Hausärzte fordern, Moderna in Impfzentren zu nutzen

Impftempo im Landkreis Northeim in Gefahr

Unser Symbolfoto zeigt eine Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams und eine Schülerin, die sich in Niedersachsen gegen das Coronavirus impfen lässt.
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Unser Symbolfoto zeigt eine Mitarbeiterin eines mobilen Impfteams und eine Schülerin, die sich in Niedersachsen gegen das Coronavirus impfen lässt.

Die Northeimer Hausärzte sehen das Impftempo in Gefahr, sollten sie nicht in ausreichenden Mengen Biontech-Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen, darauf weist der Northeimer Hausarzt, Dr. Jost Wetter-Parasie, hin.

Northeim – Hintergrund ist, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mitgeteilt hat, die Biontech-Impfstoff-Menge auf 30 Dosen pro Woche für niedergelassene Ärzte zu kontingentieren. Die Reserven an Moderna-Impfstoff sollten zunächst verbraucht werden.

Dr. Jost Wetter-Parasie

Biontech und Moderna seien gleichwertige, hervorragende Impfstoffe, allerdings gebe es in der Impfabwicklung in der Praxis große Unterschiede.

So müssten bei der Auffrisch-Impfung bei Moderna immer gleich 20 Patienten nacheinander geimpft werden, denn so viele Impfdosen ergeben sich aus einem Vial (Impfstoffbehälter) mit Moderna-Impfstoff. Bei Biontech seien es nur sechs, erklärt Hausärztin Dr. Almuth Boettiger (Northeim).

20 Impflinge nahezu gleichzeitig seien aber für die Praxen in der Regel schon aus Platzgründen zu viel, ergänzt Dr. Wetter-Parasie. In seiner Praxis habe er schon jetzt für den gesamten Dezember rund 60 Biontech-Impfungen pro Woche terminiert.

Es wäre jetzt ein gewaltiger organisatorischer Aufwand, all diese Patienten nun über einen anderen Impfstoff zu informieren und gegebenenfalls sie davon zu überzeugen.

Insbesondere bei Menschen, die nicht gut Deutsch sprechen würden, sei zudem schwierig, ihnen zu vermitteln, dass Moderna ein gleichwertiger Impfstoff sei. Wetter-Parasie und Boettiger fordern, wie auch der Niedersächsische Hausärzteverband, dass Moderna in Impfzentren und bei mobilen Impfteams eingesetzt werden sollte. Da ließe sich das organisatorisch besser bewerkstelligen.

Sollten die Arztpraxen nicht Biontech in ausreichender Menge erhalten, dann würden sicher einige Kollegen vom Impfen ganz Abstand nehmen, und auch er werde dann nur die 30 Biontech-Impfungen pro Woche umsetzen können, so Wetter-Parasie abschließend.

Impfangebote im Landkreis Northeim

Die ersten offenen Impfangebote der mobilen Impfteams im Landkreis Northeim wurden laut Kreisverwaltung gut angenommen. Bislang wurden hierbei bis 19. Oktober 2736 Personen geimpft. Daher werde das Angebot für alle Personen ab 12 Jahren fortgesetzt.

Impfwillige können ohne Termin und ohne bürokratischen Aufwand eine Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung gemäß der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission erhalten. Es werde nach Verfügbarkeit Biontech verimpft, so die Kreisverwaltung.

„Ich hoffe einfach, dass die aktuelle Impfstoff-Diskussion nicht zu sehr verunsichert. Lassen Sie sich impfen! Jeder Ungeimpfte wird Covid bekommen. Die Impfung ist immer die bessere Wahl, egal, ob Biontech oder Moderna“, appelliert Dr. Regina Pabst, Leiterin der Northeimer Gesundheitsdienste, dass möglichst viele ein Impfangebot nutzen. Sie betont, dass man nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine mindestens gleich gute oder sogar bessere Immunität aufbaue, wenn der Immunschutz mit einem anderen Impfstoff aufgefrischt werde, als man ursprünglich bekommen habe.

An diesen Standorten der mobilen Impfteams wird in dieser und der kommenden Woche jeweils von 9 bis 16 Uhr ohne Voranmeldung geimpft:

- Mittwoch, 24. November, in Nörten-Hardenberg (ASB);

- Montag, 29. November, in Einbeck (JUH);

- Mittwoch, 1. Dezember, in Nörten-Hardenberg (ASB);

- Freitag, 3. Dezember, in Moringen in der Stadthalle (ASB); und

- Sonntag, 5. Dezember, in Einbeck (JUH).

Die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) ist in den Räumen der BBS Einbeck, Hullerser Tor 4 (Testzentrum) eingerichtet. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist in Nörten-Hardenberg auf dem Gelände der Zentrale des Kreisverbandes des ASB in der Industriestraße 11 (Testzentrum) zu finden. Mit Wartezeiten vor Ort ist zu rechnen.

Mitzubringen zur Impfung sind ein Personalausweis und gegebenenfalls ein vorhandener Impfpass. Für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren ist zudem eine schriftliche Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorzulegen. Schüler über 16 Jahre können auch ohne eine Einwilligung erziehungsberechtigter Personen geimpft werden. (Rosemarie Gerhardy)

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