Wettlauf mit dem Borkenkäfer

Holzfällarbeiten im südlichen Solling laufen auf Hochtouren

Holzfäller schauen sich in einem Wald abgeholzte Fichten an, im Hintergrund stehen noch zahlreiche Bäume
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Kahlschlag: Um die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern, hilft nur noch das Abholzen der kranken Fichten.

Im Minutentakt werden in einem Waldstück in der Nähe von Ertinghausen Bäume gefällt. Die Arbeit muss schnell gehen, damit sich der Borkenkäfer nicht noch weiter ausbreiten kann.

Hardegsen – Mit Leichtigkeit umfasst der Greifarm des Harvesters von Florian Busch aus Amelith die 25 Meter hohen Fichten am unteren Ende, fällt sie und dreht den Stamm in die Waagerechte, um ihn zu entästen und auf die gewünschte Länge zu schneiden.

„Es ist ein Kampf gegen die Zeit“, sagt Förster Matthias Eckhardt von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der die Arbeiten in dem Waldgebiet koordiniert. „Wir müssen schnell handeln, denn der Borkenkäfer hat hier bereits seine Eier gelegt.“ Nur vier Wochen bleiben den Waldarbeitern, um die befallenden Fichten zu fällen und aus dem Wald zu bringen, damit eine weitere Verbreitung der Käfer verhindert werden kann.

35 Prozent des Waldes bereits zerstört

„Die Fichten im südlichen Solling sind nicht mehr zu retten“, sagt Eckhardt, der für 1900 Hektar Wald zuständig ist und 330 Waldbesitzer betreut. Größter Kunde ist die Stadt Hardegsen mit 460 Hektar Wald. Sein Revier reicht von Wahmbeck bis Lutterhausen und von Fürstenhagen bis Sievershausen bei Dassel.

35 Prozent des Waldes seien bereits zerstört, so Eckhardt. „Was der Orkan Friederike im Januar 2018 nicht vernichtet hat, erledigt jetzt der Borkenkäfer.“

Durch die heißen Sommer 2018 und 2019 seien die Böden ausgetrocknet. Dies habe zu einer Schwächung der Fichten und aller anderen Baumarten sowie zu einer explosionsartigen Vermehrung der Borkenkäfer geführt.

Die Fichten haben laut Eckhardt keine Chance, sich gegen die große Plage zu wehren. Auch durch das Aufstellen von Fallen werde man der Lage nicht Herr. „In zwei bis drei Jahren wird es hier keine Fichte mehr geben“, so Eckhardt. Mehrere Monate werde es noch dauern, bis alle Bäume gefällt, die Stämme an die Wege gerückt und anschließend mit Lastwagen aus dem Wald herausgeholt worden sind.

Im Glücksfall decken die Einnahmen die Kosten von Fällen und Rücken der Bäume

Seit Januar 2018 hat Eckhardt 175 000 Festmeter sogenanntes Kalamitätsholz (durch Sturm und Käferbefall geschädigtes Holz) eingeschlagen. Durch das große Angebot an Fichten ist allerdings der Preis stark gesunken. Lag er Ende 2017 noch bei rund 90 Euro je Festmeter für Sägeabschnitte und Stammholz, könne man hierfür laut Eckhardt noch mit 20 bis 30 Euro rechnen.

Für Industrieholz, falls es überhaupt abzusetzen ist, gibt es deutlich weniger. „Wenn man Glück hat, reichen die Einnahmen, um damit das Fällen und Rücken zu bezahlen“, so der Förster. Dann sei aber kein Geld mehr für das folgende und notwendige Aufforsten da. Je nach gewählter Baumart koste das Bepflanzen eines Hektars 6000 bis 15 000 Euro. Matthias Eckhardt rät dazu, verschiedene Baumarten zu pflanzen, um das Risiko zu streuen. Er empfiehlt Baumarten, die gegen Hitze und Trockenheit resistenter sind wie beispielsweise Eiche, Roteiche und Douglasie. Auch könne man über den Anbau weiterer Baumarten wie Ahorn, Esskastanie und Baumhasel nachdenken. Aufgrund der Erfahrung mit der Fühjahrstrockenheit der letzten Jahre empfiehlt sich nur noch die Herbstpflanzung.

„Der Boden ist derart trocken, dass der Regen im Juni und Juli so gut wie nichts gebracht hat“, beschreibt Eckhardt die Situation. „Es müsste in den nächsten Wochen ergiebig Regen geben, um wieder genügend Feuchtigkeit in den Wald zu bringen.“

Belastung für die Waldwege

Der vermehrte Holzeinschlag hinterlässt auch seine Spuren bei den Wegen im Wald. Dies haben auch die Verantwortlichen im Blick. „Für den Abtransport sind die Wege noch leidlich in Ordnung“, meint Eckhardt. Erst nach Abschluss aller Arbeiten sei daran zu denken, Wege wieder instand zu setzen. Deshalb bittet er Spaziergänger um Verständnis. Er rät aber auch zur Vorsicht, denn nicht nur trockene Fichten drohen umzustürzen. Auch bei den Buchen gibt es absterbende Bäume, die gefährlich sind. Generell gelte, die Waldflächen zu meiden, auf denen gearbeitet wird.

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