Es lohnt nicht mehr

Landwirt aus Ellierode gibt Schweinezucht auf

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Schluss mit der Zucht: Landwirt Rudi Hillebrecht verabschiedete sich jetzt von seinen letzten Schweinen. Einst tummelten sich bis zu 700 Tiere in seinen Ställen. 

Zu viele Vorschriften und Restriktionen. Einem Landwirt aus der Hardegser Ortschaft Ellierode reicht es nun. Er hört mit der Schweinezucht auf.

„Ich habe mit der Schweinezucht abgeschlossen“, sagt Landwirt Rudi Hillebrecht und macht den Stall zu. Kurze Zeit später werden seine letzten sechs Schweine vom Schlachter abgeholt. Gähnende Leere herrscht nun im großen Stall, der vor 15 Jahren noch 700 Schweine beherbergte. In der Hardegser Ortschaft Ellierode gibt es jetzt nur noch ein paar Bentheimer-Schweine eines Hobbytierhalters.

„Damals hatte ich noch 100 Sauen“, erinnert sich der 58-jährige Landwirt, der nach und nach den Spaß an der Viehzucht verloren hat. Es war ein schleichender Prozess, der vor Jahren begann und durch die Politik auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene ausgelöst wurde. „Grund sind Gesetze und Verordnungen, die immer schlimmer werden“, sagt Hillebrecht, der den Betrieb von seinem Vater übernommen hatte und gerne Schweine züchtete.

Allmählich hat er die Zahl seiner Tiere reduziert, bis es vor fünf Jahren nur noch 60 Sauen waren. Neue Vorschriften erlaubten dann auch diese Zahl nicht mehr, sodass er weiter abbauen musste. Zusätzlich wurden ein Salmonellen- und ein Medikamentenmonitoring auferlegt. Auch mit der Teilnahme am Qualitätssiegel „Qualität und Sicherheit“ (QS) wurde der Büroaufwand mehr. „Ab diesen Zeitpunkt verlor ich den Spaß an der Zucht“. Mit der Aussicht, dass das Schwänze-Kopier- und das Kastrationsverbot in Kraft tritt, beschloss er, endgültig aufzuhören.

Es sind Vorschriften wie diese, die es seiner Ansicht nach kleineren Familienbetrieben immer schwerer mache, zu bestehen. Auch viele aus seinem Bekanntenkreis denken ähnlich und werden seiner Einschätzung nach in den nächsten zwei bis drei Jahren mit der Tierhaltung aufhören. Er prognostiziert, dass bundesweit in den nächsten 15 Jahren ein Drittel aller Landwirte aus der Tierhaltung aussteigen werden. Er kritisiert, dass die Politik nach außen hin die bäuerliche Landwirtschaft, also Kleinbetriebe, fördern wolle. Durch Bürokratie werde aber genau das Gegenteil erreicht. So fordere beispielsweise Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), dass Betriebe sich anpassen müssten. Dabei sollte die Politik seiner Ansicht nach die Landwirte unterstützen.

Früher hatten die Betriebe 10 bis 15 Hektar Ackerfläche. Heute müssen es schon 100 Hektar und mehr sein, um ein Auskommen zu haben, sagt Rudi Hillebrecht. Er will versuchen, mit seinen 45 Hektar Anbaufläche über die Runden zu kommen.

Enttäuscht ist er auch vom Bauernverband, der sich zu wenig für kleinere Betriebe einsetze. Seine Kündigung an den Verband geht wohl demnächst in die Post. 

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