Huftechnikerin Susanne Müller verpasst Pferden Schuhe

Hufbeschläge aus Kunststoff und Schuhe zum An- und Ausziehen: Als Huftechnikerin versorgt Susanne Müller Pferde mit alternativem Hufschutz. Dafür hat sie sich ein spezielles Fahrzeug mit eingebauter Mini-Werkstatt angeschafft. Fotos: Schwekendiek

Fredelsloh. Schon im zarten Alter von einem Jahr hat sich Susanne Müller für Pferdefüße interessiert. Mittlerweile hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht - und verpasst nun Pferden Schuhe.

„Ich habe gesehen, wie jemand einen Huf auskratzt und wollte das nachmachen“, sagt sie. Mit sechs Jahren ritt sie ihr erstes Springturnier. Fast jede Minute ihrer Freizeit verbrachte sie in der Dorfschmiede ihres Heimatortes. Da war es nur konsequent, dass sie ihr Hobby zum Beruf machte.

Als Huftechnikerin ist die 40-Jährige heute in ganz Südniedersachsen unterwegs. Im Umkreis von 160 Kilometern betreut sie knapp 300 Kunden und über 600 Pferde - ein Full-Time-Job. Vor drei Jahren hat sich die gebürtige Hannoveranerin in ihrer neuen Heimat Fredelsloh selbstständig gemacht. Doch was macht ein Huftechniker eigentlich genau?

Alternativer Hufschutz 

„Ich kümmere mich um die Pflege der Hufe und versorge die Pferde mit einem alternativen Hufschutz“, erklärt Müller. Dazu zählen spezielle Hufschuhe genauso wie Beschläge aus Kunststoff oder Aluminium. Hufeisen kann sie den Pferden nicht anpassen - das darf nur ein Hufschmied.

„Neben dem konventionellen Eisenbeschlag wollen viele Pferdebesitzer ihre Tiere heutzutage auch barhuf, also quasi barfuß ohne Hufschutz, laufen lassen“, sagt sie. Schließlich sei das die natürlichste Art zu laufen. In Belastungsphasen wie bei Ausritten sei ein Hufschutz aber unverzichtbar. „Deshalb werden Hufschuhe immer beliebter.“

Hufschuhe bieten aus ihrer Sicht viele Vorteile: Sie sind leichter und länger haltbar als Eisenbeschläge, stoßdämpfend, verträglich bei verschiedenen Erkrankungen und fördern darüber hinaus die Beweglichkeit der Hufkapsel. Da ihr die Pferde nicht sagen können, wie es ihren Hufen geht, hat Susanne Müller stets das ganze Tier im Blick. Sie arbeitet eng mit Tierärzten zusammen, kann sogar Röntgenbilder interpretieren.

Hilfe für kranke Hufe 

„Man muss die Tiere genau beobachten, um zu sehen, wie es ihren Hufen geht“, sagt sie. Dass sie dafür Talent hat, merkte sie schon früh. Nach ihrer Ausbildung zur Pferdewirtin hatte sie mit vielen „Problempferden“ zu tun, deren Hufe sich durch ihre Hilfe sichtlich erholten.

„Weil aus meinem Traum, Hufschmied zu werden, bisher noch nichts geworden ist, habe ich mich vor einigen Jahren für die Weiterbildung zur Barhufbearbeiterin und Hufschuhspezialistin entschieden“, erzählt sie. Längere Hospitanzen absolvierte sie beim staatlich anerkannten Hufbeschlagsschmied Thilo Dreyer in Hilwartshausen. Seitdem sie selbstständig ist, gibt es für Susanne Müller weder Wochenende noch Urlaub. Doch das macht ihr nichts aus: „Mir liegt die Gesundheit der Tiere einfach unglaublich am Herzen. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals etwas anderes zu machen.“

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