Über das Leben von Elke Hillmann und Blindenhund Luna

Bewegende Geschichte: Was sich eine Blinde von ihren Mitmenschen wünscht

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Ein Besuch, der den Schülern lange in Erinnerung bleibt: Elke Hillmann war mit ihrem Blindenhund Luna in der Auetalschule zu Gast. 

Wie organisiert eine Blinde ihren Alltag und was sind typische Herausforderungen? Elke Hillmann hat Schülern einen berührenden Einblick gegeben.

Zehn Schüler der Auetalschule Altes Amt in Kalefeld haben in ihrem Profilfach Gesundheit und Soziales jetzt ganz besonderen Besuch gehabt: Elke Hillmann war mit ihrem Blindenhund Luna zu Gast.

Im Unterricht von Lehrerin Sabine Hirte haben sich die Schüler über das Leben und die Herausforderungen von Hillmann informiert. „Wie sind Sie auf den Blindenhund gekommen?“ hat beispielsweise Schülerin Lena gefragt.

„Hier in Kalefeld ist es nicht einfach, wenn man mit dem Blindenstock laufen will“, erklärt Hillmann. „Denn hier in der Neustadt gibt es keinen Bürgersteig, an dem man sich orientieren kann. Wenn man dann mit dem Stock gegen geparkte Autos tackert, gefällt das niemandem. Oder es stehen Mülltonnen im Weg oder der Bus kommt. Da ist das Gehen mit einem Hund viel einfacher.“ Dass dieser Austausch mit Elke Hillmann den Auetalschülern besonders in Erinnerung bleiben wird, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen haben sie ihren Gast persönlich von zuhause abgeholt, um Hillmann den Weg in die Schule zu erleichtern. Dies war ein berührendes Ereignis, denn „vor über 40 Jahren ist Elke Kraul, wie sie damals hieß, hier selbst zur Schule gegangen“, teilt Lehrerin Hirte mit.

Bereits fünf Jahre nach ihrer Schulentlassung kam für die unternehmungslustige junge Frau das einschneidende Erlebnis: Auf der Rückfahrt aus ihrer Lieblingsstadt London verursachte ein übermüdeter Fahrer einen Unfall, die nicht angeschnallte Beifahrerin prallte gegen die Windschutzscheibe, Glassplitter in beiden Augen zerstörten ihren Sehsinn.

„Was war für Sie die schwierigste Aufgabe?“, fragt Tamara. „Ich habe damals in München gelebt, habe Rockkonzerte geliebt – und dann bin ich wieder hierher zu meinen Eltern gezogen.“ Die Unabhängigkeit der jungen Erwachsenen war dahin, es gab Phasen, in denen sie völlig verzweifelt gewesen sei, berichtete sie. Das Blindsein habe sie zunächst überhaupt nicht akzeptieren können.

Hund Luna hilft der Kalefelderin heute in ihrem Alltag. Beim Spaziergehen oder Nordic Walking – in beiden Fällen ist die Golden Retriever-Hündin mit dabei. Damit das alles klappt, wurde Luna an einer speziellen Schule in der österreichischen Steiermark ausgebildet. Die Kosten übernahm die Krankenkasse.

Das Leben von Elke Hillmann ist gut organisiert. „Steht bei Ihnen zu Hause alles an einer bestimmten Stelle?“, fragt dazu Luisa. „Ja, zum Beispiel Schmuck ist in Dosen oder Kästchen“, erklärt Hillmann. „So etwas kann man nicht rumschmeißen. Vielleicht bin ich ein bisschen überordentlich; aber das muss so sein.“ Auch die tägliche Kleidungswahl war Thema. „Wie wissen Sie, was Sie anziehen?“ interessiert Johanna. Die Antwort: Dafür gibt es eine App auf dem Smartphone, ebenso hat die Tastatur eine Stimme, damit man hört, was man schreibt.

Abschließend gab es noch die Frage, was sich Hillmann von ihren Mitmenschen wünscht. „Die älteren Kalefelder erkenne ich an ihrer Stimme. Aber ich muss auch Kontakt haben, damit die Erinnerung frisch bleibt. Und ich freue mich, wenn mich Leute auf der Straße grüßen. Gern würde ich dann auch wissen, wer das ist.“

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