Heimatverein im Spagat: Kontakte mit KZ-Gedenkstätte, aber rechtsextreme Zeitungsausschnitte im Museum

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Die Führung des Heimatvereins vor der kritisierten Ausstellung: (von links) Dieter Lücke, Horst Gensrich und Gottfried Manz. An der Stellwand rechts oben ist der Artikel aus der Jungen Freiheit zu sehen.

Moringen. Der Moringer Heimatverein wird zukünftig in seinem Museum auf die KZ-Gedenkstätte im Torhaus an der Langen Straße hinweisen. Damit reagierte die Führung des Vereins auf die Kritik des Göttingers Uwe Reinecke.

Der hatte sich brieflich bei den Northeimer Neuesten Nachrichten darüber beschwert, dass man als Besucher des Heimatmuseums den Eindruck gewinnen könne, es habe in Moringen nie ein KZ gegeben.

„Niemand ist daran interessiert, die Vergangenheit unter den Tisch zu kehren. Aber wir haben in Moringen eine Gedenkstätte, die professionell geführt wird, und zu der wir Kontakt unterhalten. So haben Praktikanten der Gedenkstätte vor zwei, drei Jahren Unterlagen aufgearbeitet, die sich in unserem Besitz befinden“, sagten Vorsitzender Horst Gensrich, der zweite Vorsitzende Dieter Lücke und Museumsleiter Gottfried Manz zu der Kritik. „Wir werden auch Flyer der Gedenkstätte auslegen.“

Im Übrigen gebe es mehrere Hinweisschilder im Ort auf die Gedenkstätte. Im Internet sei sie ebenfalls zu finden. „Es ist albern zu glauben, dass wir etwas unter den Tisch kehren wollen. Das würde uns ja einholen“, ist sich die Spitze des Heimatvereins einig. Der Verein will seinen Kritiker zu einem Gespräch einladen.

Die Vorgehensweise des rund 250 Mitglieder zählenden Vereins wird von Moringens Bürgermeister Hartmut Schnabel (parteilos) unterstützt. „Den Hinweis auf die Gedenkstätte könnte der Verein wie einen Link im Internet gestalten“, sagte er.

Deutsche Nationalzeitung

Zu der weiteren Kritik von Uwe Reinecke, der Verein hänge „lieber Auszüge aktueller Ausgaben der Nazi-Zeitungen Junge Freiheit und Deutsche Nationalzeitung aus, in denen dann gegen den Islam gehetzt wird“, erklärte Museumsleiter Manz. Es handele sich um den Abdruck einer Friedensrede des Schriftstellers Ernst Moritz Arndt aus dem Jahr 1807 aus der Nationalzeitung und um einen Text aus der Jungen Freiheit, in dem es um den „Mythos einer friedlichen Koexistenz“ zwischen Christentum und Islam gehe. Beide Texte seien im Zusammenhang mit einer Ausstellung über Vertreibung ausgehängt und beide Zeitungen seien nicht verboten. „Wir haben Meinungsfreiheit.“

Ausblendung der Nazizeit

Uwe Reinecke, der sagte, er sei auch Mitglied im Trägerverein der Gedenkstätte, hat für die Vorgehensweise des Vereins keinerlei Verständnis. Diese sei eine „bewusste politische Entscheidung“ einiger führender Vereinsmitglieder und ein grundsätzliches Problem, das sich seit Jahren hinziehe. Er hält den Zustand im Verein „für unhaltbar“ und fordert eine schnelle, grundlegende Änderung. Die Ausblendung der Nazizeit zeige sich beispielsweise auch bei der Ausstellung im Museum über den Moringer Bahnhof, bei dem es keinen Hinweis auf Zwangsarbeit und Deportationen bei der Reichsbahn gäbe.

Er fordert, die Stadt Moringen solle ernsthaft über eine Trennung vom Museum nachdenken. Bürgermeister Hartmut Schnabel sagte, die Stadt sei froh, dass der Verein seine Arbeit wahrnehme und warnte den Verein gleichzeitig davor, Angriffsflächen zu bieten. Er wolle mit ihm Kontakt aufnehmen. (zhp)

Aber was meinen Sie: Muss man es tolerieren, dass sich Auszüge aus Blättern des extremen rechten Rands unkommentiert in einer Museumsausstellung wiederfinden? Oder ist das untragbar?

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