Hardegsen21/Die Linke: Stadt spart am falschen Ende

Granit ist Stein des Anstoßes in Hardegsen

Großbaustelle mit Bagger und Bauarbeitern in der Hardegser Innenstadt.
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Großbaustelle: In der Hardegser Innenstadt wird der Bereich „Vor dem Tore“ neu gestaltet. Dabei soll bei der Pflasterung des benachbarten Lindenplatzes Granit aus China eingesetzt werden.

Mit der Verwendung von kostengünstigem Granit aus China für die Pflasterung des Lindenplatzes spart die Stadt Hardegsen am falschen Ende. Diesen Vorwurf hat jetzt die Ratsgruppe Hardegsen 21/Die Linke erhoben.

Hardegsen – Bei der Verwendung chinesischen Granits spare die Stadt zwar im Vergleich zu Granit aus Europa rund 15 000 Euro, heißt es dazu in einer Pressemitteilung, nachdem in dieser Woche die voraussichtlich 350 000 Euro kostenden Bauarbeiten im Bereich „Vor dem Tore“ begonnen haben (wir berichteten). Im Verhältnis zum Gesamtvolumen des Großprojektes sei dies allerdings eine „verschwindend geringe Summe“.

Aus Sicht der Ratsgruppe hätte die Stadt Hardegsen bei dieser Baumaßnahme ein „Signal gegen Kinderarbeit, katastrophale Arbeitsbedingungen und Umweltverschmutzung“ setzen müssen. Die Entscheidung für Granit aus China könne man als „mangelnde Empathie und Gleichgültigkeit gegenüber denjenigen sehen, deren prekären Arbeits- und Lebensbedingungen“ die preisgünstigere Umgestaltung des Lindenplatzes ermöglichten.

Auch die CO2-Bilanz des bestellten Materials sei ernüchternd. Die zu verbauenden 65 Tonnen Granitpflaster hätten bei europäischer Herkunft lediglich einen Transportweg von 2000 Kilometern, was einem CO2-Ausstoß von 5,7 Tonnen entspräche. Steine aus Südostasien müssten aber über eine Strecke von 18 600 Kilometer transportiert werden. Dafür würden 17,2 Tonnen, also 11,5 Tonnen mehr CO2 ausgestoßen.

Beim offiziellen Startschuss für die Bauarbeiten habe die Stadt darauf verwiesen, dass man mit der Verwendung des „gelb-roten Granits“ die Farben des Solling-Buntsandsteins widerspiegeln wolle, so die Ratsgruppe. Da die Farbe Gelb dort aber überhaupt keine Rolle spiele, diene „diese Farbspielerei“ wohl eher dazu, für einen Granit zu werben, der aus den genannten Gründen nicht verbaut werden dürfte.

„Alle Ratsmitglieder sind ehrenamtlich tätig und können sich nicht immer in alle lauernden Probleme einarbeiten“, räumt die Gruppe ein. Daher sei es die Aufgabe der Verwaltung, im Vorfeld solcher Bauprojekte auch die Nachteile billigerer Baustoff zu kommunizieren. „Hier werden Steuergelder verbaut, und die Verwendung derartiger Naturwerksteine ist bei der heutigen Kenntnis des Produktionsumfeldes unserer Meinung nach nicht mehr akzeptabel.“ (nik)

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