Tischlerei Langethal reagiert auf Folgen der Pandemie

Mit eigenem Trockenraum gegen die Lieferengpässe

Tischlermeister Mirko Langethal aus Suterode.
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Setzt auf moderne Maschinen: Tischlermeister Mirko Langethal aus Suterode.

„Die Liebe zum Holz sollte ein angehender Tischler schon mitbringen. Und er muss anpacken können und teamfähig sein“, sagt Tischlermeister Mirko Langethal aus Suterode.

Suterode – Einen jungen Menschen pro Jahr bildet er in seinem Betrieb aus. Unter drei, vier Bewerbern kann der Handwerker meistens wählen. Welchen Schulabschluss die jungen Menschen haben, ist dem Chef egal. Geometrie-Kenntnisse benötigen sie allerdings für den Beruf, betont er. Sie müssen gerne mit anderen zusammen arbeiten – in der Werkstatt und beim Kunden. 20 bis 30 Kilogramm sollten sie problemlos heben können. Denn neben Holz bearbeiten sie auch Kunststoffe und Stahl.

„Die Zukunftsaussichten im Tischlerhandwerk sind gut“, ist sich der Unternehmer sicher. Derzeit übersteige die Nachfrage nach Handwerksleistungen das Angebot. Und: Von der Corona-Pandemie habe er wenig gemerkt.

Zwar konnten seine drei Gesellen, die zwei Auszubildenden und drei Helfer während des ersten Lockdowns nicht in Altenheimen oder Industriebetrieben arbeiten, weil diese keine „Fremden“ mehr hereingelassen haben, dafür sei jedoch die Nachfrage bei den Privatkunden gestiegen. Langethal vermutet, dass viele ihr Zuhause „verschönern“ wollten, weil sie nicht in den Urlaub fahren konnten.

Eine Folge der Pandemie seien jedoch Lieferengpässe. „Gerade eben wollte ich Schrauben bestellen, es sind aber kaum welche lieferbar“, berichtet Langethal. Lieferketten funktionierten unter anderem deswegen nicht mehr, weil ein Mangel an Containern bestehe. Höhere Preise, längerer Lieferzeiten und Holz-Knappheit haben dazu geführt, dass Langethal sich einen eigenen Trockenraum eingerichtet hat. Wenn Ende September die elektronische Steuerung geliefert wird, kann er frisch geschlagene Bäume selbst aufbereiten. Er wird dann unter anderem Bretter nach dem Standard des Internationalen Pflanzenschutzübereinkommens (IPPC) herstellen. Sie müssen zum Abtöten von Schädlingen eine Zeit lang auf 56 Grad Celsius erwärmt werden. Aus den Brettern stellt Langethal Transportkisten für Laser-Firmen her, die ihre Hightech-Geräte weltweit verschicken.

Auch verwachsenes Holz mit vielen Astlöchern will Langethal in der Trockenkammer aufbereiten. Er benötigt es für den Möbelbau. Die Löcher spritzt er mit Epoxidharz aus. „Das sieht großartig aus“, erzählt er. Tische aus solchem Holz wolle er künftig über das Internet verkaufen, ein Webshop sei in Planung.

Die Tischlerei stellt laut Langethal außerdem Fenster und Türen, Terrassen und Fußböden her. Sie baut aber auch Wohnmobile aus und übernimmt Bestattungen. In Suterode lernen die Auszubildenden auch den Umgang mit einer dreiachsigen, computergesteuerten CNC-Maschine. „Nach dem Brand vor zwei Jahren haben wir komplett neue Technik erhalten“, berichtet der Handwerksmeister. Einen sechsstelligen Eurobetrag investierte der Betrieb damals in sieben neue Maschinen. „So modern ausgestattet wie wir sind nicht viele“ sagt Langethal stolz. (Michael Caspar)

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