Moringer Rehkitz zieht in Wildpark Hardegsen um

Ein letztes Fläschchen: Sophie Kinas und Jonas verabschieden sich im Wildpark Hardegsen von Rehkitz „Bijel“. Fotos: Schwekendiek

Hardegsen. Drei Monate lang hat Familie Kinas aus Moringen ein junges Rehkitz mit der Falsche aufgepäppelt. Jetzt hat es ein neues Zuhause im Wildpark Hardegsen gefunden.

Mit wachem Blick erkundet „Bijel“ ihr neues Gehege. Putzmunter stiefelt das junge Reh durch das hohe Gras, knabbert an Ästen und Blättern. „Mir blutet das Herz“, sagt Andrea Kinas. Für die Moringerin ist der Tag des Abschieds gekommen.

Ankunft in Hardegsen: Wildparkbetreuer Wolfgang Schlemme notiert sich die wichtigsten Informationen über den Neuzugang.

Drei Monate lang hat sich die Familie um das Jungtier gekümmert, es mit der Flasche aufgezogen. Eine junge Frau hatte das Kitz Mitte Mai von einer Wiese bei Duderstadt mitgenommen, als es nur wenige Tage alt war (HNA berichtete). Über einen befreundeten Jäger entstand der Kontakt zur Familie nach Moringen, die das Tier schließlich aufnahm. Weil der heimische Garten zu klein wurde, erklärte sich jetzt der Wildpark Hardegsen bereit, das Reh aufzunehmen.

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„Nach so langer Zeit ist ein Tier wie ein Familienmitglied“, findet Andrea Kinas, die als Jägerin bereits Erfahrung im Aufziehen von Wildtieren hat. Gemeinsam mit Tochter Sophie hat sie das Kitz anfangs alle drei Stunden mit der Flasche gefüttert - auch nachts. Es waren Tage voller Sorgen, denn lange war nicht klar, ob es die Strapazen überstehen würde. „Fast zwei Wochen haben wir gezittert“, berichtet die Moringerin. Normalerweise sei nach drei bis vier Tagen klar, ob ein Jungtier durchkomme.

Tochter Sophie taufte das Reh „Bijel“, der bosnische Ausdruck für Weiß. Denn wie das Muttertier, das komplett weißes Fell hat, wird wohl auch das Jungtier auffallend helles Fell bekommen.

Bevor das junge Reh ins große Wildtiergehege umzieht, hat es Zeit, sich in einem Gatter an die neue Umgebung zu gewöhnen. Ein Rehbock zeigte beim Pressetermin bereits Interesse am Neuzugang. „Durch den Zaun können sich die Tiere erstmal beschnuppern“, sagt Tierparkbetreuer Wolfgang Schlemme. Erst in der kommenden Woche dürfen sie gemeinsam auf die Wiese.

Zum Abschied gab es für „Bijel“ noch einmal ein Fläschchen. „Eigentlich braucht sie das gar nicht mehr“, erklärt Sophie Kinas. „Die Milch ist eher wie ein Leckerli.“ Schon mit wenigen Wochen beginnen Rehe Gräser, Kräuter oder Weidenzweige zu fressen.

„Falsche Nahrung kann für die Tiere sehr gefährlich werden“, erläutert Schlemme. Vermutlich ist daran auch das zweite junge Kitz, das im Mai bei Duderstadt aufgelesen wurde, nach wenigen Tagen verendet. „In freier Wildbahn sollten Jungtiere auf keinen Fall angefasst oder gefüttert werden“, appelliert Peter Jakobi, Jagdpächter des Reviers Hilkerode bei Duderstadt, an Spaziergänger - auch wenn es noch so gut gemeint sei. Im Wildpark Hardegsen gilt für Besucher ebenfalls ein striktes Fütterverbot.

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