5000 Euro Strafe drohen Verursacher

Gülle eingeleitet: Klärwerk schrammt an Katastrophe vorbei

Das Labor des Klärwerks ist gut ausgestattet: Hans-Ulrich Wiese (rechts) und Jens Koch sind dem Verursacher auf der Spur. Die unerlaubte Einleitung der Gülle muss am Montag zwischen 22 Uhr und Mitternacht erfolgt sein. Foto:  Oschmann

Elvershausen. Dass es in einem Klärwerk unangenehme Gerüche gibt, ist nichts Neues, dass es allerdings gewaltig stinkt, ist bei der heutigen Technik ganz sicher die Ausnahme.

Einen solchen Fall hat es jetzt im Klärwerk Elvershausen gegeben, weil ein Landwirt unerlaubter Weise Gülle eingeleitet hat. Jetzt laufen die Ermittlungen, um den Täter zu überführen.

„Das war für uns ein echter Alarmfall“, schildert Hans-Ulrich Wiese, Bauamtsleiter der Gemeinde Katlenburg-Lindau, das Geschehen. Das Prekäre: Durch die eingeleitete Gülle hätten die Bakterien, die für die Reinigung des Abwassers sorgen, zerstört werden können. „Das wäre eine echte Katastrophe gewesen, die gerade noch verhindert wurde!“

Beißender Gestank

Als Klärwärter Jens Koch am Dienstag um 7 Uhr bei Dienstantritt seinem Arbeitsplatz am Rande von Elvershausen näher kam, hat er es bereits gerochen. Für einen erfahrener Mann wie ihn, der seit Jahrzehnten im Klärwerk beschäftigt ist, stand sofort fest, dass es sich um Gülle handelt. „Der Gestank war eindeutig und enorm stark.“

Als Sofortmaßnahme wurde im Belebungsbecken die Sauerstoffzufuhr erhöht, um die Bakterien zu retten. Der anschließende Blick auf die Diagramme zeigte ab 4 Uhr nachts um bis viermal zu hohe Einträge an Schadstoffen wie Ammonium.

Spur verfolgt

Die Verantwortlichen haben die Spur des Güllezulaufs verfolgt und sind über das Pumpwerk in Wachenhausen in den Bereich Lindau gelangt. „Es ist ziemlich eindeutig, dass die Gülle im Eichsfeldort in den Kanal geleitet wurde“, erläutert Wiese. Es könnte sich um den Inhalt einer Klärgrube gehandelt haben, so eine Vermutung.

Man sei dem Verursacher dicht auf den Fersen. Sollte der ermittelt werden, könnte ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro verhängt werden, teilte der Landkreis Northeim auf Anfrage mit. Der wurde als Untere Wasserbehörde ebenso in den Vorfall eingeschaltet wie die Polizei.

Inzwischen gibt es noch einen zweiten kuriosen Fall von unerlaubter Einleitung in den Abwasserkanal - und wiederum führt die Spur nach Lindau. Diesmal handelt es sich allerdings um „Feststoffe“, sagt Jens Koch. Gemeint sind diverse Styroporblöcke und Rohrisolierungen und zwölf einzelne Schuhe, die über den Kanal im Klärwerk Elvershausen gelandet sind.

Für Wiese steht fest, dass besagte Teile nach Öffnen eines schweren Deckels über einen größeren Schacht in einen Hauptkanal geworfen wurden. „Sowohl die Hausanschlüsse als auch die Leitungen in den Straßen sind dafür nämlich zu eng!“

Hans-Joachim Oschmann

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