1. Startseite
  2. Lokales
  3. Northeim
  4. Hardegsen

Schwalben im Kreis Northeim brauchen Hilfe

Erstellt:

Von: Michael Caspar

Kommentare

Schwalbenfreundliches Haus: Northeims Nabu-Vorsitzender Bernhard Biel zeichnete die Lichtenborner Hippotherapeutin Anke Krengel aus.
Schwalbenfreundliches Haus: Northeims Nabu-Vorsitzender Bernhard Biel zeichnete die Lichtenborner Hippotherapeutin Anke Krengel aus. © Michael Caspar

Lichtenborn – Zu wenig Insekten, herabstürzende Nester: Der heiße, trockene Sommer macht auch den Schwalben im Kreis Northeim zu schaffen. Das berichtet der Vorsitzende des Northeimer Naturschutzbundes (Nabu), Bernhard Biel.

Derzeit bekommt Biel fast täglich Anrufe von Menschen, die am Boden Jungvögel entdecken. „Vögel werfen das schwächste Junge aus dem Nest, wenn sie nicht genug Futter finden“, erklärt Biel.

Teilweise stürzen auch Rauchschwalben-Nester von den Wänden. Vor allem an trockenen Holzfassaden halten die Lehmkonstruktionen schlecht. „Die Haftung sinkt, wenn Schwalben aufgrund fehlender Lehmpfützen ihre Nester nur halbhoch ziehen“, erläutert Biel. Einige Schwalben würden aus Not nassen Sand für den Nestbau verwenden.

„Wer ein heruntergefallenes Nest findet, sollte die Jungvögel in einen Korb setzen und zum Schutz gegen Austrocknen mit einem Tuch abdecken“, rät Biel. Schwalbeneltern stören sich nicht am Geruch von Menschen.

Tiere leiden unter der extremen Trockenheit: Eine Rauchschwalbe füttert in einem Schuppen ihren Nachwuchs.
Tiere leiden unter der extremen Trockenheit: Eine Rauchschwalbe füttert in einem Schuppen ihren Nachwuchs. © Lino Mirgeler/dpa

Danach sollte schnell ein künstliches Nest an die Wand montiert und die Jungvögel hineingesetzt werden. Die besorgten Elterntiere, die sich bestimmt in der Nähe aufhalten, füttern ihren Nachwuchs dann weiter, sagt Biel. Jungschwalben lassen sich auch in die Nester anderer Schwalben setzen und werden dann dort weiterverpflegt.

„Die Trockenheit verknappt das ohnehin magere Angebot an Fluginsekten zusätzlich“, sagt der Nabu-Vorsitzende. Jahrhundertelang haben Schwalben in Viehställen reichlich Beute gemacht. Heute verschließen Landwirte oft aufgrund von Hygieneauflagen ihre Ställe. Und auch Misthaufen, die Insekten anlocken, müssen abgedeckt werden.

Umso mehr freut sich Biel über Anke Krengel aus Lichtenborn, die dort vor fünf Jahren einen alten, aufgegebenen Bauernhof an der Dorfstraße 19 übernommen hat. Die Hippotherapeutin hält Pferde in Ställen, in denen Schwalben ein- und ausfliegen können.

Auf dem 1,5 Hektar großen Areal, einen halben Hektar davon stellen Nachbarn zur Verfügung, gibt es Lehmpfützen. Die Weiden sind naturnah und voller Kräuter. Die Therapeutin hat 40 Sträucher gesetzt, darunter Weißdorn, Haselnuss und Weide. Außerdem pflanzte sie 20 Obstbäume, abgestorbene Bäume lässt sie stehen. Feldsteine hat Anke Krengel zu einer Mauer aufgeschichtet, denn das lieben Insekten besonders. Die Folge: Auf Krengels Hof summt, brummt und zirpt es überall. Neben den Schwalben profitieren außerdem auch andere Vögel vom Futterangebot.

Krengel, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen ist, hat nach eigenen Angaben keine Probleme mit Schwalbendreck. „Mit Kotbrettern lassen sich die Hausfassaden schützen“, betont Biel an die Adresse der auf Sauberkeit bedachten Hausbesitzer. Ein Problem: Bei Haussanierungen werden inzwischen alle Gebäudeöffnungen verschlossen, bedauert der Naturschützer. Dass es auch anders geht, habe Krengel bewiesen. Für ihr Engagement zeichnete Biel sie mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ aus. (Michael Caspar)

Auch interessant

Kommentare