Michael Kaiser zu seinem Ausscheiden aus dem Amt

Hardegser Bürgermeister im Interview

Bürgermeister Michael Kaiser vor der Stadtverwaltung Hardegsen
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Für Michael Kaiser endet in diesem Monat die Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Hardegsen

Wir haben uns kurz vor seinem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt mit Michael Kaiser unterhalten.

Herr Kaiser, in gut zwei Wochen endet Ihre Amtszeit als Bürgermeister der Stadt Hardegsen? Was kommt dann?

Ich werde erst mal eine größere Pause zum Nachdenken einlegen und mich in aller Ruhe neu orientieren. Auf keinen Fall werde ich aber nahtlos ein vergleichbares Amt anstreben. In den vergangenen sieben Jahren habe ich mich voll auf meine Arbeit hier in Hardegsen konzentriert und das hat mir viel Spaß gemacht. Dabei habe ich nie an meine weitere berufliche Karriere gedacht.

Warum wollten Sie dann keine zweite Amtszeit?

Das habe ich mir reiflich überlegt. Und dabei bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass ich die Intensität, mit der ich das Amt ausgeführt habe, eine weitere Amtsperiode wohl nicht hätte aufrechterhalten können-

Und einen Gang runterschalten kam nicht in Frage?

Nein (lacht). Diesen Vorschlag gab es hier in Hardegsen auch aus Reihen der Politik, als ich meinen Verzicht auf die erneute Kandidatur bekannt gegeben habe. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dieses Amt mit halber Kraft auszuführen und mehr zu verwalten als zu gestalten. Für mich gab es also nur die Alternativen, so weiter zumachen wie bisher oder eben gar nicht. Und aus gesundheitlichen Gründen habe ich mich dann schließlich für Letzteres entschieden.

Das bedeutet aber, dass Sie viele Projekte, die in Ihrer Amtszeit angelaufen sind, nicht bis zum Ende begleiten können.

Das wäre auch in fünf Jahren so gewesen – wenn die Hardegser mich denn erneut gewählt hätten. Insofern hat das bei meiner Entscheidung keine Rolle gespielt. Mir war immer bewusst, dass ich nur für eine gewisse Zeit die Verantwortung übernommen habe, und ich gehöre nicht zu den Menschen, die sich über ein Amt definieren.

Aber wie hätten denn nach Ihrem Eindruck die Chancen für eine Wiederwahl gestanden? Waren Sie ein erfolgreicher Bürgermeister?

Das müssen andere entscheiden. Ich habe mich jedenfalls voll und ganz auf diese Aufgabe konzentriert. Sicher habe ich dabei auch mal dem einen oder anderen auf die Füße getreten, aber ich habe Konflikte stets im öffentlichen Interesse ausgetragen. Aber das bleibt nicht aus, wenn man ein solches Amt bekleidet.

Aktuell ist das ja beim Streit um den geplanten Neubau eines Mehrfamilienhauses in „Klein Frankreich“ wohl der Fall. Da wirft man Ihnen ja vor, im Sinne des Investors und nicht im Sinne der Bürger gehandelt und entschieden zu haben.

Die Art und Weise, wie die Gegner dieses Vorhabens die öffentliche Diskussion zu diesem Thema teilweise geführt haben, war für mich nicht nachvollziehbar. Aber auch damit muss man als Verwaltungschef leben. Ich habe versucht, immer meine Position deutlich zu machen.

Nämlich?

Dass es nicht die Aufgabe eines Bürgermeisters ist, bei Entscheidungen für irgendjemanden Partei zu ergreifen, sondern einzig und allein nach Bewertung der rechtlichen Situation eine Entscheidung im Gemeinwohlinteresse zu treffen und entsprechende Empfehlungen auszusprechen. Und das gilt natürlich auch für die Politik und die gesamte Verwaltung, nicht nur für den Bürgermeister.

Wie haben Sie damals Ihren Start in das Bürgermeisteramt erlebt? Gab es Dinge, die Sie überrascht haben oder die Sie so nicht erwartet hatten?

Eigentlich nicht. Da ich zuvor als persönlicher Referent des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters der Stadt Northeim, Irnfried Rabe, tätig war, konnte ich ganz gut einschätzen, was auf mich zukommen würde. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, ohne damals zu ahnen, dass ich einmal Bürgermeister werden würde.

Welches waren für Sie die entscheidenden Ereignisse Ihrer Amtszeit?

Da gibt es viele. Aber die Bewältigung der Flüchtlingskrise 2015, die aktuelle Corona-Pandemie und die größeren Bauprojekte waren sicher die größten Herausforderungen.

Und an was werden Sie sich gern erinnern?

An die gute, familiäre Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Rathaus, den persönlichen Austausch mit vielen engagierten Menschen, die ich kennenlernen durfte und die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den politischen Gremien, auch wenn es da hin und wieder einmal unterschiedliche Meinungen gab.

Wird man sie trotz Ihres Abschieds aus dem Amt auch künftig noch ab und zu in der Stadt sehen?

Mit Sicherheit (lacht). Nach sieben Jahren werde ich Hardegsen so schnell nicht los. Und die Hardegser werden mich nicht so schnell los, denn ich werde natürlich mit großem Interesse die Entwicklung der Stadt weiterverfolgen. Immerhin haben Rat und Verwaltung hier in Hardegsen in den vergangenen sieben Jahren ungefähr 150 Projekte im Wert von rund 23 Millionen Euro in die Wege geleitet. Allerdings werde ich mich nach meinem Ausscheiden aus dem Amt garantiert aus der Politik heraushalten. Und ich werde keinesfalls meinem Amtsnachfolger, Herrn Gärner, ungefragt irgendwelche Ratschläge geben – schon gar nicht öffentlich.

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