Folienhersteller hat neue Anlage

Rheinische Kunststoffwerke in Dögerode setzen auf Recycling

Stellen die neue Fünf-Schicht-Anlage in Echte vor: Entwicklungschef Thomas Steffen und Werksleiter Dr. Markus Brinkmann.
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Stellen die neue Fünf-Schicht-Anlage in Echte vor: Entwicklungschef Thomas Steffen und Werksleiter Dr. Markus Brinkmann.

Mehr recycelter Kunststoff lässt sich mit einer Anlage zur Folienproduktion nutzen, die die Gruppe Rheinische Kunststoffwerke (RKW) in ihrem Dögeroder Werk in Betrieb genommen hat.

Dögerode – Der Mannheimer Konzern investierte nach eigenen Angaben dafür einen mittleren siebenstelligen Euro-Betrag.„Kunststoffe haben keinen guten Ruf, nicht zuletzt weil sie die Weltmeere verschmutzen“, weiß der RKW-Nachhaltigkeitsdirektor, Carsten Lucassen. Sein Unternehmen reagiere. Der Anteil an recyceltem Kunststoff in der Produktion solle steigen. Schon heute verwerte das Unternehmen Kunststoffabfälle aus der eigenen Produktion wieder. Künftig werde der Konzern verstärkt recycelten Kunststoff zukaufen.

„Dazu müssen wir neue Rezepturen entwickeln“, erklärt Dr. Markus Brinkmann, der das Werk in Echte leitet. Möglich mache das die neue Fünf-Schicht-Anlage. Bei ihr führen fünf sogenannte Extruder aufgeschmolzenes Kunststoffgranulat unter hohem Druck in fünf Schichten zusammen. Die Masse wird wie ein Luftballon aufgeblasen und als Endlos-Schlauch 15 Meter in die Höhe geführt. Dabei kühlt sie ab. Oben wird der Schlauch geschnitten und über Rollen wieder nach unten geführt. Dort wickelt die Anlage die Folie auf vier mächtigen Rollen auf. Jede wiegt am Ende 1500 Kilogramm. Die Folie wird anschließend nach Kundenwunsch bedruckt und konfektioniert. „Bisher haben wir mit Drei-Schicht-Anlagen gearbeitet“, erläutert der Echter Entwicklungschef Thomas Steffen.

„Wir bemühen uns außerdem um eine höhere Recyclingquote bei unseren Folien, wenn diese ausgedient haben“, sagt Nachhaltigkeitsdirektor Lucassen. So bestehen die Echter Produkte ausschließlich aus einem Grundstoff – Polyethylen, das allerdings unterschiedliche Qualitäten und Eigenschaften hat. „Unsere Folien sind in den vergangenen Jahren immer dünner geworden“, betont Entwickler Steffen.

Bereits heute werden Abfälle aus der eigenen Fertigung recycelt.

„Die Verwendung von Kunststoffen trägt zudem paradoxerweise zu mehr Nachhaltigkeit bei“, betont Werksleiter Brinkmann. So werde in Papiersäcken verpackter Zement oft feucht und damit hart und unbrauchbar. Bis zu neun Prozent der weltweiten Zementproduktion gehe so jedes Jahr verloren. In luftdichten Kunststoffsäcken passiere das nicht so schnell. Das verlangsame den Klimawandel, denn die Zementindustrie habe vor der Pandemie mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben als der weltweite Flugverkehr.

„Wir verwenden seit vergangenem Jahr an allen RKW-Standorten in Westeuropa ausschließlich Ökostrom“, berichtet der Nachhaltigkeitsbeauftragte Lucassen. Aufgrund der energieintensiven Fertigung spare dieser Umstieg gut 100 000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr ein.

Die direkten Emissionen der RKW seien seit 2019 um rund 60 Prozent gesunken. Die anderen Standorte stiegen nach und nach ebenfalls auf Strom aus regenerativen Quellen um. „Wir bemühen uns außerdem, unseren Energiebedarf durch Einsatz effizienterer Maschinen und Kühlanlagen zu senken“, versichert Werksleiter Brinkmann. (Michael Caspar)

Führender Folienhersteller

Das 1957 gegründete Mannheimer Familienunternehmen RKW gehört nach eigenen Angaben zu den weltweit führenden Herstellen von Folien. Im Bereich der Hygiene- und Agrarfolien sei der Konzern sogar Marktführer. 2020 machte der Konzern mit seinen 3000 Mitarbeitenden an weltweit 19 Standorten 784 Millionen Euro Umsatz. RKW produziert seit 1958 in Echte auf dem ehemaligen Bergwerksgelände. Dort fertigen heute 241 Beschäftigte, darunter 17 Auszubildende, vor allem Industrieverpackungen, aber auch Müllsäcke. (zmc)

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