Interview

Kalefelds Bürgermeister Meyer: "Sparzwang ist zu spüren"

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Steht seit dem 1. November an der Spitze der Kalefelder Verwaltung: Jens Meyer

Kalefeld. Seit 100 Tagen steht Jens Meyer an der Spitze der Gemeindeverwaltung von Kalefeld. Mit Ruhe und Besonnenheit wollte er seine Amtszeit angehen.

Ob ihm das gelungen ist, verrät er im HNA-Interview.

Herr Meyer, Sie sind seit vielen Jahren in der Politik zu Hause, Verwaltung war allerdings etwas Neues für Sie. Sind Sie gut angekommen? 

Ja, der Start verlief durchweg positiv. Die Mitarbeiter haben es mir sehr leicht gemacht und mir bei vielen Dingen geholfen. Ich hatte nicht gedacht, dass Verwaltungsarbeit so vielen Regeln unterworfen ist. Da musste ich mich erst einmal einarbeiten. Vieles hat sich aber auch aus dem Tagesgeschäft ergeben, so dass ich direkt loslegen konnte.

Welches war der beste Ratschlag, den man Ihnen mit auf den Weg gegeben hat?

Martin Wehner, der ehemalige Bürgermeister von Einbeck, hat mir geraten, die Dinge mit Gelassenheit anzugehen und mich nicht zu verzetteln. In drei Monaten kann man die Welt nicht verändern. Viel wichtiger ist es, gründlich zu arbeiten. Damit hat er Recht.

Gab es schon einen Moment, in dem Sie das Handtuch werfen wollten?

Nein. Und dem ist nichts hinzuzufügen.

Sie sind mit dem Ziel angetreten, die Gemeinde mit ihren elf Orten zu vereinen, um Probleme und Projekte gemeinsam anzupacken. Ist Ihnen das schon gelungen?

Die Zusammenarbeit funktioniert schon sehr gut. So habe ich zum Beispiel mit allen Ortsbürgermeistern über die mittelfristige Finanzplanung gesprochen, damit jeder weiß, wann welche Projekte angegangen werden. Kleinere Dinge können oft auch in Eigenleistung umgesetzt werden. Außerdem habe ich mit den Leitern aller Kindergärten und Schulen gesprochen und Kontakte zu unseren Landtags- und Bundestagsabgeordneten geknüpft. Probleme sollte man direkt besprechen. Die Kommune kann nicht alles allein lösen.

Der Haushaltsentwurf ist von einem strikten Sparzwang gekennzeichnet. Viele Projekte müssen aus Geldmangel warten. Ist das ein guter Weg oder leiden die Bürger darunter?

Sicherlich spüren die Bürger den Sparzwang. Das war in den letzten Jahren aber auch schon so. Wir müssen künftig vermehrt alte Leitungen und Kanäle erneuern, wie aktuell in Echte und in Sebexen, an denen sich die Bürger beteiligen müssen. Die Kosten wollen wir jedoch möglichst gering halten. Alle Baumaßnahmen werden deshalb nochmal auf Dringlichkeit, Notwendigkeit und Kostenumfang überprüft, und wir werden versuchen, alle Förderprogramme „anzuzapfen“. Nichtsdestotrotz habe ich eine Anpassung der Steuer-Hebesätze vorgeschlagen, damit wir insgesamt unseren Verpflichtungen, die uns unter anderem durch den Entschuldungsvertrag auferlegt wurden, nachkommen können.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach 100 Tagen aus?

Es macht mir Spaß, Dinge gestalten zu können und mit den Bürgern zu sprechen - egal aus welcher Ortschaft sie kommen. Die Probleme in den Orten sind meist sehr unterschiedlich, deshalb gibt es auch keine pauschalen Lösungen. Viele Kollegen haben mir bereits signalisiert, dass sie sich mitgenommen fühlen. Nach 100 Tagen sollte man allerdings nicht zu viel erwarten. Anstatt sofort zu handeln, ist es sinnvoller, die Dinge zunächst konzeptionell anzugehen.

Wo werden Sie in den nächsten Monaten Ihre Schwerpunkte setzen?

Es gibt viele Dinge, zum Beispiel Baumaßnahmen, die es in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen gilt. 2015 sehe ich da als eher als Jahr der Orientierung und Ausrichtung. In mancherlei Hinsicht brauchen die Bürger noch etwas Geduld, denn viele Projekte hängen auch von Fördermitteln ab. Beim Thema Gewerbeansiedlung spielt das Landesraumordnungsprogramm eine Rolle. Für das Gewerbegebiet bei Dögerode haben wir bereits Kontakt zu einem Interessenten. Aber auch der Kontakt zu den bestehenden Unternehmen ist mir sehr wichtig. Dass mit dem Südniedersachsenprogramm ländliche Regionen gefördert werden sollen, ist ein tolles Bekenntnis. Hier gibt es sicher noch einigen Gesprächsbedarf.

Bleibt neben der Arbeit noch Zeit für Familie und Freizeit?

Ich habe immer darauf geachtet, dass der Freiraum neben der Arbeit nicht zu klein wird, um den Kopf frei zu bekommen. Früher hatte ich viele Ehrenämter, jetzt konzentriere ich mich nur auf den einen Job. Trotz der Beanspruchung hat meine Familie mir gesagt, dass ich jetzt ausgeglichener wirke - und so fühle ich mich auch.

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