Palmensamen statt Kaugummis

Hobby-Gärtner betreibt einzigen Palmomaten im Landkreis Northeim

+
Damit hat alles angefangen: Diese Palmensamen stammen von Gran Canaria. Inzwischen kennt Kai Westphal die Tricks, um daraus kleine Palmen zu machen.

Palme gefällig? Der Hobby-Gärtner Kai Westphal betreibt im Landkreis Northeim den einzigen Palmomaten.

Wer als Hobbygärtner nur so zum Spaß pro Jahr mehr als 700 Schlangengurken in seinem eigenen Gewächshaus produziert, um sie an Freunde und Verwandte zu verschenken, kommt auch auch noch auf ganz andere verrückte Ideen.

Zum Beispiel auf die, im eigenen Vorgarten einen umgebauten Kaugummiautomaten aufzustellen und damit Palmensamen unter die Leute zu bringen. „Meine Familie ist schon einiges gewöhnt“, sagt Kai Westphal und lacht. „Aber als ich zum ersten Mal von diesem Plan berichtete, haben meine Frau und meine Kinder doch mit dem Kopf geschüttelt.“

Begonnen hat es im Urlaub

Begonnen hat alles bei einem Urlaub auf Gran Canaria. Als absoluter Pflanzen-Freak brachte sich der 49-jährige Hardegser, der hauptberuflich als Küchenchef in der Northeimer Helios-Klinik arbeitet, Palmensamen als Souvenir mit nach Hause. Doch der Traum von seinen ersten selbst gezogenen Palmen ging zunächst nicht in Erfüllung, weil er das nötige Fachwissen nicht hatte.

Bei der anschließenden Recherche im Internet erfuhr er dann, dass er nicht der Einzige war, dem es so ging. Hilfe fand er schließlich bei jemandem, der bereits seit 15 Jahren „süchtig“ nach Palmen ist und seine Sucht in geordnete Bahnen gelenkt hat: Florian Faust aus Sandkrug im Landkreis Oldenburg, dem Erfinder der Palmensamenautomaten.

„Ich bin sofort seiner Facebookcommunity beigetreten,“ sagt Westphal. „Mittlerweile sind wir schon mehr als 14.000 Palmensüchtige, die sich über die Aufzucht und Pflege von Palmen austauschen.“

Worauf es ankommt

Inzwischen weiß Westphal genau, worauf es ankommt: Das Saatgut muss ein bis zwei Tage in warmem Wasser eingeweicht werden. Anschließend muss man es vorsichtig abtrocknen und unter feuchtes, aber nicht nasses Substrat – möglichst keimfreie Kokosfasern – mischen.

Anschließend werden die Kokosfasern mit den Samen in verschließbare Plastikbeutel gefüllt. Diese sollten möglichst mit Datum und Artname versehen werden, damit sie richtig gelagert werden. Tropische Arten benötigen etwa 30 Grad Celsius, Arten aus gemäßigten Breiten keimen bei Umgebungstemperatur.

„Für die Keimung wird kein Licht benötigt und direkte Sonneneinstrahlung muss vermieden werden“, weiß Westphal. „Anschließend müssen die Samen wöchentlich kontrolliert werden. Wenn sie keimen, sind weiße Wurzeln sichtbar. Wichtig ist, dass das Substrat nicht austrocknet.“

Die Wichtigste Zutat: Geduld

Wer eigene Palmen ziehen will, muss laut Westphal aber Geduld haben, denn Palmensamen benötigen zwischen zwei Wochen und zwei Jahren oder sogar noch länger zum Keimen. „Die meisten treiben jedoch nach vier bis sechs Wochen aus.“

Nach dem Austreiben müssen die Keimlinge in einzelne, hohe Töpfe gepflanzt werden, möglichst im gleichen Substrat. Das hat Westphal bereits gemacht, und bei ihm haben sich die ersten Keimlinge bereits zu Mini-Palmen entwickelt.

Auch in Sachen Samenverbreitung hat sich in Hardegsen bereits einiges getan. „Ich musste den Automaten schon einmal nachfüllen“, freut sich Westphal. „Und da passen immerhin 220 Kapseln rein.“

Der Palmenautomat in seinem Vorgarten in Hardegsen (Hinter der Klus 10) ist übrigens der einzige im Landkreis und bundesweit einer von insgesamt 30, die bislang aufgestellt wurden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.