Sirenen sind weiterhin wichtig

So funktioniert der Katastrophenschutz im Landkreis Northeim

Die Sirenen, hier auf dem Dach der Feuerwehr in Bad Gandersheim, ertönen im Landkreis Northeim regelmäßig, sei es bei Probealarmen oder reellen Einsätzen. Darum bleiben Sirenen auch weiterhin wichtig für den Katastrophenschutz, sagt auch Kreisbrandmeister Marko de Klein.
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Die Sirenen, hier auf dem Dach der Feuerwehr in Bad Gandersheim, ertönen im Landkreis Northeim regelmäßig, sei es bei Probealarmen oder reellen Einsätzen. Darum bleiben Sirenen auch weiterhin wichtig für den Katastrophenschutz, sagt auch Kreisbrandmeister Marko de Klein.

Hätten die Auswirkungen der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durch eine bessere und frühzeitigere Alarmierung der Menschen dort gemindert werden können? Eine Frage, die aktuell immer wieder gestellt wird.

Northeim – Antworten wird es aber wohl erst bei der Aufarbeitung der Katastrophe geben. Doch wie sieht es im Landkreis Northeim mit der Alarmierung der Einwohner im Notfall aus? Gibt es genug Möglichkeiten, um vor Katastrophen zu warnen? „Wir sind in Sachen Katastrophenschutz gut aufgestellt“, sagt Kreisbrandmeister Marko de Klein, und verweist unter anderem auf das gut funktionierende Sirenen-System und auf Warnapps wie BIWAPP.

Das bestätigt auch der Landkreis, der für den Katastrophenschutz zuständig ist, auf HNA-Anfrage. Laut Landkreis-Sprecher Dirk Niemeyer hat der bundesweite Warntag 2020 allerdings auch im Kreis Northeim Probleme offengelegt, weil Sirenen zum Teil gar nicht oder erst verspätet ausgelöst werden konnten oder Warnmeldungen im Internet nicht rechtzeitig veröffentlicht wurden. Doch insgesamt funktioniere das Alarmierungssystem im Kreisgebiet sehr gut. Die verzögerte Alarmierung und die Überlastung des Modularen Warnsystems (MoWaS) wie am Warntag 2020 werde in dieser Konstellation wohl nicht wieder passieren, so Niemeyer. Ein Szenario, in dem es eine bundesweite, zeitgleiche MoWaS-Alarmierung mehrerer Stellen in dieser Größenordnung geben würde, sei eher unwahrscheinlich.

„Klar ist aber, dass man die Warnung der Bevölkerung nicht nur auf eine Warnquelle festlegen kann“, sagt Niemeyer. Aktuell gebe es neben den Sirenen, die im Kreis Northeim von den einzelnen Kommunen betrieben werden, mehrere Möglichkeiten für die Alarmierung, neben der Warnapp BIWAPP auch über Facebook, Instagram und Twitter. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt sei außerdem die „Mund-zu-Mund Weitergabe“: „Das bedeutet, immer auch die Nachbarn und das persönliche Umfeld zu informieren“, so Niemeyer.

Fragen und Antworten zum Katastrophenschutz im Landkreis

Wann wird Katastrophenalarm ausgelöst?

Das können Hochwasser, Unwetter oder Hitze sein, möglich sind aber auch Bombenentschärfungen, massive Stromausfälle oder der Austritt von gefährlichen, chemischen Stoffen.

Wie muss ich mich bei einem Alarm verhalten?

Sobald per Sirenen der entsprechende Heulton von den Dächern schallt, sollte man Häuser und Wohnungen aufsuchen und Fenster und Türen schließen, außerdem Radio- und Fernseher einschalten. Bei einem Stromausfall batteriebetriebene Geräte nutzen. Auch über die Warn-App BIWAPP gibt es die Informationen.

Wie kann ich anderen helfen?

Auch ausländische Mitbürger und Nachbarn müssen informiert werden, außerdem ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen unterstützen. Wichtig dabei: Niemand sollte sich selbst in Gefahr begeben.

Wer kommt bei einem Katastrophenfall zum Einsatz?

Bei Katastrophenlagen wie aktuell in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern, könnte der Landkreis drei Feuerwehrbereitschaften vorhalten. Organisiert sind sie über die sogenannte Kreisfeuerwehr, dem Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung. Die Kreisfeuerwehrbereitschaften setzen sich zusammen aus Aktiven der Ortsfeuerwehren im gesamten Landkreis Northeim sowie aus Fahrzeugen des Landkreises, ergänzt, je nach Einsatzlage, durch Fahrzeuge der Feuerwehren in den Städten und Gemeinden.

Welche Aufgaben haben die Feuerwehrbereitschaften?

Die Feuerwehrbereitschaften 1 und 2 sind zuständig für Technische Hilfeleistung, den Wassertransport, die Wasserförderung und für die Verpflegung. Die Feuerwehrbereitschaft 4 ist unter anderem zuständig für Wasserrettung mit Booten und Tauchern sowie Spezialisten zur Rettung aus Höhen und Tiefen. Außerdem sind dort Spezialisten für Gefahrstoffe atomarer, biologischer und chemischer Art aktiv.

Wie erfahren die Einsatzkräfte, dass es jeden Moment losgehen kann?

Zum Beispiel bei einer Hochwasserkatastrophe werden die Bereitschaften im Falle einer bevorstehenden Alarmierung in einen Voralarm versetzt. „Unsere Kräfte sitzen dann förmlich auf gepackten Koffern, um kurzfristig ihre Bereitstellungsräume anlaufen zu können“, erklärt Kreisbrandmeister Marko de Klein. Bereitstellungsräume sind große Plätze, wie unter anderem der Autohof in Northeim.

Sind die Feuerwehrbereitschaften gut ausgerüstet?

Die Kreisfeuerwehr ist unter anderem ausgestattet mit Booten, Löschrucksäcken, Schlauchwagen, Feldküchen und auch Drohnen. So können die Einsatzkräfte in kürzester Zeit deutschlandweit helfen. Dabei können die Bereitschaften für eine begrenzte Zeit sogar vollkommen autark arbeiten.

Der Katastrophenschutz wird auch noch von anderen Rettungsorganisationen abgedeckt. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Laut Kreisbrandmeister de Klein wird für das reibungslose Zusammenspiel im Katastrophenfall immer wieder auch mit den anderen Rettungsorganisationen wie dem Technischen Hilfswerk (THW) und den Rettungsdiensten wie DRK und Johanniter geübt. „Wenn es in den Krisenregionen wie aktuell kein fließend Wasser oder nur eingeschränkt arbeitsfähige Krankenhäuser gibt, wird deutlich, weshalb der Katastrophenschutz ein großes Konstrukt aus vielen einzelnen Bausteinen ist, in dem jedes Teil unverzichtbar ist“, betont de Klein. (Von Kathrin Plikat)

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