Experte: Naturschutz nicht im Vordergrund

Westtrasse der 380-kV-Leitung ist Gefahr für Grauspechte

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Angriff der Grauspechte: Womöglich kann diese vom Aussterben bedrohte Spezies dazu beitragen, dass die umstrittene 380-kV-Freileitung nicht westlich von Gladebeck gebaut wird.

Hardegsen/Gladebeck. Die Stadt Hardegsen bekommt bei ihrem Bestreben, die sogenannte Westtrasse für die 380-kV-Freileitung zu verhindern, womöglich Unterstützung aus der Tierwelt.

Fünf im fraglichen Gebiet beheimatete Brutpaare des in Niedersachsen vom Aussterben bedrohten Grauspechts könnten den Planern der Firma Tennet, die entgegen der ursprünglichen Planung jetzt den Trassenverlauf des Gladebergs favorisieren (wir berichteten) einen Strich durch die Rechnung machen.

Zu dieser Einschätzung kommt Dr. Hermann Hondong, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich der Naturschutzbiologie an der Universität Göttingen, der auf Bitte des Hardegser Umweltbeirates die von der Firma Tennet vorgelegte Untersuchungen zu möglichen Umweltbelastungen bewertet hat. Insbesondere die Erfassung der Arten enthalte viele methodische Fehler, sagte Dr. Hondong am Montagaben in der Sitzung des Hardegser Rates.

Der in Gladebeck wohnende Wissenschaftler, der seit 20 Jahren im Raum Hardegsen und Göttingen Feldforschung betreibt, kritisiert insbesondere die Auswahl der Probeflächen, da die relevanten Bereiche westlich der Ortschaft Gladebeck überhaupt nicht berücksichtigt worden seien. Seine eigenen Untersuchungen hätten ergeben, dass in dem Bereich ein Prozent des gesamten niedersächsischen Bestandes an Grauspechten beheimatet sei, was eindeutig gegen die Westtrasse spreche.

Aus Sicht des Hardegser Bürgermeisters Michael Kaiser ist das Ergebnis der Bewertung ein Hinweis darauf, dass bei der Entscheidung der Firma Tennet nicht der Naturschutz, sondern wirtschaftliche Gründe und die Belange der Stadt Göttingen im Vordergrund gestanden hätten.

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