Geld für die Unterhaltung der Friedhofskapelle fehlt

Kirche und Dorfverein buhlen in Sudheim um Trauerfeiern

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Die Friedhofskapelle in Sudheim: (von rechts) Rolf Gieseler, Günter Scheunemann und Manfred Walter vom Dorfverschönerungsverein machen sich Sorgen, wie sie erhalten werden kann.

Sudheim. Die Friedhofskapelle in Sudheim treibt den Mitgliedern des Dorfverschönerungsvereins (DVV) die Sorgenfalten auf die Stirn. Dem Verein, der seit drei Jahren den Betrieb der Kapelle übernommen hat, fehlen Einnahmen, um den Sanierungsstau an dem Gebäude zu beheben. Der Grund: Die Zahl der Trauerfeiern, die in der Kirche stattfinden, steigt.

2015 und 2016 zählte der Vorsitzende des DVV, Rolf Gieseler, noch jeweils elf Trauerfeiern in der Kapelle. Im vergangenen Jahr waren es nur noch vier. „Wir wollen frühzeitig darauf hinweisen, dass es in der gegenwärtigen Form nicht weitergehen kann“, betont Gieseler.

„Da haben wir keinen Einfluss darauf“, sagt der Sudheimer Kirchenvorstandsvorsitzende Jens Lütje zur Zahl von Trauerfeiern im örtlichen Gotteshaus. Wenn Angehörige von Verstorbenen, die Kirchenmitglied waren, den Wunsch äußern, dass die Trauerfeier in der Kirche stattfinden soll, „dann werden wir auf keinen Fall Nein sagen“, betont er. Ähnlich äußert sich auch Pastor Winfried Barabasch. Zwar habe es seit vergangenem Herbst mehrere Trauerfeiern gegeben, die auf Wunsch der Angehörigen in der Kirche stattgefunden hätten. Eine Tendenz, dass Trauerfeiern verstärkt in der Kirche abgehalten werden, möchte er daraus aber noch nicht ableiten.

220 Euro Benutzungsgebühr erhält der DVV pro Trauerfeier in der Kapelle. Die Höhe der Gebühr habe der Verein von der Stadt unverändert übernommen. Der Erlös soll für die Unterhaltung des Gebäudes verwendet werden.

Bei nur vier Trauerfeiern im Jahr lassen sich damit nach Gieselers Worten kaum die Fixkosten decken. An Investitionen an und in der aus den späten 1950er-Jahren stammenden und später erweiterten Kapelle sei damit aber nicht zu denken. Zum Vergleich: Bei einer Trauerfeier in der Kirche werden 160 Euro fällig.

In Langenholtensen und Berka, so berichtet Tobias Otto, Sachbearbeiter für das Friedhofswesen im Northeimer Kirchenkreisamt, seien ähnliche Konflikte wie in Sudheim dadurch entschärft worden, dass die Kirchengemeinden die Gebühren für die Kirchen soweit angehoben haben, dass es zumindest keinen finanziellen Anreiz mehr dafür gibt, Trauerfeiern in der Kirche stattfinden zu lassen. Die Gotteshäuser seien dort vor allem für Trauerfeiern vorgesehen, bei denen der Platz für die vielen Trauergäste nicht ausreicht. 

In Langenholtensen, so berichtet Ortsbürgermeisterin Reta Fromme, haben sich der Ortsrat, der dort die Friedhofskapelle bewirtschaftet, und der Kirchenvorstand sich nicht nur auf die gleiche Gebührenhöhe von 220 Euro verständigt. Die Kirchengemeinde reicht bei Trauerfeiern in der Kirche 120 Euro für die Kapelle an den Ortsrat weiter. 

Dorfverschönerungsverein (DVV) und Kirchenvorstand haben in Sudheim auch schon zusammengesessen. Eine Lösung des Konflikts hat es aber bisher nicht gegeben. 

Winfried Barabasch

Er finde das Engagement des DVV klasse, betonte Barabasch. Aber: „Wir als Kirche haben an der Kapelle kein Interesse.“ Aus seiner Sicht wird die Kapelle nur für die Trauerfeiern von konfessionslosen Verstorbenen benötigt. Wenn ein Mitglied einer christlichen Kirche verstirbt, stehe für die Trauerfeier die Kirche zur Verfügung. Das gelte für evangelische Christen ebenso wie für katholische. Voraussetzung sei die Zugehörigkeit zu einer Kirche des Arbeitskreises christlicher Kirchen. 

„Uns sind die Hände gebunden“, argumentiert der Sudheimer Pastor weiter. Die Gebühren für die Kirchennutzung müssten plausibel und nachvollziehbar sein und könnten nicht willkürlich festgelegt werden. Angesichts gestiegener Strompreise ließe sich vielleicht eine Anhebung der Gebühren um zehn Euro rechtfertigen. Neben Heiz- und Stromkosten können auch Reinigungskosten in die Gebühren einfließen. „

„Das Problem ist, die Friedhofskapellen sind unattraktiv und häufig zu klein“, sagt Superintendent Jan von Lingen generell dazu, dass wieder mehr Trauerfeiern in den Kirchen stattfinden. 

Eine Sanierung der Sudheimer Kapelle ist nach den Worten des DVV-Vorsitzenden dringend notwendig. „Hier muss was passieren“, betont er. Gerne würde der DVV die zugigen Fenster sowie die Hintertür ersetzen. Auch die Heizung müsste erneuert werden. Die elektrischen Heizstrahler, die über Kopfhöhe an den Wänden angebracht sind, sorgten für Wärme unterm Dach, nicht aber dort, wo die Trauergemeinden sitzen. Auch ein neuer Innenanstrich täte der Kapelle gut. 

Eine Schließung der Kapelle ist zurzeit noch kein Thema, da sind sich der Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins, Rolf Gieseler, und seine Mitstreiter Manfred Walter und Günter Scheunemann, die sich ebenfalls um die Kapelle kümmern, einig. Aber spätestens wenn der Punkt erreicht sei, dass der Betrieb nur noch mithilfe von übrigen Vereinsmitteln aufrechterhalten werden könne, müsse der Verein die Reißleine ziehen. Angesichts der Arbeit, die die Vereinsmitglieder ehrenamtlich in jede Trauerfeier investieren, komme es nicht infrage, dass der DVV eigenes Geld in die Kapelle stecke.

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