Grund ist Mitgliederschwund

Glocken läuten künftig in Indien: Kalefelder Kirche verkauft

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Die Geschichte der katholischen St. Jakobuskirche in Kalefeld endet nach 54 Jahren: Dechant Franz Kurth verabschiedet sich vom einzigen Gotteshaus im Alten Amt.

Kalefeld. Die katholische Kirchengemeinde Kalefeld hat ihre Kirche St. Jakobus der Ältere an der Auetalstraße in Kalefeld verkauft. Das hat Pfarrer Franz Kurth am Freitag bekannt gegeben.

Bereits am Freitag, 19. Juni, wird ab 18.30 Uhr die letzte Heilige Messe in der St. Jakobuskirche mit dem Hildesheimer Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger gefeiert. „Damit geht ein schmerzlicher Prozess zuende, der sich über fast zwei Jahre erstreckt hat“, sagte Dechant Kurth. „Für mich ist es wie eine große Beerdigung.“

Aktualisiert um 17.30 Uhr

Zwar wurden die Pläne, das Gotteshaus zu verkaufen, schon vor einigen Jahren gefasst. Dennoch kommt die Verkaufsnachricht überraschend. „Vor zwei Wochen wurde der Kaufvertrag für das 2800Quadratmeter große Gelände samt Pfarrheim und Pfarrhaus unterschrieben“, berichtete Kurth. 73.000 Euro erhält die Kirche dafür. Bereits am Tag nach der Profanierung (Entweihung) sollen die Elektriker anrücken. Danach werden Tischler und Steinmetze Bänke, Altar und Tabernakel demontieren. Im August findet die Übergabe statt. „Seit dem Bau der Kirche im Jahr 1961 hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder von 1500 auf 650 mehr als halbiert“, berichtet Kurth. Leider gebe es kaum noch junge Leute, die in die Kirche kommen. Die Gottesdienste seien oft spärlich besucht.

Eigentlich sollte es bereits 2014 zum letzten Mal Haushaltsmittel für den Betrieb des Gotteshauses geben. Dann wurde die Finanzierung noch einmal um ein Jahr verlängert, denn der Verkaufsprozess zog sich in die Länge. Für die katholische Gemeinde Kalefeld ist es ein trauriger Einschnitt in der Geschichte. 17 Ortschaften gehören zur Gemeinde, darunter auch Edesheim, Hohnstedt und Vogelbeck. „Die Menschen müssen jetzt weitere Wege auf sich nehmen“, sagt Kurth betrübt. Seit zwölf Jahren schon gehören die Gläubigen aus Kalefeld zur Pfarrgemeinde Mariä Heimsuchung in Northeim. Katholische Kirchen gibt es auch noch in Einbeck und Bad Gandersheim. Eine positive Nachricht gibt es allerdings auch: Das Gotteshaus bleibt nicht leer. „Die Kirche wurde über einen Immobilienmakler verkauft. Im Pfarrheim möchte sich ein Fotostudio niederlassen. Die Inhaber wollen dort auch wohnen“, berichtet der Dechant. In der Kirche sollen zum Beispiel Konzerte oder Ausstellungen stattfinden.

Für einen Großteil des Inventars ist bereits ebenfalls ein Nachfolger gefunden. Pater Jürgen Knobel, ein Eremit aus der Nähe von Berlin, wird viele Dinge übernehmen, um damit in einer leeren Kirche eine Einsiedelei aufzubauen. Die Glocken wurden an eine Kirche in Indien verkauft, die Orgel wird demnächst in Bayern zu hören sein.

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