Gericht sah sich Videos von möglichen Fluchtrouten an

Tötung in Hardegsen: Flüchtete mutmaßlicher Täter durch den Kurpark?

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Blumen, kerzen und Beileidsbekundungen: In der Hardegser Stubenstraße gedachten Angehörige der ermordeten 23-Jährigen.

Hardegsen/Göttingen. Im Prozess um die Tötung einer 23-jährigen Frau in Hardegsen hat sich das Gericht am Montag einen Eindruck von den Fluchtwegen verschafft, die der tatverdächtige Angeklagte genommen haben könnte.

Beamte der Bereitschaftspolizei waren mehrere Routen vom Tatort bis zur Wohnung des 29-Jährigen abgegangen beziehungsweise abgelaufen. Dabei legte jeweils ein Polizist die Strecke zügig gehend zurück, ein anderer joggend. Die Beamten dokumentierten alles mit einer Videokamera, außerdem stoppten sie jeweils die Zeit.

Die Tat hatte sich am 11. August vorigen Jahres gegen 22.20 Uhr im Bereich Stubenstraße/Am Hagen ereignet. Laut Anklage soll der 29-Jährige am Tatabend dort der 23-Jährigen aufgelauert haben, als sie ihr Auto am Straßenrand abstellte. Die 23-Jährige hatte sich kurz zuvor nach mehrmonatiger Beziehung von dem 29-Jährigen getrennt.

Laut Anklage soll ihr Ex-Freund nach einem Streit mehrfach auf sie eingestochen haben. Die junge Frau war dann die Stubenstraße entlang gelaufen, wo sie auf dem Bürgersteig zusammenbrach. Im Krankenhausstarb die Frau noch in der Nacht an ihren schweren Verletzungen.

Die Polizei hatte den 29-Jährigen kurz nach Mitternacht in seiner Wohnung in Hardegsen festgenommen.

Ein Zeuge, der sich damals zufällig in Tatortnähe aufgehalten hatte, hatte ausgesagt, dass er jemand in Richtung Kurpark habe laufen sehen. Die Staatsanwaltschaft geht in ihrer Anklage davon aus, dass der 29-Jährige nach der Tat durch den Kurpark zu seiner Wohnung gelaufen ist. Die Polizisten dokumentierten drei Routen durch den Kurpark. Für die kürzeste Strecke brauchten sie im Jogging-Tempo fünf Minuten und sieben Sekunden, für die längste Variante sieben Minuten. Eine weitere Route südlich des Burgbereichs legten sie laufend in 4:50 Minuten zurück, gehend dauerte es 8:08 Minuten.

Auch der Angeklagte, der sonst während der Verhandlungen zumeist den Blick gesenkt hält, betrachtete aufmerksam die Videofilme. Die Aufnahmen endeten jeweils an der Haustür zu seiner Wohnung, die er seit seiner Inhaftierung vor rund elf Monaten nicht mehr gesehen hat. Ähnlich wie an den früheren Verhandlungstagen ließ er auch diesmal keinerlei Regung erkennen. Die Staatsanwaltschaft hat den 29-Jährigen wegen Totschlags angeklagt. Das Gericht hat allerdings zwischenzeitlich den rechtlichen Hinweis erteilt, dass im Falle eines Schuldspruchs auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht komme.

Das Gericht hatte am Montag außerdem zwei Ärzte geladen, bei denen die Mutter der getöteten Frau in Behandlung ist. Diese nimmt als Nebenklägerin an dem Verfahren teil. Die Mediziner schilderten die schweren psychischen Folgen, unter denen die Nebenklägerin seit dem gewaltsamen Tod ihrer Tochter leidet. 

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