Aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Fabian Stucke saniert die Wasserburg in Willershausen

Die Wasserburg in Willershausen: Den Fußweg und die ihn begleitenden Steine hat Fabian Stucke im Rasen gefunden und wieder freigelegt.
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Die Wasserburg in Willershausen: Den Fußweg und die ihn begleitenden Steine hat Fabian Stucke im Rasen gefunden und wieder freigelegt.

„Wir mussten uns den Weg durch die Brombeerbüsche freischneiden“, berichtet Fabian Stucke (43), der nun als „Burgherr“ die Wasserburg in Willershausen renoviert.

Willershausen – In diesen Tagen genießt er vor allem den Ausblick auf den Garten, der nun schon Struktur angenommen hat, während der Pausen bei den Renovierungsarbeiten. Und davon stehen wirklich viele an, täglich kommen neue hinzu, weil wieder etwas Unvorhergesehenes zutage tritt.

Florian Stucke ist der neue „Burgherr“. Gemeinsam mit seiner Familie möchte er der Wasserburg wieder Leben einhauchen.

„Wir haben uns keinen Termin gesetzt, wann hier alles wirklich fertig sein soll, das wäre vermutlich zu frustrierend“, berichtet er, aber den Sommer wollen er, seine Frau und die fünfjährige Tochter zumindest in der Freizeit dieses Jahr schon in ihrer Burg verbringen, auch wenn sie weiterhin in Göttingen wohnen.

An Arbeit mangelt es nicht. Die Wasserburg ist nicht nur im Keller nass, eigentlich muss sie von Grund auf renoviert werden. „Die Vorbesitzer haben fast alles, was noch verwertbar war, herausgerissen. Es gab keine Heizung, keinen Strom und kein Wasser. Alle Leitungen waren geplatzt“, berichtet Stucke. Zunächst habe er die Grundvoraussetzungen schaffen müssen, um dort überhaupt arbeiten zu können. Anfangs hätten sie die Räume noch mit einem Kerzenkronleuchter beleuchtet.

Nun arbeite er sich Raum für Raum durch. Da die Wasserburg zeitweise auch als Forsthaus genutzt wurde, seien viele Decken abgehängt und Zwischenwände eingezogen worden. Diese gelte es zunächst herauszureißen. Im künftigen Wohnzimmer liegt nun ein Berg Lehm und Lehmsteine lagern an der Wand, die vielleicht irgendwo wieder verwendet werden können.

Einen Raum im Untergeschoss hat die Familie aber schon hergerichtet, mit Holzofen, damit sie hier ein erstes kleines Refugium hat. Den nutzt Mathe-Lehrer Stucke auch, um in Ruhe Klausuren seiner Schüler zu korrigieren. Eine Küche und ein Bad stehen inzwischen für ihre Aufenthalte ebenfalls bereits zur Verfügung.

Der großzügige Flur lässt mit seinen 85 Quadratmetern schon jetzt erahnen, wie das Haus einladend Besucher empfängt, wenn es fertig renoviert ist. Hier soll ein großer Kamin eingebaut werden, berichtet Stucke, der fast alle Arbeiten allein ausführt.

Die Wasserburg hat Stucke über ein Immobilienportal gefunden. Damals war er sofort von dem historischen Gebäude mit rund 250 Quadratmetern auf je zwei Etagen und dem 1,5 Hektar großen Grundstück begeistert. Dass das Haus außen unter Denkmalschutz steht und alles kaputt war, haben ihn und seine Frau nicht abgeschreckt. „Ich habe es noch nicht eine Minute bereut, das ist pure Freiheit hier“, schwärmt er. Doch gleich führt er an, dass es schon Momente gibt, an denen man kämpft, wenn beispielsweise das Wasser durch die Decke kommt, oder wie er jetzt erfahren musste, die Wände des großen Erkers aufgrund von Bodenabsenkungen nach außen drücken.

Ein riesiger Lehmberg ist im künftigen Wohnzimmer aufgetürmt. Die Gefache sind aber schon freigelegt.

„Sobald man irgendwo anfängt, kommen zwei neue Sachen hinzu. Es ist wie eine Entdeckungsreise“, sagt Stucke, den nichts aus der Ruhe zu bringen scheint. Deshalb mache er auch keinen Plan, da man ständig auf die Fundstellen reagieren müsse. Nur ein Energiekonzept habe er von Anfang an erstellt. Nun hoffe er, dass die Denkmalpflege noch einen Weg sehen würde, eine Solaranlage zu installieren, damit die Energiekosten im Zaum gehalten werden könnten.

Vor zweieinhalb Jahren hat er die Wasserburg gekauft. Anschließend habe er eineinhalb Jahre benötigt, um alles zumindest provisorisch herzurichten. Dann sei Corona gekommen und hätte die Familie in den Arbeiten ausgebremst. Doch nun soll es richtig mit dem Ausbau voranschreiten, damit die Wasserburg wieder einen Herrenhauscharakter bekommt, so, wie sie sich vermutlich um 1720 dargestellt hat. Doch auch die Einflüsse aus anderen Jahrhunderten sollen durchaus sichtbar bleiben.

„Die Geschichte des Hauses ist spannend, ebenso wie der Bau“, berichtet Stucke. Unlängst habe er im Zwischenraum zweier Wände einen alten Abtritt-Erker (Abort) entdeckt. Die Wände im Keller haben eine Mauerdicke von etwa 1,40 Metern, die der anderen Geschosse rund einen Meter.

Muss noch trockengelegt werden: Ein großer Keller mit mehreren Tonnengewölben trägt das Haus.

Auch im Garten finde man immer Steine, vermutlich habe es noch weitere Gebäude auf dem Gelände gegeben. Jetzt stehen noch zwei Nebengebäude aus Fachwerk, die als Stallungen gedient haben, aber auch baufällig sind. Freigelegt hat er vor dem Haus schon einen Steinweg, auf den er zufällig beim Rasenmähen gestoßen sei.

Perspektivisch möchte Stucke „Leben ins Haus holen“, da es für drei Personen zu groß sei. Er könne sich viele Möglichkeiten der Nutzung vorstellen, von Hofcafé über Fremdenzimmer bis zum Anbieten von Co-Working-Spaces, also einem Arbeitsplatz für Gruppen im Grünen und in der dörflichen Idylle. (Rosemarie Gerhardy)

Die Geschichte der Wasserburg beginnt im 16. Jahrhundert

Das Haus Am Edelhof 8 in Willershausen liegt zwischen Aue und Düderoder Bach. Aber da bis zum 19 Jahrhundert ein Wassergraben das ehemalige Gutshaus umzogen hat, wird es auch Wasserburg genannt.

Über den Ursprung der Anlage ist wenig bekannt, da archäologische Untersuchungen oder Funde fehlen, so Heiko Jäckel, vom Heimatverein. Man könne aber davon ausgehen, dass die Anlage als Vorwerk der Burg Westerhof bereits im späten Mittelalter bestanden hatte.

Spätestens seit dem 16. Jahrhundert müsse ein Gutshof in Willershausen bestanden haben, der von Angehörigen der Familie von Boventen bewohnt wurde. Es wechselten mehrfach die Besitzer. Die Gutsanlage wurde 1727 umfassend renoviert und erneuert. Damals erhielt das Gutshaus im Wesentlichen seine heutige Gestalt, so auch das Sandsteinportal. Anfang des 19. Jahrhunderts kaufte die Königliche Domänenkammer Hannover das Gut. Ab 1930 gehörte das Haus wechselnden privaten Besitzern. (rom)

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