Jedes dritte Baby in Northeim kommt per Kaiserschnitt zur Welt

Geschafft: Dieses Baby kam per Kaiserschnitt zur Welt. Foto: dpa

Northeim / Göttingen. Die Zahl der Kaiserschnitte in der Region verharrt auf hohem Niveau, obwohl Geburtskliniken die Frauen eindringlich vor den Risiken warnen.

In der Northeimer Helios-Albert-Schweitzer-Klinik kamen im ersten Halbjahr dieses Jahres 160 Kinder zur Welt, 49 per Kaiserschnitt (30,6 Prozent). Im Jahr 2012 waren es 27,8 Prozent. Damit liegt die Klinik aber immer noch unter dem Landesdurchschnitt von 33 Prozent. Zum Vergleich: Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird eine Kaiserschnitt-Rate von 15 Prozent empfohlen.

„In unserer Klinik werden keine Kaiserschnitte ohne medizinische Indikation durchgeführt“, sagt dazu der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Northeim, Dr. Josef Frasunek. Grundsätzlich entscheide man sich immer für die sicherste Methode für Mutter und Kind. Diese Indikation könne auch psychisch sein, wenn eine Schwangere große Angst vor einer natürlichen Entbindung habe.

Im Göttinger Agaplesion-Krankenhaus Neu Bethlehem, das mit mehr als 1000 Entbindungen jährlich die größte Geburtsklinik der Region ist, stieg die Kaiserschnittquote von 25,7 Prozent im Jahr 2013 auf 28 Prozent im Jahr 2014. Das führt Oberärztin Dr. Maria Anasowitsch auf das geburtshilfliche Management ihrer Abteilung zurück: „Bei uns gibt es auch spontane Steißgeburten und Zwillinge sind nicht automatisch eine Indikation für einen Kaiserschnitt.“

In der benachbarten Klinik Neu-Mariahilf, die zum Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende gehört, kommen jährlich etwa 600 Kinder zur Welt. 2014 wurden dort 36,5 Prozent per Kaiserschnitt geholt. Zum Vergleich: 1993 waren es 12,9 Prozent.

Den langfristigen Anstieg führt Anasowitsch auch darauf zurück, dass es mehr ältere Mütter mit Begleiterkrankungen wie hohem Blutdruck gibt. In Northeim sei dieser Trend dagegen nicht zu erkennen, sagt Frasunek. Das Alter der Mütter, die per Kaiserschnitt entbinden, habe in den vergangenen drei Jahren stabil bei 28 bis 30 Jahren gelegen.

Häufig werde ein Kaiserschnitt in schwierigen Geburtssituationen durchgeführt, beispielsweise bei einer Beckenendlage, sagt Frasunek. Auch das Geburtsgewicht des Kindes könne einen Kaiserschnitt begründen, genauso wie Terminüberschreitungen.

„Ein Kaiserschnitt ist ein medizinisches Risiko und bringt auch mehr Schmerzen für die Mutter mit sich als eine Spontangeburt“, erläutert der Mediziner. „Jede Mutter, die einen Wunschkaiserschnitt möchte, wird ausführlich über die Risiken aufgeklärt. Anschließend entscheiden sich in der Regel alle Frauen gegen einen Kaiserschnitt.“

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