Mehr Klarheit beim Impfen von Kindern

Mediziner aus der Region Northeim begrüßen Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche

Das Impfen von Kindern und Jugendlichen wird jetzt von der Ständigen Impfkommission empfohlen. archiv
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Das Impfen von Kindern und Jugendlichen wird jetzt von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Die Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko), für Kinder und Jugendliche eine Corona-Impfung zu empfehlen, wird von Medizinern aus der Region begrüßt.

Northeim/Göttingen „Endlich gibt es nur noch eine klare Meinung“, kommentiert Kinderarzt Matthias Feindt aus Göttingen, stellvertretender Landesvorsitzender der niedersächsischen Kinder- und Jugendärzte, die aktuelle Situation. Auch wenn das Zögern der Stiko in den vergangenen Wochen bei vielen Eltern für Verunsicherung gesorgt habe, seien in Niedersachsen bereits ein Drittel aller Schulkinder geimpft worden. „Damit gehören wir zu den Vorreitern in Deutschland.“

Die Vorgehensweise der Stiko, erst nach der Auswertung von Studien aus den USA eine Empfehlung auszusprechen, sei nachvollziehbar, betont Feindt. Nach aktueller Datenlage seien in den Vereinigten Staaten bei vier Millionen geimpften Kindern und Jugendlichen keine großen Nebenwirkungen aufgetreten. In seltenen Fällen seien zwar Herzmuskelentzündungen registriert worden. Diese seien aber gut zu behandeln gewesen.

„Bei der Abwägung ist die Stiko jetzt zu dem Schluss gekommen, dass die Impfung für alle Kinder und Jugendlichen mit weniger Risiken verbunden ist als eine Covid-19-Infektion. Insbesondere vor dem Hintergrund der sich immer schneller ausbreitenden Delta-Variante.“ Bislang hatte die Stiko lediglich für 12- bis 17-Jährige mit Grunderkrankungen wie zum Beispiel einem Herzfehler oder Stoffwechselstörungen eine Impfung empfohlen.

Feindt rechnet damit, dass nach der Entscheidung der Stiko jetzt die Diskussion über Reihenimpfungen beginnen wird. Er selbst hält allerdings nichts davon, Kinder und Jugendliche in den Schulen impfen zu lassen, weil aus seiner Sicht dort eine ärztliche Betreuung von Eltern und Kindern, wie sie in den Praxen üblich sei, nicht möglich wäre. Auch der Northeimer Kinderarzt Dr. Klaus-Dieter Rolirad steht möglichen Corona-Schulimpfungen im Hinblick auf die Betreuung der Kinder und Eltern skeptisch gegenüber.

Angesichts der bevorstehenden vierten Welle begrüßt Rolirad die Entscheidung der Stiko ausdrücklich. Und er hofft, dass durch die Empfehlung die Zahl der Impfskeptiker sinkt.

In seiner eigenen Praxis habe er in den vergangenen 50 Jahren nur fünf Kinder nicht geimpft, weil die Eltern etwas dagegen gehabt hätten, berichtet er. Ansonsten habe er es stets geschafft, die Eltern vom Nutzen der Schutzimpfungen zu überzeugen.

„Ich bin mir aber sicher, dass das Impfen allein nicht reicht, um Corona in den Griff zu bekommen“, betont Rolirad. „Wir müssen uns auch weiterhin alle an die Hygiene- und Abstandsregeln halten und auf das Händeschütteln verzichten“, ist er überzeugt. Dass manche Menschen sich jetzt zur Begrüßung stattdessen mit Fäusten berühren, kann er nicht verstehen. „Die Viren machen da doch keinen Unterschied“, sagt er und lacht.

Auch Wolfgang Boldt, Allgemeinmediziner und Vorsitzender des Northeimer Ärztevereins, ist froh über die Entscheidung der Stiko. „Wir haben zwar hier in unserer Praxis bereits auch jetzt schon Kinder und Jugendliche gegen Corona geimpft, aber mit der jetzt ausgesprochenen Empfehlung werden das jetzt sicher noch mehr werden.“

Wichtig sei, dass Grundlage für die Entscheidung der Stiko nicht etwa der Wunsch nach einer höheren Impfquote gewesen sei, sondern die Erkenntnis, dass das Risiko einer Covid-Infektion für alle Kinder erheblich größer sei als die Risiken einer Impfung.

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