Bevölkerung nimmt ab

Kirchenkreis Leine-Solling verliert 1100 Mitglieder

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Immer weniger Kirchenmitglieder: Um neue Mitglieder zu gewinnen, gibt es neue Gottesdienstformen, zum Beispiel in einer beleuchteten Kirche.

Northeim. Die Bevölkerung im Landkreis Northeim nimmt ab, folglich sinkt auch die Zahl der Kirchenmitglieder.

Dem evangelischen Kirchenkreis Leine-Solling gehörten nach Mitteilung von Superintendent Jan von Lingen am Jahresende 2017 noch 57.184 Menschen an. Das sind 1083 oder 1,91 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2001, als Leine-Solling aus den drei selbstständigen Kirchenkreisen Northeim, Einbeck und Uslar gebildet wurde, hatte der Kirchenkreis noch 75.000 Mitglieder. 

Der Rückgang der Mitglieder im Kirchenkreis ist nach den Worten der Superintendenten unwesentlich geringer als in der gesamten Landeskirche Hannovers, die einen Rückgang an Mitgliedern von 1,95 Prozent zu verzeichnen hat. Und das, obwohl im Gebiet des Kirchenkreises der Bevölkerungsrückgang stärker sei als in der gesamten Landeskirche. 

Demographischer Wandel ist sichtbar

Jan von Lingen

Der demographische Wandel sei in vielen Städten und Dörfer deutlich sichtbar, sagte Jan von Lingen: „Wir werden immer weniger und immer älter. Geschäfte schließen, Einrichtungen ziehen sich zurück, Häuser stehen leer.“ Das sei auch für die Kirchengemeinden eine echte Herausforderung. Maßgeblich für den Rückgang war vor allem die Zahl der Verstorbenen. 965 starben (2016: 934), 327 Menschen traten aus der Kirche aus (2016: 308). Nicht eingegangen in die Statistik sind die Verluste durch Wegzug. Dem gegenüber standen im vergangenen Jahr 415 Taufen, das sind 29 weniger als 2016, und 65 Aufnahmen in die evangelische Kirche. Das ist eine mehr als 2016. „Die Kirche steht mitten in einem großen gesellschaftlichen Wandel“, erklärte Superintendentin Stephanie von Lingen. „Wir sehen einen deutlichen Trend zur Individualisierung.“ Es gebe aber weiterhin einen großen Zusammenhalt in den Gemeinden. „Die Kirche ist nach wie vor eine starke Gemeinschaft“, betonte sie.

Als Folge des Mitgliederrückgangs sind mittlerweile im Kirchenkreis Leine-Solling viele dörfliche Pfarrstellen pfarramtlich verbunden oder sogar mit anderen Gemeinden zusammengeführt worden.

Dies sichere die Versorgung mit den kirchlichen Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen, Beerdigungen sowie mit Gottesdiensten, erklärte Superintendent Jan von Lingen: „Die 99 Kirchengebäude und 21 Friedhofskapellen sind das geblieben, was sie zum Teil seit Jahrhunderten sind: Orientierungspunkte für Mensch und Dorf.“

Neue Gottesdienstformen

Allerdings: „Diese Weitläufigkeit im Kirchenkreis schafft dort, wo der Pastor oder die Pastorin nicht mehr im Ort wohnt, mehr Distanz“, räumte der Superintendent ein.

Das Klagen habe in den 35 Kirchengemeinden zwischen Bodenfelde und Katlenburg glücklicherweise keine Tradition, meint Superintendentin Stephanie von Lingen. So werde auf diese Entwicklung unter anderem mit vielen Gemeindeangeboten und neuen Gottesdienstformen reagiert.

Stephanie von Lingen

„Die Kirche hält in Diakonie, Kirchenmusik oder Jugendarbeit sowie in den Heimatgemeinden ein großes Angebot bereit“, betonte die Superintendentin. „Hier wird nach wie vor gelebt und geliebt, geglaubt und gefeiert und vor allem: angepackt.“

Es seien die Menschen, die der Kirche ein Gesicht geben. „Wo keine Menschen sind, um miteinander in Gottes Namen zu feiern, braucht es auch keine Kirche mehr“, betonte sie. Die Gemeinden sollten die Türen offen halten. „Setzt Euch ein für Eure Kirche vor Ort und nehmt die Angebote der Gemeinde wahr“, forderte sie.

Verluste auch in katholischer Kirche

Auch in den katholischen Gemeinden sinkt die Zahl der Mitglieder. So ist die Gemeinde Nörten (mit Hardegsen) im vergangenen Jahr um 27 Mitglieder geschrumpft. 2814 Gläubige, so teilte Dechant Andreas Pape auf Anfrage mit, gab es am Jahresende 2017. Inzwischen sei die Zahl auf 2804 weiter gesunken. 

Deutlich geringer fällt der Rückgang in Northeim (mit Moringen) aus. Zählte die Gemeinden Ende 2016 noch 4828 Gläubige, waren es ein Jahr später nur zehn weniger. Auf diesem Stand, 4818 Mitglieder, ist die Gemeinde auch aktuell. 

Das Bistum Hildesheim insgesamt hat im vergangenen Jahr 9414 Miglieder verloren. 600 802 Mitglieder hatte es Ende 2017. 5768 Sterbefällen, 5527 Austritten und 2995 Wegzügen standen 3334 Taufen, 364 Eintritte und 1160 Zuzüge gegenüber. 

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