Siedlung der Jungsteinzeit bei Kalefeld gefunden

Mindestens 16 Hausgrundrisse nachgewiesen – Tausende weitere Funde

Archäologen begleiteten die Baggerarbeiten auf dem anstehenden Löss an der Autobahn 7: Alle schwarzen Flecken waren Befunde, die später detailliert untersucht und dokumentiert wurden.
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Archäologen begleiteten die Baggerarbeiten auf dem anstehenden Löss an der Autobahn 7: Alle schwarzen Flecken waren Befunde, die später detailliert untersucht und dokumentiert wurden.

Eine der größten und besterhaltenen linienbandkeramischen Siedlungen in Südniedersachsen wurde bei Grabungen entlang der Autobahn 7 gefunden, so die Einordnung von Grabungsleiterin Sabine Stoffner.

Kalefeld – Vom November 2017 bis Januar 2019, wurden im Rahmen des Autobahnausbaus in zwei bis zu 19 Meter breiten Streifen, östlich und westlich der A7, in den Gemarkungen Eboldshausen und Imbshausen archäologische Untersuchungen in Abstimmung mit Kreisarchäologin Petra Lönne von der damit beauftragten Firma Streichardt & Wedekind Archäologie aus Göttingen vorgenommen.

Dabei wurden, wie Stoffner auf HNA-Anfrage erklärt, Siedlungsreste gefunden, die ab circa 5000 vor Christus (Jungsteinzeit) zurückgehen. Hier wurden die ersten Menschen sesshaft, haben Ackerbau und Viehzucht betrieben.

Insgesamt wurden auf der circa einen Hektar großen Fläche 1098 Befunde, das sind Verfärbungen im Boden, die aufgrund ehemaliger Löcher, die Menschen früher ausgehoben haben und in die anderes Material gefallen ist, festgestellt werden. Zum Teil waren sie sehr gut erhalten und bis zu zwei Meter tief, so Stoffner. Aus ihnen lassen sich mindestens 16 Hausgrundrisse rekonstruieren.

Die Häuser waren in Nord-Süd beziehungsweise Nordwest-Südost ausgerichtet, das heißt mit der Schmalseite in Windrichtung, ausgerichtet. Die Pfosten waren vermutlich ursprünglich von Flechtwerk und Lehm als Wand umgeben.

Bis zu 40 Meter lange Häuser

Die Häuser konnten eine Länge von bis zu 40 Metern erreichen. Da es bei den Häusern Überschneidungen gibt, könne man von einer mindestens dreiphasigen Siedlung ausgehen, so die Auswertung.

Weitere Siedlungskonzentrationen der Linienbandkeramik im südlichen Südniedersachsen findet man im Leinetal und den angrenzenden Becken (zum Beispiel Moringer oder Kalefelder Becken). Die Abstände zwischen den Siedlungen betrugen hier oft nur wenige Kilometer, führt Stoffner aus.

Keramik, Beile und mehr gefunden

Neben den teilerhaltenen Grundrissen an der A7, die von den Archäologen erfasst und dokumentiert wurden, gibt es laut Stoffner noch weitere Funde. Zum einen zylindrisch geformte Gruben für Vorräte, zudem tausende Funde von Keramik, Steingeräten sowie Feuersteinwerkzeuge. Anhand dieser Fundstücke wie Beile aus Amphibolit und Werkzeuge aus Flint kann man Rückschlüsse auf das Leben vor rund 7000 Jahren in der Region ziehen.

Die Funde werden jetzt genau aufgearbeitet und erfasst. Anschließend gehen sie an die Kreisarchäologie. Was dann mit den Fundstücken passiert, werde nach der Auswertung und Einschätzung entschieden. Weitere Grabungen an dieser Stelle seien nicht geplant., so die Kreisverwaltung auf Anfrage.

Das Vorgehen bei der Grabung erläutert Stoffner folgendermaßen: Zunächst trägt ein Bagger den Oberboden ab, dabei erkennt man die dunklen Verfärbungen im Löss, die Befunde. D diese Befunde werden im Planum, der Grabungsfläche geputzt, beschrieben, fotografiert und vermessen. Anschließend wird ein Profil angelegt, um Tiefe und Funktion der Befunde zu klären.

So werde bei Pfosten auch untersucht, ob sie schräg standen, um Rückschlüsse auf die Konstruktionsweise der Häuser zu ziehen. Dann wird das Profil fotografiert und gezeichnet sowie der Rest vom Befund ausgegraben und Funde dabei geborgen. (Rosemarie Gerhardy)

Hier sieht man deutlich die Wandgräbchen (längliche Vertiefungen bei Häusern in Holzbauweise, in die die Bauelemente eingegraben waren) im Profil mit mehreren Pfosten der Hauswand.
Fast zehn Zentimeter groß ist das Beil aus Amphibolit aus der Grube bei Eboldshausen.

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