Jugendliche brauchen Treffpunkte

Corona-Einschränkungen belasten die Jugendarbeit im Landkreis Northeim

Ehemalige Skateranlage in Northeim, die jetzt einen Basketballkorb hat.
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Outdoor-Ideen sind in Zukunft immer mehr gefragt: In Northeim können sich Jugendliche beim Basketball treffen, wenn es die Corona-Regeln zulassen.

Die Corona-Maßnahmen haben seit ihrem Beginn für die Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis Northeim weitreichende Folgen. Jetzt wird überlegt, wie die Arbeit weitergehen kann.

Landkreis Northeim – Veranstaltungen wie Gruppentreffen, Freizeiten, Kulturangebote und Bildungsmaßnahmen mussten abgesagt oder verschoben werden. Auch die von den Jugendpflegen in den Städten und Gemeinden angebotenen Ferienpass-Aktionen konnten nur eingeschränkt stattfinden und richteten sich vorwiegend an Kinder, berichtet Kreisjugendpfleger Andreas Kohrs.

Die für Jugendliche in den Städten und Gemeinden als Treffpunkt wichtigen, selbstverwalteten Jugendräume in den Ortschaften mussten aufgrund der Corona-Einschränkungen bereits im Frühjahr schließen. Die Pandemie sorgt gerade im Bereich der offenen Jugendarbeit bei Jugendlichen für eine weitreichende Isolierung.

Kreisjugendpfleger Andreas Kohrs (Archivbild)

Ute Wardelmann, Jugendpflegerin der Gemeinde Kalefeld, gibt in ihrem Bericht, den sie am 12. November im Jugendausschuss der Gemeinde vorstellt, zu bedenken: „All das, was Jugendliche in der Pubertät brauchen – ihre Peergroup, informelle Treffen, Spontaneität, selbstbestimmtes Handeln, Freiheiten, Spaß, erste Liebe, Körperkontakt, Gruppenerlebnisse waren nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich. Jugendliche fühlen sich sehr kontrolliert und immer im Fokus stehend.“

Ute Wardelmann, Jugendpflegerin der Gemeinde Kalefeld (Archivfoto)

Aufgrund dieser Erkenntnisse überlegen die Jugendpflegen wie sie sich für 2021 aufstellen können, wenn es weiterhin coronabedingte Einschränkungen geben wird.

Ideen für das kommende Jahr

Wardelmann fordert, deshalb unter anderem neue Treffpunkte für Jugendliche im öffentlichen Raum zu erschließen. Jugendliche aus Düderode und auch Oldershausen haben sich viel im Wald aufgehalten und dort Fahrradrennstrecken ausprobiert, berichtet sie. Nicht immer zur Freude der Revierpächter. Ein offizieller Fahrradparcours im Wald wäre aus ihrer Sicht viel besser.

Zudem nutzten Jugendliche Parkplätze als Auto-Treffpunkte oder als Fahrradparcours. Roller- und Mopedfahrer verabreden sich im Wald oder auf dem Schulhof, um der Kontrolle oder den Beschränkungen aus dem Wege zu gehen. Da müsse perspektivisch Abhilfe geschaffen werden, so ihre Forderung.

Outdoor-Lösungen finden

Der Bedarf nach großzügigen Outdoor-Lösungen sei groß, sind sich alle Jugendpflegen einig. Die zu Beginn der Corona-Pandemie digital gestalteten Angebote zeigten bereits nach kurzer Zeit auf, dass Kinder und Jugendliche hieran nur kurzzeitig und bedingt Interesse hatten. Im Vordergrund stand und steht der Wunsch nach einer unmittelbar persönlichen Begegnung mit Jugendlichen, wie sie beispielsweise in Jugendhäusern, Jugendzentren, Jugendräumen oder anderen Treffpunkten stattfinden kann, schildert auch Kohrs die Erfahrungen.

Jan Mönnich, Jugenddiakon, (Archivfoto)

Jan Mönnich, Jugenddiakon, teilt diese Eindrücke: „Die Kids sind die digitalen Geschichten satt“. Dennoch sei es für sie oft die einzige Möglichkeit, in Verbindung zu bleiben.

Verbandsspezifische Jugendarbeit sei aktuell sogar erlaubt, aber in der Praxis kaum realisierbar.

Neue Rahmenbedingungen schaffen

Weil der Bereich der Kinder- und Jugendarbeit mit vielfältigen Angeboten auch im kommenden Jahr aufgrund der Corona-Pandemie mit Einschränkungen zu rechnen hat, müssten neue Rahmenbedingungen und Inhalte entwickelt werden, fordert Andreas Kohrs: Sofern Räume aufgrund der Corona-Pandemie nur eingeschränkt nutzbar seien, werde man mittelfristig Lösungen, wie zum Beispiel Installierung von neuen Belüftungssystemen oder die Schaffung von Freiflächen im Außenbereich, finden müssen.

Denkbar seien auch nicht-kommerzielle Freizeitangebote für Aktivitäten im Natur-, Bewegungs- und Gesundheitsbereich beziehungsweise die Neuausrichtung oder Umwidmung von Parks, Wiesen, Spielplätzen, Sportanlagen, Wald- und Brachflächen und Trimm-Dich Pfaden für Zwecke der Kinder- und Jugendarbeit. So könnte sich Ute Wardelmann beispielsweise für die Gemeinde Kalefeld vorstellen, die bereits vorhandene Funbox, eine kleine Skateranlage, hinter dem Alten Bahnhof mit Anbindung an das Jugendhaus zu installieren. Weiterhin werde es notwendig sein, für Veranstaltungen, Versammlungen und Bildungsangebote auch externe Räume zu nutzen, so die Jugendpflegen.

Sommerfreizeiten

Jan Mönnich geht noch darüber hinaus. Der Jugenddiakon plant bereits Freizeiten für die Sommerferien. „Eine Kohorte könnte sicher in einem abgelegenen Ferienhaus Zeit verbringen“, hofft er, dass dies im kommenden Jahr machbar ist.

Für die Jugendlichen da sein

Neben der Berücksichtigung der Interessen- und Bedürfnislagen von Jugendlichen geht es den Fachkräften der Jugendarbeit und den ehrenamtlich Tätigen vor allem darum, den Kontakt zu den Jugendlichen nicht abreißen zu lassen. Wichtig seien in diesen schwierigen Zeiten die direkte Begleitung von Jugendlichen und die Möglichkeit, als Ansprechpartner auch in Krisensituationen zur Verfügung zu stehen und Beratung sowie Information auch unabhängig vom Elternhaus oder der Schule und des Ausbildungsbetriebes geben zu können, sind sie sich einig. „Wir sind da für die Leute“, bringt es Mönnich auf den Punkt. Außerdem sei eine frühe Partizipation von Kindern und Jugendlichen in allen sie betreffenden Fragen die Grundvoraussetzung für die Entwicklung von alters- und angebotsorientierten Lösungen, so Kohrs. (Rosemarie Gerhardy)

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