Viele Spuren unentdeckt

Interview: "Am Harzhorn gibt es noch Arbeit für Jahrzehnte"

Das Harzhorn hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt: Rund 3000 Besucher haben 2014 an einer Führung teilgenommen. Das Infogebäude mit seiner außergewöhnlichen Architektur (hier ein Foto von der Einweihung im Sommer 2014) lockt ebenfalls Touristen an. Archivfoto: Schröter

Northeim. Als die Überreste der Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn 2008 entdeckt wurden, war das eine Sensation. Auch heute ist die Arbeit der Wissenschaftler noch nicht beendet.

Über den Stand der Forschung und die touristische Vermarktung haben wir mit Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne und Ralf Buberti, Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt beim Landkreis, gesprochen.

Frau Lönne, wie intensiv wird heute noch vor Ort am Harzhorn geforscht?

Dr. PetraLönne

Petra Lönne: Auch wenn es aktuell keine Grabungen gibt, geht die Forschung natürlich weiter. Zwei Grabungstechniker des Landesamtes für Denkmalpflege sind regelmäßig mit Metalldetektoren vor Ort. So kann eine größere Fläche abgesucht werden. Sollten sich die Funde an einer Stelle konzentrieren, könnte es auch wieder Grabungen geben. Alles in allem gibt es am Harzhorn sicher noch Arbeit für Jahrzehnte.

Was gibt es denn noch alles zu tun?

Lönne: Aus antiken Quellen wissen wir, dass sich die Römer auf einem Marsch etwa 25 Kilometer pro Tag bewegt haben und dann ein Lager aufgeschlagen haben. Davon gibt es in der Umgebung sicherlich Spuren, die aber noch unentdeckt sind. Nach den Kämpfen am Harzhorn sind die Römer vermutlich nach Süden in Richtung Hedemünden und weiter in ihr Winterlager nach Mainz gezogen. Man müsste den Radius für die Forschung also deutlich erweitern.

Wie soll die Forschung am Harzhorn in Zukunft finanziert werden?

Ralf Buberti: Die Ausgrabungen werden im Wesentlichen vom Land Niedersachsen gefördert, doch die Mittel für Archäologie wurden zuletzt wieder gekürzt. Deshalb bereitet das Wissenschaftlerteam einen Förderantrag an die Deutsche Forschungsgemeinschaft vor. Sollte er bewilligt werden, wären damit Fördermittel in Höhe von etwa 150.000 Euro verbunden.

Lönne: Mit diesem Geld könnten bodenkundliche Untersuchungen, die uns Aussagen über die Funderhaltung in bestimmten Bereichen liefern, forciert werden. Außerdem ist eine Publikation über die Funde in Planung, die wir mit dem Geld finanzieren möchten.

Inzwischen wurden rund 3000 Funde gesichert. War darunter im vergangenen Jahr etwas Besonderes?

Lönne: Zuletzt wurden vor allem Projektile, Pfeilspitzen, Teile von Pferdegeschirr und Sandalennägel gefunden - nichts, was wir nicht schon haben. Trotzdem bleibt es spannend, denn jeder Fund ist wie ein Mosaikstein, der erst in seiner Gesamtheit ein Bild ergibt. Die Aufarbeitung der Objekte dauert bis zu neun Monate, so dass sich oftmals erst danach endgültig sagen lässt, welchen Aussagewert ein Fund besitzt.

Was passiert denn konkret mit den Funden?

Lönne: Nach der Bergung der Objekte werden sie in die Restaurierung überführt. Dort werden die Funde gereinigt und die Eisenobjekte zum Entsalzen in spezielle Bäder gelegt, um sie vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Danach werden sie von Hand restauriert und im nächsten Schritt fotografiert, beschrieben und gezeichnet. Gelagert werden die Funde dann in einer Klimakammer, in der eine Luftfeuchtigkeit von höchstens 25 Prozent herrscht.

Gibt es Überlegungen, das Harzhorn als touristische Attraktion noch besser zu vermarkten?

Ralf Buberti

Buberti: Die ehrenamtlichen Harzhorn-Guides leisten schon jetzt eine sehr wertvolle Arbeit mit ihren Führungen. Das soll so fortgesetzt werden. Unser Ziel ist es, das Harzhorn über andere Kanäle und Institutionen bekannter zu machen und mit weiteren touristischen Zielen im Landkreis zu vernetzen. Dazu laufen aktuell Gespräche. Außerdem soll das Harzhorn vom neuen Beschilderungskonzept des Landkreises profitieren.

Wer entscheidet darüber, wie es weitergeht?

Buberti: Die Federführung bleibt beim Landkreis, doch wir arbeiten sehr eng und gut mit den neuen Bürgermeistern in Kalefeld und Bad Gandersheim zusammen. In der Arbeitsgemeinschaft Harzhorn, zu der auch die Grundstückseigentümer, Vertreter der Forstgenossenschaft, der Harzhorn-Guides sowie der Politik gehören, werden viele Ideen gesammelt. So soll zum Beispiel bald ein Förderverein gegründet werden.

Zu den Personen:

Dr. Petra Lönne (47) ist seit 2003 Kreisarchäologin des Landkreises Northeim. Sie hat Ur- und Frühgeschichte, Anthropologie und Botanik an der Universität Göttingen studiert und dort promoviert. Sie lebt in Göttingen.

Dipl.-Ing. Ralf Buberti (56) ist seit 2006 Leiter des Fachbereichs Bauen und Umwelt beim Landkreis Northeim. Er hat Architektur an der Fachhochschule Holzminden studiert und lebt in Uslar.

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