Hochwasser im Landkreis Northeim

Serie Hochwasserschutz (4): In Hardegsen sind neue Berechnungen nötig

Seit dem Hochwasser 1998 gab es in Hardegsen keine kritischen Hochwasser mehr. Hier ist die damals überflutete Göttinger Straße zu sehen.
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Seit dem Hochwasser 1998 gab es in Hardegsen keine kritischen Hochwasser mehr. Hier ist die damals überflutete Göttinger Straße zu sehen.

Wie ist es um den Hochwasserschutz in Hardegsen bestellt? Bereits 1998 kam es dort zu einem kritischen Ereignis.

Hardegsen – Auch wenn es nach dem historischen Hochwasser im Oktober 1998 in Hardegsen zu keinem kritischen Hochwasserereignis mehr gekommen ist, hat die Stadtverwaltung die dramatischen Ereignisse in den aktuellen Hochwassergebieten zum Anlass genommen, Kontakt mit dem Ingenieurbüro aufzunehmen, das seinerzeit für die Planung des Hochwasserrückhaltebeckens „Pohlsburg“ verantwortlich war. Das teilte Bürgermeister Michael Kaiser auf HNA-Anfrage mit.

Unklar sei derzeit, welche Folgen Niederschlagsmengen von 200 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden, wie sie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die Katastrophe ausgelöst haben, für das Hardegser Stadtgebiet hätten. Dazu sei die Erstellung eines Niederschlag-Abfluss-Models nötig, an dem die Auswirkungen verschiedener Niederschlagsszenarien simuliert werden können.

„Wir können aber davon ausgehen, dass sich die dramatische Lage wie zum Beispiel die im Ahrtal nicht eins zu eins auf Hardegsen übertragen lässt, da es erhebliche Unterschiede im Hinblick auf die Topografie, die Bebauung und die Beschaffenheit der Böden gibt“, sagt Kaiser.

Hochwasserschutz in Hardegsen: Hochwasserrückhaltebecken „Pohlsburg“ kann 60 000 Kubikmeter fassen

Er betont, dass dank des Hochwasserückhaltebeckens „Pohlsburg“, das ein Fassungsvermögen von 60 000 Kubikmetern habe und 700 000 Euro gekostet habe, auch bei sehr kurzzeitigen extremen Regenereignissen der Wasserabfluss gewährleistet gewesen sei. Laut Kaiser gab es dabei stets „hinreichende Einstaureserven“.

Die rund 750 Einläufe in den Straßen der Kernstadt würden regelmäßig und derzeit auch aktuell durch ein Fachunternehmen gereinigt, so Kaiser. Außerdem würden Anlieger, die ihrer Räumpflicht nicht nachkämen, kurzfristig aufgefordert, die Gossen von Bewuchs und Schmutz zu befreien, um Verstopfungen zu verhindern.

In einigen Ortschaften werde dies von den Ortswehren ehrenamtlich erledigt und in Einzelfällen vom städtischen Baubetriebshof.Bei den Planungen für das Hochwasserrückhaltebecken habe es zwar Überlegungen zu Retentionsräumen für die Espolde in Üssinghausen, den Schöttelbach in Ellierode und die Schwülme in Hettensen gegeben, blickt Kaiser zurück. Konkrete Planungen seien damals aber nicht eingeleitet worden.

Hochwasserschutz in Hardegsen: Zur Klärung der Notwendigkeit neuer Schutzvorrichtungen in den Ortschaften sind neue Berechnungen notwendig

Zu Klärung der Notwendigkeit neuer Schutzvorrichtungen in den Ortschaften seien in jedem Fall neue Berechnungen notwendig. Insgesamt verfolge die Stadt Hardegsen bereits das Ziel, für die Siedlungsentwicklung weniger Flächen in Anspruch zu nehmen und Überschwemmungsgebiete für Baumaßnahmen möglichst zu meiden, schildert Kaiser die aktuelle Situation.

Der geplante Neubau des Aldi-Marktes in Hardegsen sei in dieser Hinsicht ein Sonderfall. Aufgrund eines hydraulischen Gutachtens werde dieses Gebäude aber aufgeständert, sodass der ungehinderte Abfluss der Espolde gewährleistet sei. Zudem werde dort neuer Retentionsraum geschaffen.

Darüber hinaus solle die geplante nördliche Erweiterung des Gewerbegebietes „modellhaft unter zertifizierten Nachhaltigkeitsaspekten“ erfolgen. Die Serie Hochwasser wird bis kommenden Samstag (21.08.21) um jeweils 9 Uhr fortgesetzt. (Niko Mönkemeyer)

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