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35 Prozent des Trinkwassers in der Gemeinde Kalefeld versickern

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Von: Rosemarie Gerhardy

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Der Hochbehälter in Dögerode wurde 1978 in Betrieb genommen und weist bauliche Mängel auf. Er ist aber aufgrund seiner Höhenlage ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung und muss saniert werden. ARchiv
Der Hochbehälter in Dögerode wurde 1978 in Betrieb genommen und weist bauliche Mängel auf. Er ist aber aufgrund seiner Höhenlage ein wichtiger Bestandteil der Wasserversorgung und muss saniert werden. © Hubert Jelinek

Trinkwasser ist ein hohes Gut. Um die Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen und einen Überblick über die dafür erforderlichen Maßnahmen zu bekommen, hatte die Gemeinde Kalefeld ein Ingenieurbüro beauftragt, eine Analyse über die Trinkwasserversorgung zu erstellen. In der Folge kann auf dieser Basis ein Rahmen-Wasserversorgungskonzept erarbeitet werden.

Kalefeld – Schon in diesem ersten Bericht wird klar, dass vor allem das Versorgungsnetz erhebliche Mängel aufweist. Jährlich versickern mehr als 110 000 Kubikmeter. Das wiederum kostet Geld, denn der sogenannte Wassergroschen, der inzwischen 0,15 Euro pro Kubikmeter geförderten Wassers beträgt, muss auch für versickertes Trinkwasser an das Land abgeführt werden. Aber auch die Hochbehälter weisen Mängel auf.

Wie kann die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde Kalefeld auch in Zukunft gesichert werden? Was passiert, wenn Quellen versiegen? Erste Antworten auf diese Fragen gab nun der Zwischenbericht zur Wasserversorgung, den Marie Möhlenhoff vom Ingenieurbüro Rinne & Partner, dem Gemeindeentwicklungsausschuss vorstellte. Zudem schlug sie sieben Maßnahmen vor, um die Trinkwasserversorgung perspektivisch zu sichern.

Quellen

Fünf Quellen in Sebexen, Westerberg, Weißenwasser, Eboldshausen und Westerhof decken zurzeit den Trinkwasserbedarf im Gemeindegebiet Kalefeld. Zudem wird auch ein Teil des Trinkwassers aus dem Tiefenbrunnen sowie dem Stollen am Westerberg gewonnen. Die Quellen bieten aktuell noch genügend Wasser, doch in Westerhof wurden bereits schon im Jahresmittel 2100 Kubikmeter mehr Wasser entnommen als genehmigt, macht Möhlenhoff deutlich. Ein weiteres Problem sieht sie bei der Quelle Weißenwasser. Sie bezieht wie auch die Quelle Sebexen ihr Wasser aus dem Kahlberg. Der Zulauf der Quelle erfolgt über mehrere Quellfassungsleitungen. Bei Trockenheit besteht die Gefahr, dass diese trocken liegen. Auch die Leistung der Quelle in Eboldshausen lasse deutlich nach, hier war bereits 2021 eine Druckspühlung erforderlich, um wieder mehr Wasser zu erhalten.

Außerdem weisen die Quellen Eboldshausen und Westerhof mit 30 mg/l relativ hohe Nitratgehalte auf.

Volker Hübchen vom Bauamt macht zudem deutlich, dass man damit rechnen müsse, dass Quellen trockenfallen, wenn das Wetter weiterhin so warm bleibe. Selbst hohe Niederschläge würden nichts nutzen, da das Wasser gleich wieder verdunste und nicht versickere.

Hochbehälter

Die Speicherung des Trinkwassers erfolgt in sieben Hochbehältern in Dögerode, Echte, Weißenwasser, Westerberg, Wiershausen, Eboldshausen und Westerhof. Alle seien nicht ausgelastet, also überproportioniert. Das führe zu langen Aufenthaltszeiten des Wassers und das wieder zu nachteiligen Veränderungen der Beschaffenheit des Wassers in bakteriologischer und chemisch-physikalischer Hinsicht, so Möhlenhoff. Hinzu komme, dass viele Hochbehälter wie in Eboldshausen, Echte und Dögerode starke bauliche Mängel aufweisen, sodass Sanierungsbedarf bestehe.

Wasserverbrauch

Der einwohnerbezogene Pro-Kopf-Verbrauch liegt im Versorgungsbereich bei 143 Litern am Tag, damit liege man über dem Kennwert des Umweltbundesamtes von 121 Litern. Viel zu hoch seien auch die Wasserverluste im maroden Rohrnetz. Sie liegen in Kalefeld bei rund 35 Prozent, normal seien Verluste von 10 Prozent.

Das Leitungsnetz der Gemeinde Kalefeld verfügt über eine Länge von 52 175 Metern (exklusive Düderode, Oldenrode und Willershausen, die eigene Wasserleitungsgenossenschaften haben). 2020 lagen die Wasserverluste laut Mühlenhoff bei rund 112 400 Kubikmetern.

Maßnahmen

Sieben Maßnahmen hat das Ingenieurbüro aus den Daten abgeleitet, die für eine Sicherung der Trinkwasserversorgung notwendig sind und in einem Masterplan detailliert ausgearbeitet werden müssten:

1. Anbindung der Ortschaft Westerhof an den Hochbehälter Dögerode.

2. Anbindung der Ortschaft Eboldshausen an den Hochbehälter Weißenwasser.

3. Anlegen einer Verbindungsleitung von der Haselhorstquelle zum Hochbehälter Weißenwasser.

4. Verringerung des Nutzvolumens des Hochbehälters Dögerode.

5. Neubau des Hochbehälters Echte und Anlegen einer Verbindungsleitung.

6. Anlegen einer Verbindungsleitung zwischen Kalefeld und Echte.

7. Verringerung der Wasserverluste durch langfristige Sanierung/Erneuerung des Gemeindenetzes.

Die Gesamtkosten für die Maßnahmen – ohne notwendige Behältersanierungen und -anpassungen – werden auf rund 2,8 Millionen Euro (netto) geschätzt. Darin enthalten sind die 45 000 Euro für die Erstellung des Masterplans.

Der Gemeindeentwicklungsausschuss hat sich am Ende der Vorstellung dafür ausgesprochen, in den Fraktionen und im Verwaltungsausschuss zu beraten, ob nun ein Masterplan zur Wasserversorgung erstellt werden soll. (Rosemarie Gerhardy)

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