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Helmut Hartmann sitzt mit 90 immer noch auf dem Mähdrescher

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Von: Roland Schrader

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„Angenehmer als Traktorfahren“: Helmut Hartmann steuert sicher den Mähdrescher in der klimatisierten Fahrerkabine. Sein Sohn Henning-Helmut Hartmann (rechts) freut sich über die Hilfe bei der Ernte.
„Angenehmer als Traktorfahren“: Helmut Hartmann steuert sicher den Mähdrescher in der klimatisierten Fahrerkabine. Sein Sohn Henning-Helmut Hartmann (rechts) freut sich über die Hilfe bei der Ernte. © Roland Schrader

Geschafft! Gut 40 Hektar Getreide sind gemäht. Dieses Jahr konnte Helmut Hartmann seinen Geburtstag in Ruhe feiern, denn das Korn war früher reif als üblich. Bis zu seinem 90. Festtag war alles eingefahren.

Kalefeld – Das war in den Vorjahren für den rüstigen Landwirt oft anders, und er verbrachte seinen Geburtstag bis zum Abend auf dem Sitz seines Mähdreschers. „Seit 80 Jahren habe ich an jeder Ernte teilgenommen“, sagt der Landwirt, der die technische Entwicklung hautnah miterlebt hat. Damals wurde das Korn auf dem elterlichen Betrieb mit einem Mähbinder eingebracht, der von vier Pferden gezogen wurde. „Wir brauchten vier statt zwei Pferde, weil die Äcker des elterlichen Betriebs in Eboldshausen meist am Hang lagen“, erinnerte sich Hartmann an die Anfangszeit. Das Herauslösen der Körner wurde nach dem Mähen mithilfe einer Dreschmaschine auf dem Hof gemacht. Ein Traktor löste später die Pferde ab, und 1956 wurde ein Mähdrescher gekauft. „Das war der erste in Eboldshausen“, so Hartmann.

1956 lernte er die Kalefelder Landwirtstochter Liselotte Eickemeyer kennen und verliebte sich. Kurze Zeit später folgte die Verlobung und 1959 läuteten die Hochzeitsglocken. „Das war so ein Dürrejahr wie dieses Jahr und die Ernte war vorm Geburtstag fertig“, erinnerte sich Helmut Hartmann. Ein Jahr später übernahm das Paar ihren elterlichen Betrieb in Kalefeld unweit der Liebfrauenkirche. Den Betrieb in Eboldshausen führte sein Bruder weiter.

Dieses Jahr war die Ernte früher fertig: Helmut Hartmann mähte über 40 Hektar ab.
Dieses Jahr war die Ernte früher fertig: Helmut Hartmann mähte über 40 Hektar ab. © Foto: Hartmann

Helmut Hartmann hörte auch nach der Übergabe seines Hofs nicht auf, zu arbeiten

Anfangs war Hartmann als Vollerwerbslandwirt tätig, später bewirtschaftete er den Betrieb im Nebenerwerb und leitete nebenbei einen örtlichen Schweinemaststall mit bis zu 4000 Schweinen. Als er 1992 den Hof an seinen Sohn Henning-Helmut übergab, hörte er aber nicht auf zu arbeiten. Jeden Sommer setzt er sich ans Steuer des Mähdreschers.

Mähdrescherfahren sei heute angenehmer als früher, sagt der erfahrene Landwirt. Im Gegensatz zu früher, wie beispielsweise beim Newholland, der vor rund 30 Jahren genutzt wurde, haben die nachfolgenden Modelle wie der Deutz Fahr und der seit 2012 genutzte Claas eine klimatisierte Fahrerkabine. „Das ist angenehmer als Traktorfahren“, so der 90-Jährige. „Mein Vater ist mir eine sehr große Hilfe“, sagt der 54-jährige Henning-Helmut Hartmann und ergänzt: „Wenn mein Mähdrescherfahrer aufhört, wird es schwierig“. (Roland Schrader)

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