Kahlschlag sorgt für Ärger: Stadt hat Obstbaumallee in Fredelsloh gefällt

Nur Baumstümpfe sind am Tönniesweg in Fredelsloh übriggeblieben: Auf einer Länge von 60 Metern hat die Stadt Moringen Obstbäume und Sträucher entfernt, die dort seit 25 Jahren wuchsen. Foto: Schwekendiek

Fredelsloh. Im Sommer trugen die Obstbäume am Fredelsloher Tönniesweg noch Äpfel und Birnen. Jetzt sind sie verschwunden. Im Zuge von Pflegearbeiten hat die Stadt Moringen am Mittwoch mehrere Bäume gefällt. Einige Anwohner sind verärgert.

„Die Bäume wurden vor 25 Jahren mit Hilfe von Renaturierungs-Geldern des Landkreises gepflanzt“, sagt Arno Schelle. „Dass sie jetzt gefällt wurden, ist ein Umweltfrevel.“

Der Tönniesweg verläuft unterhalb des Naturschutzgebiets Weper. Dort, wo auf etwa 60 Metern im Sommer noch dichtes Grün stand, herrscht jetzt Kahlschlag. Mitarbeiter des Bauhofs haben nach eigenen Angaben drei Obstbäume und mehrere Sträucher entfernt und den Rasen gemäht. Lediglich drei Bäume und ein Strauch wurden verschont.

„Das waren normale Pflegearbeiten, die zum Winter hin anstehen“, erklärt Albert Bracharz, Leiter des städtischen Bauamts, auf HNA-Anfrage. Ein Baum sei sogar derart morsch gewesen, dass die Arbeiter ihn per Hand abknicken konnten und die Säge gar nicht ansetzen mussten.

Ein weiteres Problem: „Der Wassergraben war so zugewachsen, dass eine normale Wasserführung nicht mehr möglich war“, sagt Bracharz. Um den Graben freizulegen, habe man die Bäume und Sträucher entfernen müssen. Nur so könne gewährleistet werden, dass es bei Starkregen nicht zu Überschwemmungen kommt.

Das sehen mehrere Anwohner anders. Arno Schelle, der sich bereits mit seinen Nachbarn ausgetauscht hat, hat sieben abgesägte Stümpfe von Obstbäumen gezählt. „Baumscheiben in vollem Saft und Kraft widersprechen der Behauptung, dass es sich nur um abgestorbene Bäume handelte“, sagt er entrüstet.

Außerdem hätten die Bäume keineswegs den Wasserfluss im Graben behindert, weil sie deutlich oberhalb des Grabens standen. Die Freilegung des Grabens hätte auch ohne das Fällen der Bäume erfolgen können, so Schelle.

„Eine Ersatzpflanzung wäre angemessen“, wünschen sich die Anwohner. Unterstützung in diesem Anliegen bekommen sie von Ortsbürgermeister Stefan Josef. „Es wäre gut gewesen, wenn der Ortsrat über diese Maßnahme informiert gewesen wäre“, sagt er. „Wir werden uns bemühen, dass dort neue Bäume gepflanzt werden.“ Die Stadt Moringen will das nicht versprechen. „Es ist nichts in dieser Hinsicht geplant“, sagt Bracharz.

Von Julia Schwekendiek

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