Impfquote im Landkreis Northeim weiter zu niedrig

Kindergesundheitsbericht des Landkreises Northeim liegt vor

Schulter einer Frau, die gerade geimpft wird.
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Noch immer ist die Impfquote im Landkreis Northeim zu niedrig. (Symbolbild)

Die angestrebte Impfquote von 95 Prozent, die zur zuverlässigen Verhinderung der Ausbreitung ansteckender Erkrankungen erforderlich ist, wird im Landkreis Northeim für keine der empfohlenen Impfungen erreicht. Das wurde bei den Schuleingangsuntersuchungen festgestellt und jetzt im Jahresgesundheitsbericht „Kindergesundheit im Landkreis Northeim 2019“ veröffentlicht.

Northeim – Dieser war Thema in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Gesundheit, Frauen, Familien und Senioren. Unter Berücksichtigung der vorgelegten Impfausweise lag demnach ein vollständiger Impfschutz gegen Krankheiten, gegen die die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut Impfungen empfiehlt, bei folgenden Anteilen der Jungen und Mädchen vor:

Polio und Diphterie: 92 Prozent (wie im Vorjahr), Tetanus: 92 Prozent (Vorjahr 93 Prozent), Keuchhusten: 92 Prozent (unverändert), HIB (Haemophilus influenzae Typ b): 91 Prozent (unverändert), Hepatitis B: 88 Prozent (89 Prozent), Masern/Mumps/Röteln: 91 Prozent (unverändert), Windpocken: 84 Prozent (85 Prozent), Meningokokken C: 85 Prozent (84 Prozent), Pneumokokken: 82 Prozent (81 Prozent) und Rotaviren mit 36 Prozent (26 Prozent).

„Kinder aus Familien mit hohem Bildungsgrad sind am häufigsten unvollständig oder nicht geimpft“, erläutern die Verfasser des Berichts aus dem Northeimer Gesundheitsamt ihre Erkenntnisse. In diesen Familien sei am ehesten davon auszugehen, dass die Entscheidung gegen die Impfungen bewusst getroffen werde, dort seien am ehesten Impfkritiker zu finden.

In bildungsferneren Gruppen hingegen lägen eher Informationsdefizite oder praktische Hürden vor, wie mangelnde Deutschkenntnisse oder das Fehlen eines verfügbaren Transportmittels. Am besten würden die Impfungen von den mittleren Bildungsschichten angenommen. Sie seien entsprechend vorgebildet und gut organisiert.

Die Zahlen für den Einschulungsjahrgang 2020 liegen noch nicht vor. Von den 1262 geplanten Untersuchungen konnten bis zum Lockdown im März nur 769 Untersuchungen stattfinden, heißt es von der Kreisverwaltung. Nach telefonischer Rücksprache mit den Schulen seien ab Mai 2020 weitere 64 Schulanfänger untersucht worden.

Nur zwei Drittel waren bei allen Vorsorgen

Im Landkreis Northeim wurden 2019 insgesamt 1213 Kinder zur Schuleingangsuntersuchung vorgestellt. 26 Prozent der Kinder stammten aus Familien mit Migrationshintergrund. Nicht nur bei den Impfungen gibt es Defizite. Auch sämtliche Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur U9 waren nur bei 829 Kindern (68 Prozent) dokumentiert. 266 Kindern (22 Prozent) wurde eine fachärztliche Untersuchung empfohlen, obwohl 211 dieser Kinder an der U9 teilgenommen hatten

Von Hans-Peter Niesen

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