300 Unterschriften gegen geplante Hähnchenmastanlage

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Machen mobil gegen den geplanten Maststall: Mitglieder der Bürgerinitiative mit interessierten Bürgern am Informationsstand in der Hardegser Innenstadt.

Hardegsen / Hevensen. Der Protest gegen die geplante Hähnchenmastanlage im Gewerbepark Hardegsen bei Hevensen geht weiter.

Nachdem besorgte Einwohner der Hardegser Ortschaft im November eine Bürgerinitiative gegründet hatten (wir berichteten), hat jetzt in der Hardegser Innenstadt eine Unterschriftenaktion gestartet.

Mehr als 300 Bürger haben sich bislang daran beteiligt und fordern die Stadt Hardegsen auf, ihre „Bürger zu schützen und Einwendungen gegen das Projekt bei der Genehmigungsbehörde vorzubringen.“ Geplant ist der Bau zweier Hähnchenmastställe für insgesamt 84 000 Hähnchen pro Mastdurchgang.

Gesundheitsgefährdung

Die Bürgerinitiative (BI) befürchtet nicht nur eine starke Geruchsbelästigung, sondern auch eine Gesundheitsgefährdung für die Anwohner. „Bei sieben bis acht Mastdurchgängen pro Jahr“ falle jede Menge Mist an, der mit vielen Keimen belastet sei und als sogenannter Trockenkot auf die Felder ringsum gebracht werden soll, heißt es in einer Pressemitteilung der BI. Ein weiteres Problem sei, dass die Tiere aufgrund der hohen Besatzdichte mit Antibiotika behandelt werden müssten.

Da diese bis zu 90 Prozent mit dem Kot ausgeschieden werden, sei nicht auszuschließen, dass sie mit dem Hühnerkot auf den Feldern landen und letztendlich auch im Trinkwasser ankommen können.

Eine weitere Gefahrenquelle sehen die Kritiker in der Abluft der geplanten Mastanlage. Sie verweisen auf wissenschaftliche Studien, die ergeben hätten, dass Hähnchenmastanlagen eine erhebliche Quelle für Bakterien und deren giftige Abfallprodukte (Endotoxine) sowie Viren und Schimmelpilze sind, die mit der Stallluft an die Umgebung abgegeben werden. Messergebnisse hätten gezeigt, dass Keime über wesentlich mehr als 500 Meter verfrachtet werden können, so die BI.

Als weitere negative Auswirkungen werden eine zusätzliche Lärmbelästigung durch Tier-, Trockenkot und Futtermitteltransporte sowie Wertverluste für die umliegenden Immobilien befürchtet.

Ein Sachstandsbericht zum Bau- und Genehmigungsverfahren für die Anlage steht bei der nächsten öffentlichen Sitzung des Ortsrates auf der Tagesordnung. Die findet am Montag, 9. Februar, statt. Beginn ist um 19.30 Uhr im Feuerwehrgerätehaus.

Das sagt der Investor 

Trotz der vielen Proteste im Ort verfolgt Landwirt Arne Mennerich aus Hevensen als Investor das Projekt weiter. Der Bauantrag sei aber bislang noch nicht gesetellt worden, sagte er auf HNA-Anfrage. Somit gebe es auch noch kein Genehmigungsverfahren, das von den zuständigen Stellen bearbeitet wird. Bezüglich der von der Bürgerinitiative befürchteten Geruchsbelästigung verweist Mennerich darauf, dass in Hevensen der Wind hauptsächlich aus süd-westlicher Richtung weht. Eventuelle Geruchsemissionen gebe es, wenn überhaupt, nur in nord-östlicher Richtung in der Feldmark und nicht im Dorf.

Geruchsprognosen hätten ergeben, dass im Bereich aller umliegenden Wohnnutzungen nicht mit relevanten Geruchsimmissionen zu rechnen sei. Auch die Kritik im Hinblick auf die Keimbelastung durch seine Mastanlage weist Mennerich zurück. Jeder Mist aus tierischer Herkunft und auch Klärschlamm enthalte Keime. Sie seien ein natürlicher Bestandteil der Umwelt und könnten sich auf jedem Naturprodukt befinden, ohne dass von ihnen per se eine Gefährdung für den Menschen ausgehe.

Zum Thema Antibiotika betont Mennerich, dass solche Mittel Tieren im Stall nur auf Veranlassung von einem Tierarzt verabreicht werden dürfen. Prophylaktische Maßnahmen seien verboten worden. Mennerich kündigt an, dass er an der Ortsratssitzung am Montag teilnehmen wird. (nik)

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