Dr. Till Engelmann

Der neue Pastor von Lindau: eine halbe Stelle für fünf Dörfer

Pastor Dr. Till Engelmann (40) vor der Lindauer Kreuzkirche.
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Der neue Pastor von Lindau: Dr. Till Engelmann (40) vor der Lindauer Kreuzkirche.

Dr. Till Engelmann ist der neue Pastor der evangelischen Gemeinde Lindau-Bilshausen, zu der auch die Orte Krebeck, Bodensee und Renshausen gehören.

Lindau - Pastor in Bilshausen-Lindau ist Engelmann nur mit einer halben Stelle. Die andere halbe Stelle hat er in der Nachbargemeinde Wulften. Außerdem ist er auch noch in der Notfallseelsorge tätig. Wie er sich seine neue Aufgabe in so vielen Dörfern vorstellt, geht aus einer Pressemitteilung des Kirchenkreises Harzer Land hervor, zu dem auch Lindau-Bilshausen gehört.

Eine halbe Stelle und damit fünf Gemeinden in fünf Dörfern zu betreuen: Mit der alten Bilderbuchvorstellung des Pastors, der für einen Kirchturm zuständig ist, hat das nicht mehr viel zu tun. Dennoch empfindet Engelmann die Stelle als attraktiv.

Zuvor hatte der 40-Jährige neben der Wulftener Gemeinde einen Stellenanteil in Osterode. Er findet aber die Kombination aus mehreren Dörfern angenehmer als Stadt und Dorf. Natürlich erfordere das Planung, Flexibilität und sei eben manchmal viel Fahrerei. Doch Kompromisse müsse man in jedem Beruf machen, ist er überzeugt. „Unter diesen Umständen empfinde ich es sogar als eine attraktive Stelle“, sagt er. Er hat es sich so gewünscht, die Stelle war nicht einmal ausgeschrieben, es wurde möglich gemacht, weil auch persönliche Umstände noch eine Rolle spielten. Besonders freut den Geistlichen, dass er mit sehr vielen Taufen in seiner neuen Gemeinde starten konnte. „Besser kann es doch kaum losgehen“, sagt er.

Auf jeden Fall ist er überzeugt, in der Gemeinde Lindau-Bilshausen vieles gestalten zu können. Vieles sei in der Region im Umbruch, sodass er viele Chancen sehe. Außerdem reize ihn die evangelische Diaspora im sonst katholischen Eichsfeld.

Das bedeute viele gemischte Ehen und Familien in den Gemeinden, sodass Ökumene viel intensiver gelebt werde als in manch anderen Orten. „Das ist für mich ein ganz neues Erleben“, sagt er und meint damit auch Dorfgemeinschaften, in denen vieles passiert, was er als spannend empfindet.

Zum Glück habe er das berühmte „Das haben wir schon immer so gemacht“ bisher selten gehört. Viele Menschen seien also Neuem gegenüber aufgeschlossen, während er ja durchaus auch der Ansicht ist, dass es Bewährtes zu bewahren gilt.

Das habe vielleicht auch mit der Nähe zu Göttingen zu tun, mutmaßt er, also auf der einen Seite zwar Dorf, aber andererseits die Nähe zur Großstadt, die für eine gewisse Dynamik sorgt, auch, was Zuzüge in die Gemeinde betrifft. Ohnehin hätten Lindau im Landkreis Northeim, Bilshausen im Altkreis Duderstadt und Wulften im Altkreis Osterode am Harz als Orte ganz andere Blickrichtungen, was für ihn zusätzlich interessant sei.

„Es ist ein Neuentdecken“, betont er und hofft, dass umgekehrt auch die Menschen ihn als den neuen Pastor entdecken wollen. Wenn es nach ihm geht, dann sollten sie dazu hoffentlich viel Zeit haben, denn im Augenblick plane er durchaus, so lange wie möglich diese Stelle auszufüllen.

Wichtig sei für ihn jetzt, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, er würde auch gerne alle Einladungen annehmen, die auf ihn zukommen, doch das sei logistisch leider nicht immer möglich.

Vor dem Hintergrund, dass es auch über den Kirchenkreis Harz Land hinaus überall immer weniger Pastoren gebe, sehe er die neue Stelle als Herausforderung. Es gehe ihm auch darum, neue Perspektiven für Kirche und Gemeinde zu schaffen.

„Und wer weiß schon“, sagt er nachdenklich, „was in zwanzig oder dreißig Jahren ist, wenn unsere Nachfolger die Gemeinden übernehmen.“  (Axel Gödecke)

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