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Im Camper von Mexiko nach Kanada

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Unterwegs auf der Panamericana mit dem 24 Jahre alten Van „Berta“ durch Mexiko: Anne Hopfengärtner (links) und Anna Schmelzer.
Unterwegs auf der Panamericana mit dem 24 Jahre alten Van „Berta“ durch Mexiko: Anne Hopfengärtner (links) und Anna Schmelzer. © Perspektivan/nh

Anna Schmelzer aus Nörten-Hardenberg ist ein Jahr mit ihrer Partnerin Anne Hopfengärtner in ihrem alten Van „Berta“ auf der Panamericana, die Alaska mit Feuerland verbindet, auf Tour.

Nörten-Hardenberg/USA – Zurzeit befinden sich die beiden Frauen in Nordamerika. Im Interview berichten sie von ihren Plänen, Erfahrungen und Zielen.

Warum haben Sie sich für die Panamericana entschieden?

Für uns war zunächst klar: Wir wollen eine große und sehr lange Reise machen. Nachdem unser Entschluss gefasst war, haben wir unterschiedliche Arten des Reisens und verschiedene Länder diskutiert. Irgendwann ist während unserer Internetrecherche die „Panamericana – die längste Straße der Welt“ auf dem Bildschirm erschienen.

Der ursprüngliche Plan war, in Kanada zu starten und dann immer Richtung Süden bis Argentinien zu fahren. Wir hatten bereits einen Frachter gebucht, der unseren Van nach Halifax in Kanada bringen sollte. Allerdings verhinderte Corona, dass wir im Mai 2020 starten konnten.

Wir haben daraufhin in Griechenland mit unserem Van überwintert und einen Sommer in Schweden verbracht. Und konnten die Reise endlich im November 2021 starten. Aufgrund der winterlichen Temperaturen im November in Kanada, haben wir unseren ursprünglichen Plan geändert und unser Fahrzeug nach Veracruz in Mexiko verschifft. Wir sind nun bereits 10 000 Kilometer durch ganz Mexiko gefahren, inzwischen in den USA und werden weiter nach Kanada fahren.

Wie detailliert haben Sie die Reise geplant?

Tatsächlich haben wir diese Reise mehrere Jahre geplant und vorbereitet. Es gab so viel zu lernen, zu recherchieren, wir hatten tausend Fragen im Kopf. Als die Panamericana beschlossene Sache war, ging die Suche nach einem passenden Fahrzeug los. Und natürlich die Suche nach einer Firma, die unser Fahrzeug auf den amerikanischen Kontinent verschifft.

Die konkrete Strecke planen wir gerne „on the road“. Vor der Reise wussten wir die grobe Route durch die Länder. Für Mexiko haben wir uns beim Auswärtigen Amt informiert, welche Gebiete besser gemieden werden sollten. Diese haben wir dann entweder umrundet oder sind sie schnell durchfahren.

Grundsätzlich lassen wir uns unterwegs gerne treiben, sprechen mit Einheimischen und anderen Reisenden und bekommen so auch tolle Tipps, die nicht im Reiseführer stehen.

Was ist unbedingt erforderlich, bevor man sich auf eine solche Reise begibt?

Für uns war es wichtig, unser Fahrzeug gut zu kennen und für die Langzeitreise entsprechend vorzubereiten. Besonders Mexiko ist nun nicht per se ein „Camping-Land“. Zusätzlich stehen wir am liebsten mitten in der Natur. Dort findet man einfach die schönsten Plätze, ist aber auch auf sich allein gestellt.

Daher war es uns wichtig, dass wir mit der Ausstattung unseres Fahrzeugs maximal autark und nicht auf Camping-Infrastruktur angewiesen sind. Wir produzieren beispielsweise unseren eigenen Strom über Solarenergie. Außerdem haben wir uns Wasserfilter für unsere Trinkwasserversorgung eingebaut. Wasser ist ein extrem limitierter Faktor im Van. Um Wasser zu sparen, haben wir daher unsere ursprüngliche Chemie-Toilette mit Wasserspülung ausgebaut und uns eine Trockentrenntoilette eingebaut.

Wir haben vor der Reise viel an unserem Van geschraubt, umgebaut, renoviert, erweitert sowie getestet. Die meisten Arbeiten haben wir in der Einfahrt direkt vor Annas Elternhaus in Nörten erledigt. Dadurch haben wir unser Fahrzeug immer besser kennengelernt. Das ist sehr wertvoll unterwegs.

Aus unserer Sicht ist es für eine solche Reise außerdem hilfreich, gut und gerne Auto zu fahren, sich selbst gut organisieren zu können und flexibel zu sein.

Welches sind die wichtigsten Stationen der Reise?

Wir sind in Veracruz in Mexiko gestartet und einmal quer durch Mexiko gefahren. Aktuell sind wir in den USA und fahren weiter in Richtung Kanada.

Unsere Stationen in Mexiko (grob): Veracruz - Palenque - Yucatán Halbinsel (Campeche, Mérida, Izamal, Valladolid, Cancun, Tulum) - Tuxtla Gutierrez - San Cristobal de las Casas - Oaxaca - Puebla - Mexico Stadt - Mazatlan - La Paz (Baja California) - Highway 1 bis zur Grenze der USA.

USA: Von der mexikanischen Grenze nach San Diego und nun wollen wir den „wilden Westen“ der USA entdecken.

Kanada: Fest eingeplant ist Vancouver, Vancouver Island und die Nationalparks Banff und Jasper. Dann einmal quer durchs Land.

Unser ursprünglicher Plan war es, bis November zu reisen und dann wieder in Deutschland zu sein. Allerdings gefällt es uns gerade so gut, dass wir nach Möglichkeiten suchen, unsere Reise noch weiter zu verlängern.

Was waren bislang auf der Tour die ...

... größten Herausforderungen?

In Mexiko jeden Tag vor Sonnenuntergang einen geeigneten und sicheren Stellplatz zu finden. Wir hatten in Mexiko zwei Regeln: Nicht in der Nacht fahren und in den untouristischen Gebieten nur auf sicheren oder bewachten Plätzen zu campen. Das wurde manchmal etwas stressig, wenn wir bei Dämmerung noch keinen geeigneten Platz gefunden hatten. Unser Fahrzeug aus dem Hafen in Veracruz zu holen. Dies hat fast eine Woche gedauert. Es gab viel Papierkram zu erledigen und zu organisieren. Nach der Abholung stellten wir fest, dass jemand während der Überfahrt in unser Fahrzeug eingebrochen war. Das war erst einmal ein Dämpfer, aber es ist nichts von großem Wert abhandengekommen.

... besten Erlebnisse?

Nach der Verschiffung die ersten Meter auf mexikanischem Boden mit dem eigenen Fahrzeug fahren. Die netten und hilfsbereiten Leute, die wir unterwegs immer wieder treffen. Die großen Augen, wenn die Leute erfahren, dass wir unser Fahrzeug von Deutschland nach Mexiko „mitgebracht“ haben. Schnorcheln mit einem Walhai in La Paz auf Baja California. Grauwale sehen an der Laguna San Ignacio auf Baja California. Tauchen in den Cenoten auf der Yucatán Halbinsel. Kitesurfen lernen in Progreso. Die Weite der USA erleben.

...schwierigsten Situationen?

Einem mexikanischen Gastankwart in einem Mix aus Zeichensprache und Spanisch zu erklären, wie man eine deutsche Gasflasche auffüllt. Das war extrem schwierig, da die Flasche nur bis 80 Prozent gefüllt werden darf. Wenn die Gasflasche zu voll gefüllt wird, ist das extrem gefährlich.

... überraschendsten Momente?

Nette Botschaften an unserer Windschutzscheibe. Ein Mexikaner hat uns auf seiner Hacienda (Farm) campen lassen und uns abends mit einem Lagerfeuer nur für uns überrascht.

War Corona während der Reise beeinflussend?

Corona hat schon den Beginn unserer Reise ziemlich durcheinandergewirbelt. Geplant war unser Reisestart für Mai 2020, der Frachter für unser Wohnmobil und die Flugtickets nach Kanada waren bereits viele Monate im Voraus gebucht. Und dann erging es uns wie so vielen anderen: Alles storniert und der komplette Stillstand. Mit fast zwei Jahren Verspätung sind wir nun eine andere Reise angetreten, der Start in Mexiko und nicht in Kanada.

Auf Entdeckungsreise: Anne Hopfengärtner (links) und Anna Schmelzer während ihrer Yucatán-Rundreise an der Maya-Stätte Edzna.
Auf Entdeckungsreise: Anne Hopfengärtner (links) und Anna Schmelzer während ihrer Yucatán-Rundreise an der Maya-Stätte Edzna. © Perspektivan/nh

Mexiko ist vom Coronavirus auch stark getroffen und es gilt sowohl in Innenräumen wie auch im Freien Maskenpflicht. Daran haben sich nahezu alle Mexikaner konsequent gehalten. Natürlich halten auch wir uns an alle örtlichen Vorgaben. Wir nahmen und nehmen das Virus ernst und wollen weder uns noch andere gefährden. Natürlich ist es ein bisschen schade, dass ein Lächeln dann oft hinter der Maske versteckt bleibt. Denn wir haben auf unseren Reisen gemerkt, wie sehr ein Lächeln verbindet, unabhängig von Sprache und Herkunft.

Wie finanziert man eine solche Reise?

Als wir den Winter 2021 in Griechenland verbrachten und dort ein sehr strenger Lockdown ausgerufen worden ist (viel strikter als in Deutschland), durften wir uns nicht mehr im Land bewegen. Wir mussten einen Campingplatz anfahren und saßen dort erst einmal fest. In dieser Zeit haben wir einen Beschluss gefasst: Wir machen uns als Texterinnen selbstständig und arbeiten seitdem von unterwegs. Wir schreiben Reisereportagen für Camping- und Reisemagazine, Tourismusverbände und Marketingtexte für Firmen im Campingbereich. Da gehen das Reisen und das Campen mit dem Beruf einher. Wir können sozusagen „live“ von vor Ort berichten und unsere Erfahrungen aus erster Hand in die Texte einfließen lassen. Zusätzlich freuen wir uns sehr über eine stetig wachsende Leserschaft auf unserem Reiseblog perspektivan.de.

Vor der Reise haben wir außerdem über mehrere Jahre hart für diesen großen Traum gespart. Nachdem wir wussten, dass wir die Panamericana fahren wollten, haben wir uns ein festes Sparziel gesetzt und alles darangesetzt, es wahr zu machen.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach der Reise?

Im Moment genießen wir es sehr „on the road“ zu sein. Unseren Van werden wir früher oder später vermutlich nach Europa zurückverschiffen. Unsere Selbstständigkeit und das Reisen wollen wir vorerst nicht aufgeben. Es warten noch so viele spannende Erlebnisse und Gegenden, über die wir gerne berichten möchten. (Rosemarie Gerhardy)

Zu den Personen

Anna Schmelzer (33) aus Nörten-Hardenberg. Sie hat ihr Abitur am Corvinianum gemacht. Später war als Unternehmensberaterin erst bei einer IT-Beratung tätig und hat als Personalentwicklerin gearbeitet. Jetzt hat sie den Bürostuhl gegen einen Sitz im Wohnmobil getauscht und arbeitet als freiberufliche Texterin und verfasst unter anderem Reisereportagen. 

Anne Hopfengärtner (32) stammt aus Bayern. Sie war Profi-Fußballerin und spielte in der 1. Bundesliga für den 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen. Neben der Karriere hat sie als pädagogische Fachreferentin mit geflüchteten Jugendlichen in Köln gearbeitet und diese auf dem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützt. Jetzt ist sie ebenfalls freiberufliche Texterin. (rom)

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