Vom Ashram in den Stall

Northeim: Dimo Emmermann eröffnet Fitnessstudio auf dem Burgberg in Katlenburg

Dimo und Sarah Emmermann stehen in einem fachwerkhaus-ähnlichem Raum.
+
Dimo und Sarah Emmermann eröffnen auf dem Katlenburger Burgberg im ehemaligen Pferdestall ein Fitnessstudio. Schon nächste Woche wird eröffnet.

Eine aus seiner Sicht „völlig blöde“ Sportverletzung zwang Dimo Emmermann im vorigen Jahr dazu, eine Zwangspause einzulegen. Die nutzte er, um über sich und sein Leben nachzudenken.

Bei einer Übung in seinem Fitnessstudio „Rockfit“ in Northeim hatte er sich durch eine „falsche“ Bewegung einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule zugezogen.

Entscheidung fiel nach drei Wochen

„Plötzlich war mir die Fähigkeit genommen, Sport zu machen. Ich schloss mich fünf Wochen zuhause ein, stellte alles infrage“, erzählt der 36-Jährige heute, viele Monate später. Inzwischen ist er wieder „voll fit“, doch der Weg dahin war kein einfacher: Nach der Verletzung bekam er eine konventionelle Therapie, die ihm aber nicht viel brachte. Dann folgten Wirbelsäulengymnastik und ein Yogakurs. „Da habe ich plötzlich gemerkt, das ist es, das hilft mir weiter“, blickt Emmermann zurück.

Schon nach drei Wochen Yoga fiel die Entscheidung: Der 36-Jährige lässt sich zum Yogalehrer ausbilden. Sechs Monate lang übte er für sich selbst weiter, informierte sich parallel im Internet und stieß auf ein Angebot, die Ausbildung in Indien zu absolvieren.

Wenig später saß er im Flugzeug. Fünf Wochen ließ er Ehefrau Sarah (28), seine Freunde und sein Studio „Rockfit“ in Northeim zurück, konzentrierte sich voll auf seine Ausbildung. Und auf sich.

Ich fühlte jeden Tage eine große Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die ich in meinem Leben habe.

Dimo Emmermann

Ihm blieb gar nichts anders übrig, denn in dem Ashram (= klosterähnliches Meditationszentrum) in Indien, der für vier Wochen sein Lernort war, tickten die Uhren anders als in Northeim: 5.30 Uhr aufstehen, eineinhalb Stunden Meditation, danach drei Stunden Philosophie, drei Stunden Anatomie und drei Stunden Yoga standen täglich auf dem Lehrplan.

„Abends sind wir um 19 Uhr völlig kaputt ins Bett gefallen“, erzählt der 36-Jährige. Es galten strenge Regeln, unter anderem stand Schweigen ganz oben an. „Für mich als Dauerquatscher war das zuerst echt ein Problem“, erinnert sich Dimo mit einem Grinsen. Zwar wurde er ab und an ermahnt, zu einem Rauswurf kam es zum Glück aber nicht.

Nach vier Wochen hielt er schließlich das Zertifikat in Händen, dass er sich ab sofort international anerkannter Yogalehrer nennen darf.

Danach folgte eine Woche Rundreise durch Indien, auf dem Rücksitz eines Mopeds. Die furchtbare Armut vor allem der Landbevölkerung sind bis heute bei Dimo Emmermann hängen geblieben. „Ich fühle jeden Tag eine große Dankbarkeit, dass ich so viele Möglichkeiten habe, zu entscheiden, wie ich mein Leben leben möchte“.

Seit gut sechs Monaten ist er wieder Zuhause. Zeit genug für viele Gedanken. Irgendwann reifte also die Idee, etwas Neues, etwas Anderes zu machen. „Natürlich stand und steht der Sport bei mir und meiner Frau Sarah immer im Vordergrund. Doch wir wollten ein etwas anderer Teil der Gesellschaft sein und hatten die Idee, den Sport mit einer Begegnungsstätte zu verknüpfen“.

Irgendwann „landeten“ Dimo und Sarah Emmermann auf dem Katlenburger Burgbergkomplex. Beide waren sofort fasziniert von der wunderschönen Atmosphäre.

Sie nahmen Kontakt mit der Gemeinde auf, sprachen mit Bürgermeister Uwe Ahrens und ließen Worten Taten folgen: Inzwischen läuft der Umbau des ehemaligen Pferdestalls auf Hochtouren. Schon am Montag sollen dort die ersten Mitglieder ihre Sporteinheiten absolvieren können, ab dem 6. Juli finden die ersten Kurse im Freien statt.

Umzug am Wochenende

Apropos: Dimo Emmermann will seinen Mitgliedern so viel Sport im Freien anbieten wie nur möglich. Auf einer Wiese unter alten Bäumen gibt er Yogaunterricht, in der Nähe befindet sich der Sportplatz der Burgbergschule, außerdem ein Beachvolleyballfeld.

Ihm sei wichtig, eine gute Zeit mit Menschen zu haben. „Dann ist Arbeit auch keine Arbeit mehr, sondern Spaß und Freude“, sagt er, steht auf und geht voller Tatendrang in den alten Pferdestall, wo seine Freunde fleißig hämmern, sägen, bohren und schleppen, damit am Wochenende der Umzug über die Bühne gehen kann. rockfit-northeim.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.