Neuaufforstung nötig

Keine Rettung für die Fichten im Hardegser Wald

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Hier ist nichts mehr zu machen: Revierförster Matthias Eckhardt (rechts) erläutert Mitgliedern des Bauausschusses und Vertretern der Verwaltung die Schäden und Maßnahmen in einem 75 Jahre alten Fichtenbestand. 

Im Hardegser Stadtwald geht es nicht nur den Fichten schlecht. Auch Buchen leiden unter dem Klimawandel.

Der Wunsch von Revierförster Matthias Eckhardt hat sich nicht erfüllt, aber das war eigentlich auch nicht zu erwarten. Denn nur wenn das Wetter in diesem Jahr bis Ende Juli so kühl und regnerisch geblieben wäre wie im November des vergangenen Jahres hätten die Fichten im Hardegser Stadtwald noch eine Chance gehabt.

Hier bleibt kein Baum mehr stehen: Die markierten Fichten müssen gefällt werden.

So aber haben ihnen das Sturmtief Friederike und in der Folge eine Borkenkäferinvasion den Garaus gemacht. „Das kann man an den vielen grünen Nadeln am Waldboden erkennen“, sagt Eckhardt und hat damit für den Bauausschuss, der sich am Montag bei einer Rundfahrt durch den Hardegser Wirtschaftswald einen Überblick über die aktuelle Situation verschafft, keine gute Nachricht. Ein weiterer Hinweis auf einen Borkenkäferbefall sei Bohrmehl, das auf dem Boden rund um die Stämme zu finden sei.

Seit Januar 2018 sei man hauptsächlich damit beschäftigt gewesen, im Hardegser Stadtwald Kalamitätsflächen, also Bereiche des Waldes, die durch höhere Gewalt geschädigt wurden, zu bearbeiten. „Wir hatten uns zwar auf eine Borkenkäferplage eingestellt“, betont Eckhardt. Infolge der Witterung habe die in diesem Jahr jedoch Ausmaße angenommen, die nicht mehr zu bewältigen gewesen sei. Außerdem habe das Sturmtief Eberhard im März dieses Jahres für zusätzlichen Windbruch in den Beständen gesorgt.

Bislang mussten im Hardegser Stadtwald 9300 Festmeter Fichtenholz eingeschlagen werden, um die geschädigten Bäume wenigstens noch vermarkten zu können. Dabei sei man in Hardegsen allerdings insofern mit einem blauen Auge davongekommen, dass zumindest die anfallenden Kosten für die Aufarbeitung der Schäden durch die Einnahmen gedeckt werden konnten.

Für die notwendigen Neuanpflanzungen müsse man im kommenden Jahr allerdings die Rücklagen anzapfen, weil die Kommunen trotz angekündigter Fördergelder zunächst in Vorleistung gehen müssten. Die voraussichtlichen Kosten für die Stadt Hardegsen schätzt Eckhardt auf 100 000 Euro.

Dort, wo es möglich sei, werde man auf die natürliche Vermehrung der Bäume, die sogenannte Naturverjüngung, setzen. Ansonsten werde man einen Mischwald anpflanzen. „Das bedeutet aber nicht, dass dann viele verschiedene Arten zusammen stehen, sondern dass es mehr Bereiche mit unterschiedlichen Kulturen geben wird, um das Risiko zu verteilen“, betont Eckhardt.

Die angesichts der aktuellen Waldproblematik vielfach geäußerte öffentliche Kritik an der Forstwirtschaft weist Eckhardt zurück. Er gibt zu bedenken, dass die Bäume, die jetzt unter dem Klimawandel leiden, bereits vor einigen Generationen gepflanzt wurden. Damals habe noch niemand wissen können, dass sich irgendwann einmal Fichten als derart ungeeignet für die hiesigen Standorte erweisen könnten.

Dasselbe gelte auch für die Buche, die ja der natürlich in der Region vorkommende Baum sei, so Eckhard. Buchen seien im Hardegser Wald zwar noch nicht flächendeckend geschädigt, aber es gebe bereits einzelne, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden müssen.

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