In der Gemeinde regt sich Protest gegen eine mögliche Veräußerung

Pfarrhaus Katlenburg vor dem Verkauf?

Sie setzen sich für den Erhalt des Pfarrhauses ein: Jost Knöpfel, Sonja Gesse-Harm, Volker Harm und Elke Kruse stehen hier vor dem Fachwerkhaus, das direkt an der Bundesstraße 247 unterhalb des Burgbergs liegt und seit 2018 leer steht.
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Sie setzen sich für den Erhalt des Pfarrhauses ein: Jost Knöpfel, Sonja Gesse-Harm, Volker Harm und Elke Kruse stehen hier vor dem Fachwerkhaus, das direkt an der Bundesstraße 247 unterhalb des Burgbergs liegt und seit 2018 leer steht.

Was passiert mit dem Pfarrhaus der evangelischen Kirchengemeinde in Katlenburg am Fuße der auf dem Burgberg gelegenen Johannes-Kirche?

Katlenburg- Das fragen sich etliche Katlenburger. Sie möchten einen Verkauf des seit zweieinhalb Jahren leer stehenden Fachwerkgebäudes verhindern.

„Was uns ärgert, ist vor allem, dass wir gar nicht wissen, ob der Kirchenvorstand den Verkaufsbeschluss bereits gefasst hat oder nicht“, sagt Jost Knöpfel, der selbst Architekt ist und bis August 2019 auch dem Katlenburger Kirchenvorstand angehörte. Eine Sitzung habe es wohl gegeben, es werde aber nichts kommuniziert.

Knöpfel und einige Mitstreiter sind der Ansicht, dass das Pfarrhaus noch gebraucht wird. Vor allem, falls das derzeitige Pastorenehepaar, das sich noch im dreijährigen Vorbereitungsdienst befindet und nicht im Pfarrhaus wohnt, nicht in Katlenburg bleiben sollte, sei es wichtig, dass die Gemeinde weiter ein Pfarrhaus für Nachfolger anbieten könne.

Auch die Bausubstanz des denkmalgeschützten Fachwerkhauses aus dem Jahre 1752 sei in Ordnung, die Fassade okay, das Dach ebenfalls und teils seien auch schallgedämmte Dreifachfenster zur Bundesstraßenseite vorhanden. Natürlich müsse das Haus innen saniert werden, neue Bäder, Fußböden, eine neue Heizung und auch eine neu gestaltete Außenanlage bekommen, so Knöpfel, doch die Investition lasse sich in einem überschaubarem Rahmen halten. Schließlich gebe es 300 000 Euro an Rücklagen in der Gemeinde für Gebäudeerhalt, ergänzt Elke Kruse, ebenfalls ehemaliges Kirchenvorstandsmitglied.

Ina Danne, Vize-Vorsitzende des aktuellen Kirchenvorstands in Katlenburg, hält dem entgegen, dass der Kirchenvorstand keine Geheimniskrämerei betreiben wolle. Man habe die Gemeinde transparent mit einbeziehen wollen in einer Gemeindeversammlung, die aber kurzfristig wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.

Auch für den neuesten Gemeindebrief sei es schon zu spät gewesen, um über das Pfarrhaus informieren zu können.

Dies soll nun aber im Februar nachgeholt werden, in einer neu angesetzten Gemeindeversammlung, die für den 15. Februar geplant sei. Danne: „Ein Austausch mit der Gemeinde ist uns wirklich wichtig.“

Bislang habe es Sitzungen zur Zukunft des Pfarrhauses gegeben, fährt Danne fort, auch mit externer Beratung. Zugleich weist die Vize-Vorsitzende darauf hin, dass basierend auf Vorgaben des Kirchenkreises ein Gebäudemanagement-Konzept für alle gemeindeeignen Immobilien erstellt worden sei. Dazu gehörten neben dem Pfarrhaus noch zahlreiche andere Häuser sowohl unterhalb des Burgbergs als auch auf dem Burgberg selbst und beispielsweise auch in Suterode. Verkehrswert-Gutachten als Entscheidungsgrundlagen für den Bauausschuss des Kirchenvorstands seien erstellt worden.

Das sagen der Kirchenkreis und das Kirchenamt

Vom Kirchenkreisamt heißt es, dass generell immer die örtlichen Kirchenvorstände über die Zukunft ihrer Immobilien entscheiden. Eine Gemeindeversammlung sollte über die Planung informieren, so auch in Katlenburg.

Die Kirchenkreissynode verabschiede in regelmäßigen Abständen einen Gebäudebedarfsplan, der für alle Gemeinden gelte. Aufgestellt werde er von einem Ausschuss für Gebäudemanagement. Der Plan sage aus, welche Gebäude in der Region für die kirchliche Arbeit noch erforderlich sind.

Gebäudeüberhang

Konkret zu Katlenburg heißt es vom Kirchenkreisamt, dass es in der dortigen Gemeinde im Vergleich zu anderen Gemeinden überproportional viele kircheneigene Gebäude gebe, die nicht für den Kern der kirchlichen Arbeit benötigt werden (Gebäudeüberhang).

Das Pfarrhaus in Katlenburg müsste vor einer möglichen Weiterverwendung als Pfarrhaus grundlegend saniert werden. Das große mehrstöckige Haus mit Nebengebäuden direkt in der Kurve der Bundesstraße sei zudem nicht unbedingt für die heutige Lebenssituation von Pastorinnen und Pastoren geeignet, weil eher Berufsanfänger ohne große Familie für die Pfarrstelle gewonnen werden könnten.

Das Superintendentenpaar sowie die Leiterin der Bauabteilung im Kirchenamt würden die Gemeinde in ihren Entscheidungsprozessen begleiten.

(Von Axel Gödecke)

Das Pfarrhaus Katlenburg hier von der Rückseite aus aufgenommen.

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