Anlieger der Hardegser Hinterstraße wollen gegen umstrittenes Projekt klagen

Neubau in „Klein Frankreich“ Thema im Rat der Stadt Hardegsen

Auf dieser freien Fläche soll das neue Mehrfamilienhaus gebaut werden. Links ist das Gebäude der ehemaligen Hardegser Knopffabrik zu sehen
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Auf dieser freien Fläche soll das neue Mehrfamilienhaus gebaut werden. Links ist das Gebäude der ehemaligen Hardegser Knopffabrik zu sehen

Der Streit um ein geplantes Mehrfamilienhaus in der Hardegser Innenstadt geht wohl weiter.

Hardegsen – Der umstrittene geplante Bau eines Mehrfamilienhauses in der Hardegser Hinterstraße, die im Volksmund auch als „Klein Frankreich“ bezeichnet wird, dürfte in der kommenden Woche erneut für eine lebhafte öffentliche Diskussion in Hardegsen sorgen. Denn wenn sich der Rat der Stadt am Montag, 13. September, um 19 Uhr zu seiner nächsten öffentlichen Sitzung im Muthaussaal trifft, wird dieses Thema im Mittelpunkt stehen.

Die Gegner des Bauvorhabens haben im Vorfeld der Sitzung bereits weiteren Widerstand angekündigt. „Sollte der Rat sich für den Neubau aussprechen, wird die Klage vor dem Verwaltungsgericht auf jeden Fall kommen“, kündigte Sieglinde Schulz an.

Sie gehört zu den Anliegern, die sich bereits im November 2020 mit einem Schreiben an alle Kreistagsabgeordneten gewandt haben, um ihre Bedenken zu dem Bauvorhaben deutlich zu machen. Insbesondere befürchten die Kritiker negative Auswirkungen auf die ohnehin angespannte Verkehrssituation in der Hinterstraße. Gegen das Bauprojekt wurden rund 1200 Unterschriften gesammelt.

Die von der Stadtverwaltung erarbeitete Verwaltungsvorlage sieht vor, dass der Rat am Montag das sogenannte gemeindliche Einvernehmen für das Bauprojekt jetzt erteilt, nachdem es in der Sitzung am 15. Juli des vergangenen Jahres dafür keine Mehrheit gegeben hatte (wir berichteten).

Das Versagen des Einvernehmens war allerdings seitens des Landkreises Northeim als rechtswidrig beurteilt worden, sodass der Landkreis als Bauaufsichtsbehörde am 16. Oktober 2020 das Einvernehmen ersetzt hatte.

Gegen den am 7. Dezember 2020 erteilten Bauvorbescheid des Landkreises hatte die Investorengemeinschaft als Bauherr allerdings erfolgreich Widerspruch eingelegt, da der Landkreis zunächst vorgegeben hatte, dass die Firsthöhe des hinteren Gebäudeteils die des vorderen um etwa einen Meter unterschreiten sollte.

Nach erneuter Überprüfung war der Landkreis zu dem Ergebnis gekommen, dass die geplante Gebäudehöhe keine negativen Auswirkungen auf die denkmalgeschützten Häuser Hinterstraße haben wird. Außerdem wird sich das geplante Gebäude nach Auffassung des Landkreises auch mit Firsthöhen von knapp unter 10 Metern in die Umgebung einfügen.

Mit der Begründung, dass bei der Beurteilung des Sachverhalts nicht nur die kleinteilige geschlossene Bebauung der Hinterstraße, sondern auch die ehemalige Knopffabrik berücksichtigt werden müsse, hat der Landkreis außerdem den Widerspruch von Nachbarn gegen den gesamten Bauvorbescheid zurückgewiesen.

Hinsichtlich des Denkmalschutzes teilte der Landkreis dazu mit, dass trotz des geplanten Mehrfamilienhauses die Erlebbarkeit der noch erhaltenen Bereiche der historischen Stadtbefestigung und der ortstypischen geschlossenen Straßenzeile gewährleistet sei. Sowohl die Sicht auf die südliche Außenwand des Hauses Hinterstraße 10, die ein Teil der Stadtmauer ist, als auch auf den in Teilen erhaltene halbrunden Wehrturm Hinterstraße 12 wird nach Einschätzung des Landkreises nicht durch den Neubau beeinträchtigt.

In dem neuen Gebäude sollen acht Wohneinheiten entstehen, wobei auf dem Grundstück zwölf Parkplätze vorgesehen sind. Von der Stadtverwaltung wird das Bauvorhaben begrüßt, weil es zum einen der Innenentwicklung der Stadt diene und zum anderen dringend benötigten barrierefreien Wohnraum am Rande der Altstadt schaffe.

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