Vorstoß von CDU-Ratsherr Tobias Kreitz

Straßenumbenennung? In Hardegsen soll  Heimatdichter Heinrich Sohnrey auf Prüfstand

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Heinrich Sohnrey

Hardegsen – Der Rat der Stadt Hardegsen soll die Leistungen von Heinrich Sohnrey vor dem Hintergrund neuester Erkenntnisse über die Nähe des Schriftstellers und Heimatdichters zum Nationalsozialismus neu bewerten.

Diese Forderung hat der Hardegser CDU-Ratsherr Tobias Kreitz erhoben.

„Weil mir dies ein persönliches Anliegen ist und ich hier auf einen fraktionsübergreifenden Beschluss hoffe, habe ich nicht den Weg über meine Fraktion gewählt“, sagt Kreitz. Es sei zu überprüfen, ob die Würdigung Sohnreys als Namensgeber der Hardegser Sohnreystraße noch tragbar sei. Kreitz verweist darauf, dass man in Göttingen, Hann. Münden, Hannover und Rinteln bereits entsprechende Konsequenzen gezogen hat und schlägt vor, die Anwohner der Sohnreystraße bei dem von ihm geforderten Verfahren mit einzubeziehen, um eine möglichst große Akzeptanz zu erreichen.

Tobias Kreitz, CDU-Ratsherr in Hardegsen

In der Begründung seines Antrages beruft sich Kreitz auf die Bewertung Sohnreys durch den Beirat „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten“ der Stadt Hannover hin. Der sei zu dem Ergebnis gekommen, dass Sohnrey „schon vor 1933 und danach sich weiter zuspitzend“ in seinen Werken fremdenfeindliches und rassistisches Gedankengut veröffentlicht habe. Insbesondere mit der Propagandaschrift „Landflucht ist Volkstod“ habe er nach Kriegsbeginn die nationalsozialistische Ideologie verbreitet und mit seiner Popularität den publizistischen Betrieb des NS-Regimes unterstützt.

„Wir werden den Antrag von Herrn Kreitz zunächst im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur beraten lassen“, sagte Hardegsens Bürgermeister Michael Kaiser auf HNA-Nachfrage. Er sprach sich dafür aus, nicht nur die Anwohner der Hardegser Sohnreystraße, sondern alle Hardegser in die Entscheidung über eine Namensänderung mit einzubeziehen.

Eine persönliche Bewertung Sohnreys wollte Kaiser nicht vornehmen. Das sei jetzt Sache des Hardegser Rates, betonte er, wies aber daraufhin, dass in allen Kommunen, die sich bereits mit diesem Thema beschäftigt hätten, Straßen, Plätze oder Schulen umbenannt worden seien.  

Diskussion begann an der Universität Göttingen

Als die Universität Göttingen im Jahr 2011 vor dem Hintergrund einer Analyse des Wirkens Sohnreys durch den Germanisten Frank Möbus in Erwägung zog, dem Heimatdichter die Ehrenbürgerschaft der Uni zu entziehen, sorgte das in der Region Südniedersachsen für große Aufregung. Die Universität kam dabei zu dem Schluss, dass eine Aberkennung nicht notwendig sei, da die Ehrung mit dem Tod Sohnreys ohnehin erloschen sei. 

In vielen Städten und Gemeinden wurden allerdings im Hinblick auf die mögliche Nähe des Schriftstellers zum Nazi-Regime Konsequenzen gezogen: 2011 wurde der Name der Heinrich-Sohnrey-Realschule in Hann. Münden aufgehoben. Außerdem wurde die Sohnrey-Straße umbenannt, ebenso wie 2014 in Geismar und 2016 in der Südstadt Hannovers. 

In Bovenden wurde am Straßenschild der Sohnreystraße eine erklärende Zusatzinformation zum Leben und Wirken des umstrittenen Schiftstellers angebracht.

In Dransfeld entschied der Stadtrat im Jahr 2018, dass die dortige Heinrich-Sohnrey-Straße erhalten bleibt. Das Straßenschild soll aber einen Zusatz bekommen, der auf die nationalsozialistischen Tendenzen Sohnreys hinweist. Sollte der Rat der Stadt Hardegsen sich für eine Änderung des Straßennamens aussprechen, wäre das die erste Umbenennung im Landkreis Northeim, wo Sohnrey als Sozialreformer, Dorfschullehrer und Gründer des Gesangvereins Nienhagen wirkte und dafür in vielfältiger Weise gewürdigt wurde. 1930 wurde die „Sohnrey-Warte“ bei Nienhagen eingeweiht und 1932 wurde er in Fredelsloh zum Ehrenbauer ernannt. 

Sollingverein sieht in Sohnrey einen Mann des Kaiserreichs

Bereits im Jahr 2012 forderte der Sollingverein Uslar vor dem Hintergrund der zunehmenden Kritik am Wirken Sohnreys ein Ende der Debatte um den Autor. Der Vorstand vertrat in der einer Stellungnahme zur öffentlichen Diskussion zu diesem Thema die Auffassung, dass Sohnrey, „kein Nazi, sondern vielmehr ein Mann des deutschen Kaiserreichs“ gewesen sei. Nicht nur in Hardegsen, sondern auch in Northeim, Moringen, Uslar und Kreiensen sind Straßen und Wege nach Sohnrey benannt. Darüber hinaus gibt es Sohnrey-Straßen und -wege in Adelebsen, Bad Lauterberg, Neuhaus, Osterode, Gronau, Jühnde, Alfeld, Bad Karlshafen, Berlin-Steglitz, Bodenfelde, Boffzen, Bovenden, Hellental, Holzminden, Lauenberg, Lauenförde, Rosdorf, Brakel und Celle.

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