete

Modell der Hinterstraße in Hardegsen
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So oder so ähnlich würde es aussehen: Die Gegner des Bauvorhabens haben dieses Modell erstellen lassen. Sie möchten damit die Dimensionen des Gebäudes und die aus ihrer Sicht negativen Auswirkungen auf die Verkehrssituation deutlich machen.

Der Streit um den geplanten Neubau in der Hardegser Hinterstraße geht weiter

Hardegsen – Im Streit um den geplanten Bau eines Mehrfamilienhauses an der Hinterstraße in Hardegsen haben sich jetzt die Anlieger in einem Brief an die Landrätin sowie einige Mitglieder des Northeimer Kreistages gewandt, nachdem der Landkreis Northeim mit Bescheid vom 16. Oktober das vom Rat der Stadt verweigerte gemeindliche Einvernehmen ersetzt hatte (wir berichteten).

Durch die „nicht neutrale Vorgehensweise der Verwaltungsebenen“ befürchte man irreversible Schäden am historischen Stadtbild sowie massive Einschränkungen der Wohn- und Lebensqualität in einem „ohnehin schon hochverdichteten“ Teil der Hardegser Altstadt, heißt es in dem Schreiben.

Aus Sicht der Unterzeichner entspricht der für die Entscheidung des Landkreises als Grundlage genommene Flächennutzungsplan der Stadt Hardegsen nicht den Empfehlungen des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, wonach Flächennutzungspläne alle 10 bis 15 Jahre aktualisiert werden sollten. Darüber hinaus gehe aus den Unterlagen der Stadt hervor, dass bis zum Jahr 2030 ein Überhang an Wohnfläche von elf Prozent zu erwarten sei.

Die Anlieger bemängeln, dass der Bescheid über das Ersetzen des gemeindlichen Einvernehmens keinerlei Begründungen dafür enthalte, warum das geplante Bauvorhaben aus Sicht des Landkreises dem Denkmalschutz entspricht.

Auch werde nicht dargelegt, aufgrund welcher Kriterien der Landkreis zu dem Schluss gekommen sei, dass sich der geplante Bau in die Umgebung einfüge. „Vielmehr wird in dem Bescheid explizit auf Inhalte von Sitzungsvorlagen verwiesen, die durch den Bürgermeister der Stadt Hardegsen erarbeitet wurden“, betonen die Unterzeichner und verweisen darauf, dass es innerhalb der Bevölkerung erheblich Bedenken gegen das Bauvorhaben gebe. Durch rund 1200 Unterschriften sei dies bereits belegt worden.

Dem Hardegser Bürgermeister werfen die Anlieger in diesem Zusammenhang vor, den Rat der Stadt Hardegsen nicht ausreichend darüber informiert zu haben, dass die Zustimmung nicht die einzige Möglichkeit gewesen wäre, auf das Vorhaben zu reagieren.

„Es wäre auch möglich gewesen, eine Baurückstellung zu erwirken, eine Veränderungssperre zu beschließen oder einen Planaufstellungsbeschluss zu fassen“, sagt Sieglinde Schulz, die zu den Unterzeichnern des Schreibens gehört. Darüber hinaus habe die Stadt Hardegsen jetzt noch die Möglichkeit, gegen den Bescheid des Landkreises Widerspruch einzulegen.

„Ob die Stadt Hardegsen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wird, steht noch nicht fest“, sagte Bürgermeister Michael Kaiser am Freitag auf HNA-Anfrage. Er selbst werde das dem Verwaltungsausschuss als zuständigem Gremium aber nicht empfehlen, weil aus seiner Sicht nicht zu erwarten sei, dass der Landkreis seine Entscheidung bezüglich des Ersetzen des gemeindlichen Einvernehmens korrigieren wird.

Den Vorwurf, er habe die politischen Gremien nicht ausreichend informiert, weist Kaiser entschieden zurück und verweist dazu auf die entsprechenden Verwaltungsvorlagen.

Zu den von den Anliegern genannten Alternativen gibt Kaiser zu bedenken, dass ein Planaufstellungsbeschluss Voraussetzung ist, um eine Veränderungssperre oder eine Bauzurückstellung zu erwirken. Da er aber die rechtliche Auffassung des Landkreises teile, wonach der Bau eines Mehrfamilienhauses in dem Bereich grundsätzlich möglich sei, habe er keinen Planungsbedarf gesehen. Diese Thematik sei bereits am 13. Juli im Rat erörtert worden.

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