Arztpraxen schaffen Auffrischungsimpfungen

Neustart für Impfzentrum Northeim nicht nötig

Das Impfzentrum des Landkreises Northeim wurde im Dezember 2020 von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks in der Northeimer Stadthalle eingerichtet.
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Das Impfzentrum des Landkreises Northeim wurde im Dezember 2020 von Mitarbeitern des Technischen Hilfswerks in der Northeimer Stadthalle eingerichtet.

Northeim – Der Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, im Hinblick auf die sogenannten Boosterimpfungen (Auffrischungsimpfungen nach sechs Monaten) die Impfzentren wieder zu aktivieren, wird von der Ärzteschaft im Landkreis Northeim unterschiedlich bewertet.

Der Northeimer Onkologe Jörg Seraphin hält die Impfzentren derzeit für „eher entbehrlich“, betont aber, dass sie zu Beginn der Impfkampagne eine wichtige Funktion erfüllt hätten. Insbesondere für Krebspatienten, bei denen die Boosterimpfung individuell genau auf die jeweilige Therapie abgestimmt werden müsse, sei es wichtig, dass sie in den Händen der behandelnden Ärzte liege. „Insgesamt können die niedergelassenen Ärzte das Nachimpfen sicherstellen“, ist Seraphin überzeugt.

Diese Meinung teilt auch Rüdiger Englert, der in Katlenburg eine Praxis für Allgemeinmedizin betreibt. Er fragt sich, mit welcher Intention der Vorschlag gemacht wurde, die Impfzentren zu reaktivieren. Wenn man damit jetzt die Ärzte entlasten wolle, sei das zwar charmant, aber nicht das geeignete Mittel, da die Hausärzte genauer wüssten, für welche ihrer Patienten die Impfung am dringlichsten sei. Zielführender sei, den mit den Impfungen verbundenen bürokratischen Aufwand für die Arztpraxen zu reduzieren. „Zeitweilig war es ja gut, dass die Impfzentren zur Verfügung standen“, blickt Englert zurück. „Aber es ist auch vieles zur falschen Zeit passiert.“

Auch Dr. Matthias Löber aus Hardegsen plädiert dafür, dass die Boosterimpfungen bei den niedergelassenen Ärzten stattfinden, vorausgesetzt, es bleibe bei der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Für sinnvoll hält er es allerdings, dass die mobilen Impfteams des Landkreises wieder die Impfungen in den Seniorenheimen übernehmen.

Frauenärztin Julia Tilgner aus Northeim sähe es lieber, wenn das Impfzentrum wieder geöffnet würde oder man zumindest eine ähnliche Anlaufstelle im Landkreis einrichten würde, an die sie Patientinnen weiterleiten könnte. „Ich habe bislang darauf verzichtet, in meiner Praxis Corona-Impfungen anzubieten, weil das für mich logistisch nicht zu schaffen ist“, sagt sie. Nachdem die Impfung auch für Schwangere empfohlen werde, gebe es aber eine noch größere Nachfrage. Insofern würde sie die Einrichtung einer Stelle wie das Impfzentrum begrüßen.

Dr. Hubert Beier, der in Northeim eine Praxis für Allgemeinmedizin betreibt, hält die Abwicklung der Auffrischungsimpfungen durch die niedergelassenen Ärzte für machbar und sieht keine Notwendigkeit für die Reaktivierung des Northeimer Impfzentrums. „Wir Hausärzte müssen uns sowieso darauf einstellen, dass wir es dauerhaft mit Corona-Impfungen zu tun haben werden“, sagt er und wünscht sich, dass künftig der damit verbundene bürokratische Aufwand reduziert wird.

Er hofft insbesondere auf eine Vereinfachung der Handhabung von Impfdosen, denn bislang müssten die Arztpraxen den Impfstoff in Sechserpackungen kaufen und dann dafür sorgen, dass dazu passend auch sechs Termine mit Impfwilligen vereinbart werden, damit Impfstoff nicht verfalle. „Einfacher wäre es, wenn wir wie bei anderen Impfstoffen einzelne Impfdosen zur Verfügung hätten.“

Der Landkreis Northeim hält die Wiederinbetriebnahme des Impfzentrums nicht für nötig. Insofern teile man die Auffassung der Niedersächsischen Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, Daniela Behrens, heißt es dazu in einer Stellungnahme der Kreisverwaltung.

Derzeit sei der Landkreis vom Ministerium lediglich beauftragt, zwei mobile Impfteams zu betreiben. Sofern das Land den Aufbau und die Inbetriebnahme einer stationären Impfstelle durch die mobilen Teams vorgeben sollte, sei man in Abstimmung mit den Hilfsorganisationen aber in der Lage, kurzfristig ein Angebot umzusetzen.

Derzeit seien die mobilen Impfteams im Landkreis Northeim unterwegs, um sowohl Drittimpfungen als auch vereinzelt Erst- und Zweitimpfungen je nach Bedarf in Alten- und Pflegeheimen zu gewährleisten.

Darüber hinaus werde es im November stationäre Impfangebote für Schüler sowie für über 70-Jährige geben. Im Anschluss seien zeitnah Impfaktionen in Schulen geplant, so der Landkreis. Parallel würden derzeit Impfangebote in Tagespflegeeinrichtungen, ambulanten Pflegediensten und Einrichtungen der Eingliederungshilfe geplant.

Außerdem stehe der Landkreis bereits im Austausch mit Flüchtlingsinitiativen sowie anderen sozialen Einrichtungen, um eventuellen Bedarf abzufragen und dann entsprechende Angebote zu gestalten.

Die beiden mobilen Impfteams des Landkreises Northeim bieten an vorerst vier Impftagen im November auch stationäre Impfmöglichkeiten an. Impfwillige können ohne Termin und ohne bürokratischen Aufwand eine Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung erhalten, und zwar am Montag, 8. November, und Montag, 15. November, jeweils von 9 bis 16 Uhr in den Räumen der Berufsbildenden Schulen Einbeck. Außerdem im Rahmen einer Drive-In-Impfaktion am Mittwoch, 10. November, und Mittwoch, 17. November, jeweils von 9 bis 16 Uhr auf dem Gelände der Zentrale des Kreisverbandes des ASB in der Industriestraße 11 in Nörten-Hardenberg, so der Landkreis.

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