Ausgrabungen im Landkreis Northeim

Hobbyarchäologen finden Kinder-Skelette

Ausgrabungen im Landkreis Northeim: Hobbyarchäologe Norbert Helbig entdeckte ein weiteres Kinderskelett in den Überresten einer mittelalterlichen Kirche.
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Ausgrabungen im Landkreis Northeim: Hobbyarchäologe Norbert Helbig entdeckte ein weiteres Kinderskelett in den Überresten einer mittelalterlichen Kirche.

Vor sechs Jahren begannen Hobbyarchäologen mit Ausgrabungen einer Ruine im Landkreis Northeim. Neben Keramikscherben sind auch menschliche Gebeine entdeckt worden.

Asche – Mit Pinseln bewaffnet sitzt ein halbes Dutzend Mitglieder des Geschichtsvereins Asche-Fehrlingsen in einem Wäldchen bei Asche im Landkreis Northeim auf der Erde. Sie wollen behutsam weitere Spuren einer mittelalterlichen Kirche freilegen.

Am vergangenen Wochenende nahm der Verein seine vor sechs Jahren begonnene und im vergangenen Herbst wegen Corona unterbrochenen Ausgrabungen wieder auf.

Hobbyarchäologen untersuchen Überreste einer mittelalterlichen Kirche im Landkreis Northeim

„Hier, schau mal“, unterbricht Burkhard Sperschneider schon bald die Stille. Stolz zeigt der Hobby-Archäologe einen quadratischen Sandstein mit einem mehrere Zentimeter großen Vertiefung in der Mitte, der als Türangel gedient haben muss. Auch Keramikscherben und Bleiummantelungen von Fenstern findet das Team.

Burkhard Sperschneider (links) und Archäologe Frank Wedekind, der die Grabung wissenschaftlich begleitet, zeigen hier einen freigelegten Stein, der als Türangel gedient haben soll.

Die Fensterverglasung zeigt nach den Worten von Frank Wedekind vom Göttinger Fachbüro Streichardt & Wedekind Archäologie, dass das Dorf einen gewissen Wohlstand erreicht hatte. Zusammen mit der Northeimer Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne begleitet er die Ausgrabung. Durch die Dicke und Form der Mauern werde deutlich, dass die Kirche in mehreren Etappen gebaut wurde, erklärt der Archäologe. „Wenn wir Fragen haben, ist es gut, dass Frank Wedekind immer da ist“, sagt Geschichtsvereinsvorsitzende Dr. Frank Wiese.

Knochen eines Kinderskeletts in Ruine im Landkreis Northeim gefunden

Auf andere Gegenstände menschlicher Art stößt Norbert Helbig, der in einem ein Meter tiefen Loch vor den Resten des Seiteneingangs der Kirche sitzt. Knochen eines Kinderskeletts legt er mit seinem Handpinsel behutsam frei. Die Gebeine von fünf Kindern und eines Erwachsenen hat er dort bereits gefunden, berichtet der 62-Jährige, der von Anfang an bei den Ausgrabungen ist.

„Die Skelette von Kindern direkt neben der Kirchenwand deuten auf Traufbestattungen hin“, sagt Wiese. Sie wurden dort begraben, da sie mutmaßlich ungetauft waren. Durch das von der Traufe des Kirchendachs tropfende Wasser sollten sie quasi nachträglich getauft werden, um der Vorhölle zu entgehen.

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Landkreis Northeim: Ausgrabung soll noch ein paar Jahre andauern

„Die Entwicklung zu sehen, was hier in den vergangenen Jahren ausgegraben wurde, ist faszinierend“, sagt Northeims Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, die am Wochenende nach 2017 zum zweiten Mal den Ausgrabungsort besucht.

Die Ausgrabung soll laut Wiese noch ein paar Jahre weitergehen. Plan des Geschichtsvereins mit seinen derzeit 99 Mitgliedern ist es, weiterzumachen, bis alle Fragen geklärt seien. Danach soll eine Dokumentation erstellt und die Kirche soll wieder mit Sand versiegelt werden. (Roland Schrader)

Bereits im vergangenen Jahr sind Archäologen in Northeim (Niedersachsen) auf einen spektakulären Fund aus der Eisenzeit gestoßen.

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