Impfmüdigkeit greift um sich

Mehr als 1500 Impfungen für Kinder und Jugendliche im Kreis Northeim

Eine Impfung wird vorbereitet. (Symbolbild)
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Eine Impfung wird vorbereitet. (Symbolbild)

Eine deutliche Impfmüdigkeit macht sich im Landkreis Northeim breit. Diese Erfahrung machen die niedergelassenen Ärzte und das Impfzentrum, wie Wolfgang Boldt, Vorsitzender des Ärztevereins im Kreis Northeim, und auch die Kreisverwaltung mitteilen.

Landkreis Northeim – Musste zu Beginn der Impfkampagne nach Priorität geimpft werden, weil es nicht genügend Impfstoff gab, hat sich das Bild laut Boldt nun umgekehrt.

„Wir befinden uns derzeit in der Urlaubszeit und haben über das Impfportal für alle Impfstoffe noch Termine offen“, berichtet Landkreis-Pressesprecherin Caroline Diedrich. Aktuell werden im Schnitt 300 bis 350 Menschen pro Tag im Impfzentrum geimpft. Allerdings erscheinen laut Diedrich geschätzt rund zehn Prozent dann nicht mehr zu ihrer Zweit-Impfung. Dabei müsse man jedoch berücksichtigen, dass sich einige Personen ihre Zweitimpfung beim Hausarzt abholen.

Wolfgang Boldt

Doch auch bei den Haus- und Betriebsärzten erscheinen immer häufiger die Menschen nicht zum vereinbarten Impftermin, bestätigt Ärztevereins-Chef Boldt: „Wenn die Patienten nicht zu ihrer vereinbarten Zweitimpfung in den Praxen erscheinen, haben wir Schwierigkeiten, den dafür bestellten Impfstoff noch an andere Impfwillige zu vermitteln.“ Boldt weiß auch von einem Betriebsarzt, bei dem nur 50 von 200 angemeldeten Impflingen erschienen sind. Hinzu kommen nach seinen Worten noch diejenigen, die prinzipiell eine Impfung gegen das Coronavirus ablehnen. Laut einer Befragung des Instituts Insa will sich laut Boldt nur etwa jeder vierte Ungeimpfte noch impfen lassen. Boldt hoffe trotzdem auf ein Umdenken von so manchem Impfverweigerer.

Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren können sich mit Einverständnis der Eltern nun ebenfalls impfen lassen. Doch Boldt betont, dass diese Impfung in seiner Praxis kaum nachgefragt sei. Außerdem warte er noch auf eine klare Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Im Impfzentrum wurden dagegen schon mehr als 1500 Kinder und Jugendliche geimpft, so der Landkreis.

Der Tatsache, dass das Northeimer Impfzentrum Ende September geschlossen wird, sieht Ärztesprecher Wolfgang Boldt relativ entspannt entgegen.

Es mache dann wohl wirtschaftlich keinen Sinn mehr, es weiter zu betreiben, da die Impfzahlen zurückgingen, so Boldt. Die Impfungen könnten dann von den Hausärzten im Landkreis Northeim komplett übernommen werden, lautet seine Meinung.

Auch eine eventuell mögliche dritte Impfung könne bei den Hausärzten erfolgen. Wichtig hierfür sei aber, dass es eine ganz klare Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) geben müsse, für welche Patientengruppe eine dritte Impfung zur Auffrischung überhaupt erforderlich sei.

Mit Blick auf die Zukunft geht Boldt davon aus, dass auch im Bereich der Covid-Impfung vieles zur Routine wird. Schließlich würden die rund 20 Millionen Grippeimpfungen im Jahr auch „geräuschlos“ in den Arztpraxen erfolgen.

Erfreulich sei aber schon jetzt vielerorts die relativ gute Durchimpfung der Bevölkerung, so Boldt. In Moringen wurden inzwischen beispielsweise von den drei Hausarztpraxen 4500 Impfungen (Erst- und Zweitimpfungen) vorgenommen.

Zudem wurden bei lokalen Impfaktionen in der Moringer Stadthalle rund 550 Personen geimpft. Darüber hinaus seien die Menschen im Maßregelvollzugszentrum intern geimpft worden. Die Senioren im Altersheim hätten von mobilen Teams des Landkreises, die Menschen über 80 Jahre gleich zu Beginn der Impfaktion im Impfzentrum ihre Spritze erhalten.

Auch die Feuerwehren hätten ihre aktiven Mitglieder gesondert geimpft. Für diese Impfungen liegen keine für Moringen aufgeschlüsselte Zahlen vor, so Moringens Bürgermeisterin Heike Müller-Otte auf HNA-Anfrage. Sie gehe angesichts der bekannten Zahlen aber für Moringen von einer sehr guten Impfquote aus. 6015 Menschen sind in Moringen über 18 Jahre, 374 gehören der Altersgruppe zwischen 12 und 18 Jahren an, erläutert Müller-Otte. Sie und auch Boldt hoffen, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um auch die bislang noch nicht Geimpften mit einem Angebot zu erreichen. (von Rosemarie Gerhardy)

Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Impfung mit Biontech für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren mit Vorerkrankungen empfohlen. Anderen in der Altersgruppe wird die Impfung derzeit von der Stiko nicht allgemein empfohlen, ist aber nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch möglich. Die Empfehlung für Moderna steht noch aus. Es laufen auch bereits Studien zur Wirksamkeit von Biontech bei Kindern zwischen 6 Monaten und 11 Jahren. (rom)

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