Yeibyo gehört schon zur Familie

Familie Reitz aus Hardegsen betreut Flüchtling aus Eritrea

Familienanschluss: Wolfgang und Elisabeth Reiz sowie ihre Pflegkinder Milena und Marc haben den 22-jährigen Yeibyo Behe aus Eritrea ins Herz geschlossen und hoffen, dass er in Deutschland bleiben kann. Pflegetochter Svenja fehlt auf dem Foto. Foto: Mönkemeyer

Hardegsen. Der achtjährige Marc aus Hardegsen freut sich, denn seit März hat er einen großen Bruder. Der heißt Yeibyo Behe, ist 22 Jahre alt und stammt aus Eritrea.

Wie viele andere seiner Landsleute ist er aus seiner afrikanischen Heimat geflüchtet, um sein Leben zu retten und hat sein Leben bei der Flucht mehrfach riskiert. Zuerst auf dem gefährlichen Weg über Äthiopien und den Sudan nach Libyen und schließlich auf einem hoffnungslos überladenen, rostigen Kahn bei der Fahrt über das Mittelmeer.

Der Tod anderer Menschen und die Angst davor, selbst sterben zu müssen, seien bei der langen, beschwerlichen Reise stets seine Begleiter gewesen, erzählt er. Über Italien und die Schweiz gelangte er schließlich nach Deutschland. Und im Moment sieht es so aus, als gäbe es für den 22-Jährigen ein Happy End.  

Im Grenzdurchgangslager Friedland traf Behe einen Bekannten aus seinem Heimatort in Eritrea, der sich ebenfalls auf den Weg nach Europa gemacht hatte und auch in Friedland gelandet war. Der Zufall wollte es, dass der inzwischen Kontakt zu Elisabeth und Wolfgang Reitz aus Hardegsen hatte.

Das Ehepaar, das bereits drei Pflegkinder im Alter von 15, zwölf und acht Jahren hat, hatte sich kurz zuvor bereit erklärt, angesichts des Flüchtlingsdramas bei der Betreuung von Flüchtlingen zu helfen.

„Bei einer Predigt über Nächstenliebe in der Kirche hat es bei mir klick gemacht“, sagt Elisabeth Reitz, die gläubige Katholikin ist. „Und als wir dann in Friedland erfahren haben, dass wir zwei junge Männer aus Eritrea betreuen könnten, haben wir das gemacht.“ Der Kontakt zu dem anderen jungen Eritreer sei inzwischen abgebrochen, berichtet die 65-Jährige. „Aber Yeibyo gehört mittlerweile zu unserer Familie, und wir hoffen alle, dass er in Deutschland bleiben kann.“

Wolfgang Reitz ist davon überzeugt, dass es dem 22-Jährigen gelingen wird, sich in Deutschland zu integrieren. „Dank der Unterstützung durch Pastor Hartmut Gericke-Steinkühler hat er schon gut Deutsch gelernt“, sagt er. Darüber hinaus betätige sich der achtjährige Marc bei seinem „großen schwarzen Bruder“ als Deutschlehrer, ergänzt Elisabeth Reitz. „Und mir hilft Yeibyo bei den Englisch-Hausaufgaben“, freut sich die zwölfjährige Milena.

Auch Vera Engelhardt, Projektleiterin der Jugendwerkstatt in der Werk-statt-Schule Northeim sieht gute Chancen für Behe. Die von der Jugendstiftung des Landkreises Northeim und dem Europäischen Sozialfonds geförderte Einrichtung unterstützt Jugendliche im Alter von 14 bis 27 Jahren beim Übergang von der Schule ins Berufsleben, darunter derzeit auch mehrere Flüchtlinge.

„Yeibyo lernt sehr schnell und ist handwerklich begabt“, so Engelhardt. „Wir versuchen, ihn in ein sogenanntes Einstiegs-Qualifzierungsjahr zu vermitteln, mit dem Ziel anschließend in dem Betrieb möglicherweise eine Ausbildung zu beginnen.“

Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sein Antrag auf Asyl anerkannt werde. Da Behe bei seiner Flucht nach Europa erstmals in der Schweiz registriert worden sei und die sogenannte Dublin-Verordnung auch in der Schweiz gelte, sei das allerdings noch nicht sicher.

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