Details zum Scheitern der Verhandlungen über den Verkauf des Jugendfreizeitheims

Silberborn: Käufer konnte Finanzkraft nicht nachweisen

Seit fast zwei Jahren ungenutzt: das Jugendfreizeitheim Silberborn.
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Seit fast zwei Jahren ungenutzt: das Jugendfreizeitheim Silberborn.

Der Rücktritt des Allgemeinen Rettungsverbandes Niedersachsen-Süd (ARV) vom Kauf des ehemaligen Jugendfreizeitheims Silberborn kam wohl nicht ganz freiwillig zustande. Das geht aus der Antwort des Pressesprechers des Landkreises Northeim, Dirk Niemeyer, auf Anfrage der HNA hervor.

Northeim – Demnach hatte der Kreisausschuss in seiner Sitzung am 26. Oktober beschlossen, die Verhandlungen mit dem Rettungsverband zu beenden. Dies geschah, nachdem der ARV in dieser Sitzung die angebotene Möglichkeit nicht genutzt habe, offene Fragen insbesondere zum Kapital, das er in Silberborn investieren wollte, zu beantworten,

Die Entscheidung des Kreisausschusses sei dem ARV übermittelt worden, so Niemeyer.

Am 2. November teilte der Rettungsverband dann öffentlich mit, sein Übernahmeangebot für das Jugendfreizeitheim im Solling zurückzuziehen. Eine Anfrage der HNA beim ARV zu den Gründen, wieso der Kreisausschuss die Verhandlungen über Silberborn beendet hat, blieb unbeantwortet.

Der Kreistag hatte am 10. Juli mehrheitlich beschlossen, das Heim in Silberborn (Landkreis Holzminden) an den ARV für den Preis von einem Euro zu verkaufen.

Dafür wollte sich der Rettungsverband verpflichten, zunächst 170 000 Euro und dann weitere 400 000 Euro in Silberborn zu investieren. Diese Zusage galt als Begründung dafür, wieso der Landkreis die Immobilie nur zu dem symbolischen Betrag veräußern wollte.

Auf dieser Basis sollten die Verhandlungen der Kreisverwaltung und dem ARV über den notariellen Kaufvertrag geführt werden.

Bis Mitte Oktober, also innerhalb von drei Monaten, habe der Rettungsverband aber nur zögerlich die zur Vorbereitung des Vertrages erforderlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt, teilte Niemeyer mit: „Der ARV hat im Laufe dieses Zeitraumes verschiedene, sich grundsätzlich widersprechende Erklärungen im Hinblick auf die Finanzierung der Anschubinvestitionen und des ersten Betriebsjahres abgegeben.“

Als Nachweis für vorhandenes Investitionskapital seien dabei Belege vorgelegt worden, deren Wert äußerst zweifelhaft gewesen sei und nur einen Bruchteil des Kapitalbedarfs gedeckt hätten, der im Konzept des ARV als in Silberborn erforderlich angegeben wurde.

Nach HNA-Informationen hat der ARV unter anderem eine Bestätigung über eine Kapitalbereitstellung einer norwegischen Aktiengesellschaft über 80 000 Euro vorgelegt, bei der ein führender ARV-Mitarbeiter als Geschäftsführer angegeben ist.

Bei der norwegischen AG soll es sich um ein Kleinunternehmen mit beschränkter Haftung und nur geringem Mindestkapital (weniger als 3000 Euro) handeln.

Außerdem soll der ARV versucht haben, Eigenkapital, dessen Existenz er schon für den Betrieb seines Fahrdienstes nachweisen musste, auch als Geld anzugeben, das er für das Jugendfreizeitheim einsetzen kann.

Von den 120 000 Euro, die ein Göttinger Kreditinstitut bescheinigt haben soll, hätten nach HNA-Informationen nur 45 000 Euro für Silberborn verwendet werden können. Gemäß gesetzlicher Bestimmungen war der Rest des Eigenkapitals für den Fahrdienst gebunden.

Die Zukunft des Jugendfreizeitheims ist nun erneut Thema in der nächsten Kreistagssitzung am Freitag, 4. Dezember. Die Kreisverwaltung will, dass der Verkauf der seit Anfang 2019 geschlossenen Immobilie erneut öffentlich ausgeschrieben wird. (Olaf Weiss)

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