Nach dem kalten Mai schwärmen derzeit die Bienen

Hochsaison für Bienen-Schwarmfänger im Kreis Northeim

Trägt bei der Arbeit einen Overall, lange Handschuhe und eine Haube: Schwarmfänger und Imker Sebastian Schreiber.
+
Trägt bei der Arbeit einen Overall, lange Handschuhe und eine Haube: Schwarmfänger und Imker Sebastian Schreiber.

Die Schwarmfänger des Kreisimkervereins Northeim haben derzeit gut zu tun.

Northeim - Nach dem langen, kalten Mai schwärmen viele Bienenvölker. Die Bienenkönigin und ein Teil ihres Volkes suchen sich ein neues Zuhause.

„26 Schwärme habe ich im vergangenen Jahr in Einbeck eingefangen – in diesem Jahr in vier Tagen bereits sechs“, erzählt der Kreisvorsitzende Günter Kleinhans. Sebastian Schreiber, der im Auftrag des Imker-Ortsvereins Northeim als Schwarmfänger unterwegs ist, kommt ebenfalls auf sechs Völker in wenigen Tagen.

Immer wieder rufen besorgte Bürger an. „Anders als in Afrika oder Südamerika muss in Deutschland niemand vor einem Bienenschwarm Angst haben“, betont Kleinhans. Die heimische Honigbiene ist domestiziert. Bei der Zucht wird unter anderem auf ein friedliches, wenig stechlustiges Wesen geachtet. Versucht jedoch ein Schwarmfänger eine Bienentraube aus dem Baum zu holen, erwachen die alten Instinkte. „Ich trage einen dichten Overall, eine Haube und lange Handschuhe“, erläutert Imker Schreiber. An seiner vier Meter langen Teleskop-Stange hängt ein Sack. Ihn platziert er unter dem Volk und schüttelt dann am Baum, bis die Tiere hineinfallen. Den Sack entleert er dann in der mitgebrachten Bienenkiste, der Beute.

Sebastian Schreiber Imker und Bienenschwarmfänger aus Northeim

„Die Kunst besteht darin, die Königin mit zu erwischen“, betont der Kreisvorsitzende Kleinhans. Ist sie in der Beute, folgt der Rest des Schwarms. Abends sind dann alle Insekten im Kasten. Der Fänger verschließt das Flugloch und transportiert das Volk ab. Ist die Königin dagegen nicht in der Beute, sind auch die eingefangenen Arbeiterinnen nicht zu halten. Dann beginnt die Jagd von Neuem. „Wir müssen schnell sein, sonst ziehen die Bienen weiter“, betont Kleinhans.

Die Insekten müssten nämlich bald eine neue Bleibe gefunden haben, einen hohen Baumstamm oder ein Loch im Mauerwerk, hinter dem sich ein Hohlraum befindet. Der Honigvorrat der Tiere reiche nicht lange. Der Hungertod drohe. Doch selbst wenn die Bienen ein neues Heim gefunden haben, ist ihr Überleben nicht gesichert. „Die Insekten sind insbesondere gegenüber der Varroamilbe weitgehend schutzlos“, betont der Kreisvorsitzende.

„Deshalb sollte es für jeden Imker eine Ehrensache sein, ausgeschwärmte Bienenvölker einzufangen – auch wenn es nicht seine Insekten sind und er genug Tiere hat“, betont Klaus Meinshausen, der Vorsitzende des Imker-Ortsvereins Northeim. Jungimker freuen sich, wenn sie ein Volk geschenkt bekommen. „Ich halte eingefangene Völker zunächst eine Zeit lang abseits meiner eigenen Bienen in Quarantäne, um keine Krankheiten einzuschleppen“, führt Schwarmfänger Schreiber aus.

„Wer seine Völker im Blick hat, kann in der Regel ein Schwärmen verhindern“, stellt Meinshausen klar. Die Tiere machten sich selbstständig, wenn es ihnen in der Beute zu eng wird. Das passiere zum Beispiel, wenn es im Frühjahr lange kalt sei. Jeden Tag schlüpften bis zu 2000 Jungbienen. Sie können nicht nach draußen. In der Beute werde es immer enger. Dort sitzen bereits die Altbienen, die sich sonst beim Nektarsammeln innerhalb von 35 Tagen zu Tode schuften. Teile der Imker nicht selbst das Volk, schwärme die Königin mit einem Teil ihres Volkes beim nächsten Sonnentag. (Michael Caspar)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.