Bürgerinitiative organisiert Demo in „Klein Frankreich“

800 Unterschriften gegen Bauprojekt in Hardegsen

Mit einer Demo haben Gegner eines geplanten Bauprojektes in Hardegsen auf sich aufmerksam gemacht.

Ausschussvorsitzender Harald Block nimmt die Unterschriften gegen das Bauprojekt von Martina Spangenberg und Jordis Bauer (rechts) entgegen.

Der Streit um den geplanten Bau eines Mehrfamilienhauses mit neun bis zehn Wohnungen an der Hinterstraße in Hardegsen (wir berichten) soll durch ein Gespräch am Runden Tisch beigelegt werden. Das hat der Ausschuss für Stadtplanung, Bauen und Umwelt in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag beschlossen.

Vorausgegangen war eine Ortsbesichtigung, die von einer Demonstration begleitet worden war. Die Anlieger der Hinterstraße übergaben dabei mehr als 800 Unterschriften gegen das geplante Bauprojekt an den Ausschussvorsitzenden Harald Block.

Die Unterzeichner befürchten zum einen, dass durch das geplante Haus das denkmalgeschützte Erscheinungsbild ihres auch als “Klein Frankreich“ bezeichneten Wohnviertels zerstört wird. Zum anderen sei durch den Bau des Hauses eine Verschlechterung der Wohnqualität in dem ohnehin schon stark verdichteten Teil der Hardegser Altstadt zu erwarten. Als weitere Kritikpunkte werden genannt:

- die angespannte Verkehrssituation durch die bereits erfolgte Umnutzung zu Wohnzwecken in der unmittelbaren Nachbarschaft,

- die Erschwernisse für die Müllabfuhr durch geparkte Autos,

- die Beeinträchtigung des Grüngürtels als Frischluftkanal für die hoch verdichtete Altstadtbebauung,

.  Brandschutzbedenken aufgrund der Bebauungsdichte und eines fehlenden rückwärtigen Zugangs zu den Häusern Hinterstraße 6 bis 12 sowie der ehemaligen Knopffabrik,

.  der Wertverlust für die Gebäude Hinterstraße 6 bis 12 durch die Störung des Gesamtbildes des Gebäudeensembles sowie die massive Beschattung durch das geplante Gebäude,

.  mögliche Bau- und Setzungsschäden an den angrenzenden Häusern aufgrund des vermutlich instabilen Untergrundes,

- die Nutzung der Fläche als Friedhof bis zum Jahr 1864 und

- der Verlauf eines verrohrten Bachlaufs auf dem Grundstück und die mögliche negative Wirkung des Vorhabens auf den benachbarten Schöttelbach. Um den Bau des Hauses zu verhindern, haben sich die Anlieger sogar bemüht, das Grundstück, das die Inhaberin an eine Investorengemeinschaft verkaufen möchte, selbst zu erwerben – bislang aber vergeblich. Nun fordern sie von der Stadt Hardegsen, das Bauvorhaben zu verhindern.

„Das könnten wir gar nicht“, sagte Bürgermeister Michael Kaiser in der Sitzung und betonte, dass der Landkreis Northeim die zuständige Genehmigungsbehörde sei. Und weil es für den Bereich keinen Bebauungsplan, sondern lediglich einen Flächennutzungsplan gebe, der den Bereich als sogenanntes Mischgebiet ausweise, stehe dem Bau eines Mehrfamilienhauses grundsätzlich nichts im Wege.

Dieses Modell hat die Bürgerinitiative anhand der vorliegenden Pläne anfertigen lassen. Die Bebauung ist derzeit als Komplex mit zwei verbundenen Gebäuden geplant. Am unteren Bildrand sind die bestehenden denkmalgeschützten Gebäude an der Hinterstraße zu sehen. Rechts oben ist die alte Knopffabrik zu sehen.

Einzige Voraussetzung für die Genehmigung des Bauvorhabens an der Hinterstraße in Hardegsen ist, dass sich das Gebäude in die bestehende Bebauung einfügt. Aus Sicht der Stadt Hardegsen war das bereits beim ersten Entwurf der Fall. Der sah vor, ein einzelnes Mehrfamilienhaus mit neun bis elf Wohnungen und 14 bis 16 Parkplätzen zu errichten. Seitens der Stadt wurde daher zunächst ohne Beteiligung der Öffentlichkeit das Einvernehmen erteilt.

Der Landkreis Northeim kam als Untere Bauaufsichtsbehörde allerdings aus Gründen des Denkmalschutzes zu einer anderen Bewertung und lehnte das Bauvorhaben in dieser Form ab.

„Als Dienstleister sahen wir es allerdings als unsere Pflicht, den Investoren Möglichkeiten aufzuzeigen, den Bau doch realisieren zu können“, sagte Ralf Buberti, der als zuständiger Baudezernent beim Landkreis Northeim an der Bauausschusssitzung in Hardegsen teilnahm. Und es sei gut, dass die Stadt Hardegsen das Thema jetzt öffentlich in den politischen Gremien behandele, obwohl sie rechtlich nicht dazu verpflichtet sei.

Buberti begrüßte die Entscheidung des Ausschusses, noch einmal ein Gespräch mit allen Beteiligten anzustreben, um einen Kompromiss bezüglich der Gestaltung des Gebäudes gemeinsam zu erarbeiten.

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