Einsatz unter anderem in Studentenwohnheimen

Hunde aus dem Landkreis Northeim spüren bundesweit Bettwanzen auf

Hier war die Suche von Milena Janßen und ihrem Deutsch Kurzhaar Ike vergebens: In dem Schlafzimmer waren keine Bettwanzen zu finden.
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Hier war die Suche von Milena Janßen und ihrem Deutsch Kurzhaar Ike vergebens: In dem Schlafzimmer waren keine Bettwanzen zu finden.

Mit Jagdhunden auf Bettwanzen-Pirsch: Der Uslarer Stefan Wellhausen (47) sucht mit seinem Deutsch Drahthaar Derex (5) und seinem Kleinen Münsterländer Jim (8) in Hotels, Alpenhütten, Studentenwohnheimen, Frauenhäusern und anderen größeren und großen Unterkünften nach Bettwanzen und hat daraus ein gefragtes Geschäft gemacht.

Seit Kurzem wird er von seiner in Moringen lebenden Tochter Milena Janßen (24) mit ihrem Hund Ike (2) unterstützt, die dafür nebenberuflich ein Kleingewerbe angemeldet hat.

Ein Hotelier aus München brachte Stefan Wellhausen auf die Idee, Jagdhunde für die Suche nach Bettwanzen auszubilden. „Der Befall mit den Insekten wird immer schlimmer. Die Populationen dürften inzwischen größer als in den Nachkriegsjahren sein“, schätzt Stefan Wellhausen ein. „Die Gründe dafür haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern mit dem gestiegenen Reiseverhalten“, sagt er weiter. „Die Wanzen reisen in Koffer, Rucksäcken oder in der Kleidung mit in die entlegensten Ecken.“

Selbst in den Coronazeiten, in denen die Menschen kaum oder nur wenig unterwegs waren, haben dem Schädlingsbefall nicht zusetzen können. Vielmehr haben sich die Quälgeister, die sich von menschlichem Blut ernähren, in manchen Unterkünften sogar ausbreiten können, als sie ohne Gäste stillgelegt wurden und ein Befall nicht erkannt oder bekämpft wurde.

„Eine Bettwanze wird nur einmal im Leben befruchtet und legt dann bei einer Lebensdauer von bis zu 18 Monaten ein bis drei Eier täglich, aus denen dann neue Bettwanzen wachsen“, erläutert der Fachmann. Haben sie mal keine Menschen zur Verfügung, an deren Blut sie mit gezielten Bissen herankommen können, können sie auch schon mal problemlos zwölf Monate lang hungern.

Weil sie so klein sind, können sich die Blutsauger wunderbar verstecken: Sie bevorzugen unter anderen Ritzen, Kabelrohre, Steckdosen und Matratzen. Nachts krabbeln sie aus ihren Unterschlüpfen und machen sich über die Schlafenden her und verursachen mit ihren Bissen stark juckende Quaddeln.

Tritt dieser schlimmste Fall ein, kommen Stefan Wellhausen und Milena Janßen ins Spiel. Wenn der Verdacht auftaucht, Zimmer beispielsweise in einem Internat könnten mit Bettwanzen befallen sein, werden sie gerufen.

Mit seinen Hunden Derex (5), einem aus Neuseeland stammenden Deutsch Drahthaar, und Jim (8), einem kleinen Münsterländer, untersucht dann Stefan Wellhausen die möglicherweise befallenen Orte. „Meine Hunde habe ich so trainiert, dass sie mit ihrer feinen Nase eine einzelne Bettwanze riechen und melden.“ Das passiert über eine sogenannte Passivmeldung, nicht mit lautem Gebell.

„Ike setzt sich dann hin und schaut mich an“, sagt Milena Janßen. Sie ist von Haus aus Hotelkauffrau und kennt sich von daher im Gastgewerbe bestens aus. Dass der Hund mit einem Leckerli und ganz viel Lob für das Finden belohnt wird, versteht sich von selbst.

15 bis 20 Zimmer schafft ein Hund am Stück. Dann ist er müde und erschöpft und benötigt eine Erholungspause, bevor die nächste Suchrunde folgt.

Die Hunde sind für ihre Einsätze sogar schon mit dem Hubschrauber zu Hütten in Hochlagen der Alpen geflogen. Die Hütten sind die Großquartiere für Bergsteiger, Tourengeher und Wanderer. Der Deutsche Alpenverein macht inzwischen offensiv gegen die Plage mobil. Dabei kooperiert unter anderen mit dem Österreichischen Alpenverein und dem Bundesumweltamt.

Die Betriebe sind über einen Bettwanzenbefall alles andere als glücklich und wollen, wenn sie eingeschleppt sind, sie so schnell wie möglich wieder loswerden – und in der Regel diskret.

Wenn die Hunde den Befall lokalisiert haben, wird der Schädlingsbekämpfer aktiv. Er hat die Möglichkeit, die Insekten mit Giften, Gasen und mit Wärme, Minimum 60 Grad, abzutöten. Das hängt jeweils von der Situation vor Ort ab. Die Hunde kommen dann noch einmal zur Erfolgskontrolle. Und sie selbst werden wegen der Gefahren durch die Schädlingsbekämpfungsmittel ebenfalls kontrolliert. Wellhausen: „Ich lasse mir jedes Mal die verwendeten Mittel nennen, um die Hunde vor Vergiftungen zu schützen und zweimal im Jahr werden ihre Blut- und Leberwerte untersucht, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist.“ (zhp)

Weitere Informationen: bettwanzen-profi.de.

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