Wald, der aus dem Himmel fällt

Aufforstung per Drohne bei Oldershausen in der Gemeinde Kalefeld

Neuer Wald entsteht mit der Hilfe einer Drohne und Pellets aus zertifiziertem Saatgut: Das Bild zeigt von links: Dirk Neuenstein (HOFOS), Ole Seidenberg, Denise Sengül, Markus Patas, Philip Freiherr von Oldershausen (HOFOS) und Raphael Müller.
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Neuer Wald entsteht mit der Hilfe einer Drohne und Pellets aus zertifiziertem Saatgut: Das Bild zeigt von links: Dirk Neuenstein (HOFOS), Ole Seidenberg, Denise Sengül, Markus Patas, Philip Freiherr von Oldershausen (HOFOS) und Raphael Müller.

In der Gemeinde Kalefeld rieseln Baumsamen auf die Erde.

Oldershausen – Der Name ist Programm - „Skyseed“ - Himmelssamen. So nennt sich ein noch nicht einmal ein Jahr altes Startup-Unternehmmen aus Berlin, das im Wald von Philip Freiherr von Oldershausen am Römerschlachtfeld Harzhorn derzeit mit aus dem Himmel fallenden Samen neuen Wald schafft.

Es ist ein Test, im Mai kommenden Jahres sollen die Ergebnisse zu begutachten sein. Dann sollen auf der Fläche junge Lärchen, Kiefern und Birken wachsen.

Vier Flächen sollen die Mitarbeiter der jungen Firma insgesamt „beackern“, aber nicht herkömmlich mit Hacke und jungen Baumschösslingen, die in ein Pflanzloch gesetzt und festgetreten werden, sondern mit Hilfe von zertifiziertem und pelletiertem Saatgut, das mit einer ferngesteuerten Drohne per GPS passgenau auf den Gebieten verteilt wird.

Die Drohne in Aktion über einem aufzuforstenden Waldstück. 

Die Idee ist bestechend einfach. Doch bis die versierten Frauen und Männer des Startups, die aus unterschiedlichen Berufszweigen kommen, ihre Idee soweit entwickelt hatten, dass sie bei potenziellen Kunden vorstellig werden konnten, mussten sie etlichen Hürden überwinden. So mussten sie unter anderen eine Drohne technisch so gestalten, dass sie in der Lage ist, Saatgut von Fichten bis zur hin zur Eiche aufzunehmen, durch die Luft zu transportieren und dann dort auf den Boden fallen zu lassen, wo die Samen keimen und zu Bäumen heranwachsen sollen.

Dies erfolgt durch entsprechende Computerprogramme, die mit vorher festlegten GPS-Koordinaten arbeiten. Gesteuert wird die Drohne von Markus Patas, einem Wirtschaftsingenieur, der auch schon Erfahrungen als Pilot von sogenannten Race--Drohnen gesammelt hat. Das sind Hochgeschwindigkeits-Drohnen, mit denen Rennen geflogen werden.

„Wir benötigen rund ein Kilo Saatgut für einen Hektar“, sagt Ole Seidenberg, der mit den beiden Brüdern Simon und Dominik Gründer zu den Gründern des Startups gehört und heute als einer von drei Geschäftsführern aktiv ist. Eingesetzt werden können die Drohnen auch für besonders schwierige Flächen, beispielsweise an Steilhänge. Das Besondere an den eingesetzten Samen ist, dass sie von einer Schutzhülle umgeben sind. Sie hilft beim Keimen.

„Die Pellets haben wir selbst entwickelt“, sagt Ole Seidenberg. Dabei hat das Startup-Unternehmen nicht nur an das Aufwachsen gedacht, sondern auch an Schädlinge, die sich gern mit Samen den Bauch vollschlagen. „Die Pellets schmecken verbrannt. Das dürfte für Mäuse nicht gerade lecker sein.“

Für Philip von Oldershausen liegt der Vorteil dieses neuen Verfahrens auf der Hand. Es geht erheblich schneller und der Personaleinsatz ist längst nicht so groß. Er betreibt mit 17 Mitarbeitern die Oldershausen HOFOS GmbH.

HOFOs steht dabei für Holz- und Forstservice. Von Oldershausen nennt seinen Betrieb auch eine mobile Forstverwaltung. Sie ist in Niedersachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und auch in Hessen aktiv.

Die Berliner Startup-Firma ist unterdessen mit weiteren Interessierten im Gespräch. Dazu zählen unter anderen die Bayrischen Staatsforsten und der Landesforst in Thüringen. In Bayern sitzt auch die Technische Universität München mit im Boot. (Hans-Peter Niesen)

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